Ärztehonorare

„Armutsdebatte in Deutschland fehl am Platze“

Berlin - 26.08.2009, 17:15 Uhr


Anhand der Daten für die letzten Jahre hat die Barmer Ersatzkasse die Honorarentwicklung bei den niedergelassenen Ärzten errechnet. Dabei zeigte sich für die letzten vier Jahre eine durchschnittliche Steigerung um gut ein Fünftel.

Die Honorare der niedergelassenen Ärzte stehen immer wieder im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion. Kaum eine Debatte ließ die Gemüter in jüngster Zeit so hoch kochen, wie jene um die Bezahlung ärztlicher Tätigkeit. Ob die Ärzteschaft vor einem drohenden Ärztemangel warnte, wenn die Arbeit der Mediziner weiterhin "verramscht" würde oder ob Politiker umgekehrt die maßlosen Forderungen und "Politgetöse in den Praxen" anprangerten, detaillierte Zahlen wurden in der hoch emotional geführten Debatte nur selten genannt. Die Barmer hat nun anhand der eigenen Daten und denen aus anderen Quellen konkrete Modellrechnungen angestellt, wie sich die Honorare der Mediziner in den letzten Jahren entwickelt haben, und diese in "Gesundheitswesen aktuell 2009" veröffentlicht.

Das eigentlich erstaunliche an der aktuellen Diskussion sei, so der "Gesundheitswesen aktuell"-Herausgeber Uwe Repschläger bei der Veröffentlichung des Werkes in Berlin, dass praktisch die gesamte Auseinandersetzung im luftleeren Raum geführt werde. Weder gäbe es im Rahmen der Diskussion eine hinreichende Transparenz über die tatsächlich gezahlten Honorare an Arztpraxen, noch über die realen Einkommensverhältnisse der niedergelassenen Ärzte.

"Wir haben uns angesichts der emotionalen Debatte und der reißerischen Schlagzeilen gefragt, wie viel wurde denn überhaupt gezahlt?", so Repschläger weiter. Anhand konkreter Zahlen errechnete die Barmer diesbezüglich für das Jahr 2007 einen Betrag von durchschnittlich 283.300 Euro pro Arzt. Für 2009 kamen die Analysten schon auf 311.000 Euro. Ausgehend von durchschnittlichen Praxiskosten von 116.000 Euro würde der einzelne Mediziner durchschnittlich 195.000 Honorar haben, wovon natürlich noch Altersvorsorge und andere persönliche Fixkosten abgezogen werden müssten.

"Angesichts einer solchen Summe kann davon ausgegangen werden, dass eine Armutsdebatte für die Niedergelassenen in Deutschland fehl am Platze ist", fasst Repschläger die Ergebnisse zusammen. Ärzte gehörten mit einem Durschnittseinkommen, welches um das sechs- bis siebenfache über dem des durchschnittlichen GKV-Versicherten läge, nach wie vor zu den Spitzenverdienern. Tatsache sei aber auch, dass die Honorare und Honorarzuwächse innerhalb der Ärzteschaft sehr unterschiedlich verteilt sind. Es gäbe also durchaus ein Problem, wie der Barmer-Experte in Berlin einräumte, es sei jedoch ein Verteilungsproblem, welches erst jenseits der Gesamtsumme beginnt.


Tarja Wündrich


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