Schweinegrippe im Gesundheitsausschuss

Im Herbst Zunahme der Fallzahlen und schwerere Verläufe befürchtet

Berlin - 27.08.2009, 13:05 Uhr


In Deutschland sind bis Dienstag Nachmittag knapp 15.000 Fälle der Neuen Grippe, umgangssprachlich Schweinegrippe, registriert worden. Diese verliefen bislang zumeist „relativ mild“. Ab Herbst könnte sich das ändern.

Unter Verweis auf die vom Bundeskabinett am 19. August verabschiedete Verordnung, die jedem Versicherten den Anspruch auf eine Impfung gewährleistet, erläuterte das Gesundheitsministerium noch einmal das vorgesehene Prozedere für die Impfung der Deutschen gegen die Neue Influenza A (H1N1). Das Ministerium geht derzeit davon aus, dass ab Mitte Oktober der erste Impfstoff geliefert wird, die derzeit bestellten 50 Millionen Dosen würden dann bis Anfang Dezember zur Verfügung stehen. Damit sollen zunächst chronisch Kranke, Schwangere und Schlüsselpersonen der medizinischen Versorgung sowie Polizei und Feuerwehr geimpft werden. Die Information der Versicherten erfolge über öffentliche Aufrufe.

Die CDU/CSU-Fraktion verwies in diesem Zusammenhang auf die öffentliche Diskussion, ob die Einbeziehung von Schwangeren in die ersten Impfungen sinnvoll sei. Johannes Löwer, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) erläuterte in diesem Zusammenhang, dass Schwangere auch bei normaler Grippe einem höheren Risiko ausgesetzt seien. Das Institut hatte gestern bestätigt, dass sich der Impfstoff auch für Schwangere eigne. Ernsthafte Probleme seien bei den Tests an mehreren Hundert Freiwilligen bisher nicht aufgetreten, an Schwangeren selbst sei der Impfstoff aber bislang nicht getestet worden.

Die SPD-Fraktion äußerte im Verlauf der Ausschusssitzung Kritik am Vorbereitungsstand der Länder hinsichtlich der Organisation der Impfungen. Die Länder seien, wie das Gesundheitsministerium in der Sitzung noch einmal betont hatte, für die Organisation der Impfungen verantwortlich. Verbindliche Impfvereinbarungen der Länder mit den Krankenkassen gäbe es aber noch nicht. Vonseiten der FDP-Fraktion wurde die "epidemiologische Sinnhaftigkeit der ganzen Angelegenheit" bezweifelt und die Frage aufgeworfen, wie weit im Zusammenhang mit der Schweinegrippe Panik geschürt werde.

Die Fraktion Die Linke erkundigte sich, ob die von der Bundesregierung veranschlagten 28 Euro ausreichend seien. Nach Angaben seiner Vorstandsvorsitzenden Doris Pfeiffer erwartet der GKV-Spitzenverband die Einhaltung dieser Summe für eine zweimalige Impfung. Der Kostenrahmen reiche allerdings nur aus, wenn die Impfung über den Öffentlichen Gesundheitsdienst organisiert werde. Die Linkspartei kritisierte insgesamt, dass die Bundesregierung auf die Schweinegrippe nicht hinreichend vorbereitet sei. "Die Bundesregierung muss beispielsweise erklären, warum es selbst drei Jahre nach der Vogelgrippe und der begonnenen Pandemie-Planung keine Strategie gibt, wie innerhalb kurzer Zeit über 20 Millionen Menschen geimpft werden sollen", erläuterte Frank Spieth, der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, die Vorwürfe seiner Partei im Anschluss an die Sitzung. Der öffentliche Gesundheitsdienst und die normalen Arztsprechstunden seien "auf einen Massenansturm nicht vorbereitet".

Deutschland muss mit Beginn der Grippesaison ab Herbst mit einer zweiten Infektions-Welle rechnen, warnte das RKI. Dabei müsse man davon ausgehen, dass das Virus sich nicht nur stärker verbreite, sondern die Erkrankungen auch schwerer ausfielen. So seien auch Todesfälle in Deutschland nicht auszuschließen, von denen das Land bislang verschont geblieben ist. Derzeitiger Spitzenreiter bei den Schweinegrippe-bedingten Todesfällen ist Brasilien, welches 557 Tote zu beklagen hat. Es liegt damit noch vor den USA, die bis zum 20. August 522 Todesfälle verzeichneten.


Tarja Wündrich


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