Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Stramme Oberschenkel schützen das Herz

10.11.2009, 07:00 Uhr


Ein Oberschenkelumfang von weniger als 60 Zentimetern erhöht bei Frauen und Männern das Risiko für Koronare Herzkrankheit (KHK) und verfrühten Tod. Dies zeigt eine aktuelle Studie aus Dänemark

Arbeit am Schreibtisch begünstig nicht nur Übergewicht - was erwiesenermaßen mit einem erhöhten Risiko für das Herz einhergeht. Mit der fehlenden Bewegung schwindet auch die Muskulatur. Das betrifft vor allem die Oberschenkel, denn sie sind mit großen, kräftigen Muskeln ausgestattet. In einer Langzeitstudie verglichen Kopenhagener Forscher bei 1.436 Männern und 1.380 Frauen den Umfang der Schenkel in Höhe der Gesäßfalte. Dabei zeigte sich: Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Erwachsenen im Alter von 35 bis 65 Jahren maßen die Oberschenkel weniger als 60 Zentimeter im Umfang. Diese Teilnehmer entwickelten in den folgenden zehn Jahren zwei- bis dreifach häufiger als die übrigen Verengungen der Herzkranzgefäße - Hauptursache für Herzinfarkte - oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Gesamtsterberisiko war mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen mit muskulöseren Oberschenkeln.

Die Wissenschaftler vermuten, dass mangelnde körperliche Fitness die eigentliche Ursache für das Herz-Kreislauf-Risiko ist. Die Folge ist eine schwache Muskulatur. Dies wiederum lässt die Wirksamkeit des Blutzucker regulierenden Hormons Insulin sinken, zeigen andere Studien. Die Spätfolge dieser Insulinresistenz ist dann ein Typ-2-Diabetes. Dabei ist der verminderte Oberschenkelumfang ein eigenständiger Risikofaktor: Er ließ sich in der Studie nicht auf andere bekannte Risiken wie Rauchen, Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte oder auch Gewichtsprobleme zurückführen.

Bei der Beratung der Patienten sollten Ärzte dem Oberschenkelumfang deshalb eine ähnliche Bedeutung beimessen wie der Bestimmung von Bauchumfang und Body-Mass-Index. Die Studie bestätigt die derzeitigen Empfehlungen der DGIM und anderer Fachgesellschaften: Erwachsene mit überwiegend sitzender Tätigkeit sollten fünfmal in der Woche mindestens eine halbe Stunde Sport treiben. Ob sich bestimmte Sportarten wie Radfahren oder Übungen zur Stärkung der Muskeln im Fitness-Studio besser eignen als andere Ausdauersportarten, ist noch unklar. Wie sich die einzelnen Sportarten auf das Herzkreislaufrisiko genau auswirken, ist bisher noch zu wenig untersucht.

Quelle: Heitmann, B., Frederiksen, P.:  Brit. Med. J. 2009; 339: b3292


Dr. Bettina Hellwig