Sichere Arzneimitteltherapie

BMG und Verbände geben gemeinsames Merkblatt heraus

Berlin - 14.08.2009, 16:52 Uhr


Der Flyer stellt acht wichtige Regeln für die Anwendung von Medikamenten auf und soll Patienten zeigen, was sie selbst für ihre eigene Sicherheit tun können. Kritik kam vom Bundesverband der pharmazeutischen Industrie.

Arzneimittel können Leben retten und Leiden lindern aber auch selber zur Gefahr für Leib und Leben werden. So internationalen Studien zufolge schwere Arzneimittelzwischenfälle und Medikationsfehler ein relevantes Gesundheitsproblem, an dem in den Industrieländern vermutlich mehr Menschen versterben als im Straßenverkehr. Dabei sind vor allem auch Anwendungsfehler durch den Patienten selbst mit einem großen Risiko behaftet. Um dieser Gefahr zu begegnen, wurde im Rahmen des Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit 2008/2009 ein Merkblatt zur Sensibilisierung der Patientinnen und Patienten für die Risiken der Arzneimitteltherapie erarbeitet, was am heutigen Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

"Medikationsfehler gehören zu den wichtigsten Gefahrenquellen für die Patientensicherheit", kommentiert die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel die Zielsetzung des neuen Merkblatts. Patientinnen und Patienten könnten das Risiko aktiv mindern, wenn sie sich an die Regeln des Informationsmerkblattes hielten. "Grundsätzlich gilt: Ein informierter Patient trifft die besseren Entscheidungen bei der Wahl der Therapie und verhält sich dann therapietreuer". "Was wir brauchen, sind gut informierte Patienten, die über den richtigen Gebrauch, den Nutzen, aber auch mögliche Schadenpotenziale und Risiken von Arzneimitteln aufgeklärt sind", betont auch K.-Dieter Voß, Vorstand des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung und hebt neben dem gesundheitlichen auch den wirtschaftlichen Aspekt hervor: Nur bei verantwortungsvollem Umgang mit Medikamenten ließe sich eine hinreichende Therapiesicherheit und damit auch eine wirtschaftliche Arzneimittelversorgung erreichen.

An der Entwicklung des Merkblattes waren auch Apothekerverbände beteiligt. "Rezeptfrei heißt nicht harmlos", mahnt Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), anlässlich der Vorstellung. Alle Medikamente seien ein beratungswürdiges Gut, egal ob verschreibungspflichtig oder rezeptfrei. Auch von Ärzteseite wird das Merkblatt begrüßt. "Es ergänzt die persönliche Beratung der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die diese jeden Tag in den Praxen leisten", so KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller.

"Arzneitherapie ist ein Hochrisikoprozess!" betont Prof. Kai Daniel Grandt, aus dem Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. "Der Patientenflyer ist Teil eines Aktionsplans, mit dem Ärzte und Apotheker gemeinsam mit den in der Politik Verantwortlichen die Arzneimitteltherapie sicherer gestalten wollen." Ein Vorhaben, welches gerade auch hinsichtlich der immer älter werdenden Gesellschaft von großer Wichtigkeit ist.

BPI: Arzneimittelsicherheit ist mehr als ein Flyer

Kritik kam anlässlich der Veröffentlichung des Merkblattes vonseiten des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI). "Arzneimitteltherapiesicherheit ist mehr als ein Flyer", monierte der Verband in einer unmittelbar nach Bekanntgabe des Merkblattes verfassten Pressemeldung. "Die pharmazeutische Industrie fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, sich ehrlich für die Sicherheit in der Arzneimitteltherapie einzusetzen." Stattdessen stellten BMG und AOK den Aktionsplan der Bundesregierung durch eine abenteuerliche Rechtsauslegung zum Austausch von Arzneimitteln auf den Kopf, so der BPI weiter. Um sicher mit einem Arzneimittel umgehen zu können, müsse auch die Gebrauchsanweisung richtig sein. Genau dies verhindere jedoch die Ministerin mit ihrer eigenen Auffassung zum Aut idem. Hinsichtlich der Forderung von BMG und AOKen geforderten unbegrenzten Austauschbarkeit von Medikamenten erhalte der Patient unter Umständen Präparate, in deren Packungsbeilage keine Informationen zu seiner Krankheit enthalten seien und die entsprechenden Anwendungs- und Dosierungshinweise fehlten - mit allen möglichen Folgen für die korrekte Anwendung durch den Patienten. "Potenzielle Einsparungen werden hier klar vor die Frage der Arzneimitteltherapiesicherheit gestellt", konstatiert der BPI.

Abgerufen werden kann das Merkblatt in unserm , zusammen mit weiteren Informationen auf der Internetseite des BMG aber auch auf den Seiten anderer an seiner Entwicklung beteiligter Organisationen und Verbände wie ABDA, KBV, AkdÄ oder GKV-Spitzenverband.


Tarja Wündrich