Arzneimittel und Therapie

Androgenetische Alopezie: Minoxidil gegen Geheimratsecken, dünnes Haar und Glat

Ursprünglich wurde Minoxidil gegen Bluthochdruck eingesetzt, doch bemerkten die Patienten einen positiven Einfluss auf ihre Haarpracht. Unter dem Namen Regaine bringt Pharmacia & Upjohn nun ab September 2000 eine fünfprozentige Minoxidil-Lösung in Deutschland auf den Markt. Regaine ist ein äußerlich anzuwendendes Haarwuchsmittel gegen den erblich hormonell bedingten Haarausfall, das aufgrund seiner geringen Resorption über die Haut gut verträglich ist und für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet ist.

Der Verlust von bis zu hundert Haaren pro Tag ist "normal". Alles, was längerfristig darüber liegt, gilt als Haarausfall. Mit 95 Prozent am weitesten verbreitet ist die androgenetische Alopezie. Dies ist eine anlagebedingte Form des Haarausfalls, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten kann. Ursache für den Haarverlust ist ein Übermaß an Dihydrotestosteron, der aktiven Form des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Das Testosteron benötigen Männer für die sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale, für die Libido und die Potenz; bei Frauen ist das Hormon durchaus auch vorhanden, aber in deutlich geringerem Anteil. Dihydrotestosteron (DHT) fördert Entwicklung und Wachstum von Penis und Prostata in der Fetalperiode und der Pubertät. Es ist verantwortlich für die charakteristische männliche Körperbehaarung. Wird DHT bei entsprechender genetischer Disposition auch im Erwachsenenalter verstärkt gebildet, schädigt es die Follikel, aus denen die Haare wachsen: Die aktive Wachstumsphase wird immer kürzer, die Ruhephase immer länger. Die Haare haben also weniger Zeit zum Wachsen - sie werden dünner und kürzer. Schließlich kommt das Wachstum ganz zum Stillstand, die Haare fallen aus - Geheimratsecken, dünnes Haar oder Glatze sind die Folgen.

Geheimratsecken und dünnes Haar sind Warnsignale

Haarausfall verläuft meist in Schüben. Zeiten mit starkem und auffälligem Haarverlust wechseln sich mit Phasen ab, in denen der Haarausfall scheinbar zum Stillstand kommt. Während der akuten Schübe bemerken die Betroffenen oft, dass ihre Haare fettiger werden, denn die Talgdrüsenaktivität der Kopfhaut bleibt unverändert, aber weniger Haare stehen zur Verfügung, den Talg aufzunehmen. Warnsignale für androgenetische Alopezie sind bei Männern Geheimratsecken, bei Frauen das langsame "Ausdünnen" der Haare. Bei beiden werden die einzelnen Haare zunehmend feiner. Während sich bei Männern zunächst kahle Stellen an der Stirn, dann am Hinterkopf und später Oberkopf bilden, ist der Haarausfall bei Frauen eher in der Scheitelregion angesiedelt. Wenn bei ihnen die Alopezie fortschreitet, wird das Haar auf dem Oberkopf immer dünner - zu einer Glatze kommt es nur in sehr seltenen Fällen. Verlauf und Schweregrad der Erkrankung hängen stark von den Erbanlagen, dem Alter und der individuellen Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber den männlichen Hormonen ab.

So schnell wie möglich handeln

Hat der Arzt den Haarausfall festgestellt, sollte so bald wie möglich behandelt werden. Regaine wird auf die Kopfhaut direkt auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Minoxidil ist in einer Konzentration von fünf Prozent enthalten und wirkt dreifach:

  • bereits zurückgebildete Haarfollikel vergrößern sich,
  • die Wachstumsphase wird verlängert,
  • auch degenerierte Follikel beginnen wieder normales und kräftiges Haar zu produzieren.

Der genaue Wirkmechanismus von Minoxidil auf den Haarwuchs ist noch weitgehend ungeklärt. Sicher ist, dass es nicht in das Hormonsystem der Haut eingreift. Eine Theorie ist, dass Minoxidil die Bildung neuer Blutgefäße in der Kopfhaut anregt. Die Haarwurzelzellen können besser versorgt werden und sich deshalb häufiger teilen. Das Präparat ist für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet. Nebenwirkungen treten nur lokal auf und sind meist milder Art, da Minoxidil nur in geringem Maß (durchschnittlich 1 Prozent) über die Haut resorbiert wird. Es kann zu Hautrötungen, Jucken oder Schuppung der Haut kommen. Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Minoxidil sollten auf die Anwendung verzichten. Der Blutdruck wird durch das Präparat nicht beeinflusst.

Zweimal täglich mit passendem Applikator

Regaine-Lösung sollte am besten morgens und abends auf die trockene Kopfhaut aufgetragen werden. Jede Packung enthält drei Typen von Applikatoren, um die Anwendung zu erleichtern. Zu Beginn der Behandlung wird der individuell passende ausgesucht und einmalig aufgeschraubt. Der Sprühaufsatz ist für den Tonsurbereich geeignet, der Pumpspray mit verlängerter Spitze für kleine Stellen oder bei lichtem Haar unter der Frisur. Der Kontaktapplikator wird verwendet, um die Lösung direkt auf kleinere Flächen aufzutragen.

Frühe und langfristige Anwendung bringt Erfolg

Bei regelmäßiger Anwendung von Regaine konnte in zwei Drittel der Fälle der Haarausfall schon nach acht Wochen gestoppt werden. Eine US-Studie mit rund 40 Männern hat gezeigt, dass in 8 Prozent der Fälle der Haarausfall verzögert wurde und in Prozent die Zahl der Haare zunahm. Die ersten Haare, die nachwachsen, sind fein und blass (kaum sichtbares Flaumhaar). Erst allmählich werden die Follikel größer und kräftiger. Dann produzieren sie stärkere und dunklere Haare. Entscheidend für den Erfolg ist die langfristige Anwendung, denn Minoxidil kann die genetisch-hormonell bedingte Schrumpfung der Follikel nur so lange bekämpfen, wie es angewendet wird. Wird die Behandlung abgebrochen, kann das neu gewachsene Haar bereits nach drei Monaten wieder ausfallen. Je eher der Betroffene mit einer Behandlung beginnt, desto größer sind die Erfolge. Voraussetzung ist, dass die Einnahme regelmäßig erfolgt und der Patient Geduld hat, denn ein erstes Ergebnis ist erst nach etwa sechs Monaten sichtbar. Die besten Erfolge mit Regaine wurden erzielt, wenn die kahlen Stellen nur wenige Zentimeter Durchmesser hatten und der Haarausfall noch keine zehn Jahre andauerte.

Ursprünglich wurde Minoxidil gegen Bluthochdruck eingesetzt, doch bemerkten die Patienten einen positiven Einfluss auf ihre Haarpracht. Unter dem Namen Regaine® bringt Pharmacia & Upjohn nun ab September 2000 eine 5-prozentige Minoxidil-Lösung in Deutschland auf den Markt. Regaine® ist ein äußerlich anzuwendendes Haarwuchsmittel gegen den erblich-hormonell bedingten Haarausfall, das aufgrund seiner geringen Resorption über die Haut gut verträglich ist und für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet ist.

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