Neuer Anlauf für Visavia

Rheinland-Pfalz testet Abgabeterminals

Mainz - 02.07.2012, 16:08 Uhr


Vor eineinhalb Jahren hat das Bundesverwaltungsgericht den Betrieb des Arzneimittel-Abgabeterminals Visavia der Firma Rowa in weiten Teilen für unzulässig erklärt. Seitdem war es in Deutschland still geworden um das Terminal. Heute startete in Rheinland-Pfalz ein Modellprojekt mit dem Abgabeautomaten für Medikamente.

Mit dem Testlauf will man herausfinden, ob ein Abgabeterminal für Medikamente in Apotheken „eine sinnvolle und qualitätsgesicherte Ergänzung für die Bürger und Bürgerinnen auf dem Land sein könnte", erklärte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer. Mit dem Projekt Visavia solle die Abgabe von Arzneimitteln an Patientinnen und Patienten auch außerhalb der Kernöffnungszeiten der jeweiligen Apotheke ermöglicht werden, betonen die Ministerin und Rowa in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Und zwar auch ohne, dass die Patienten auf eine Beratung verzichten müssen. Zudem soll ihnen der oft weite Weg zur nächsten diensthabenden Apotheke erspart bleiben. 

Der Startschuss für das Projekt fiel heute an „ausgewählten Apotheken“. Vier sind es an der Zahl, sie befinden sich verteilt über das Bundesland in Daun, Osthofen, Bodenheim und Haßloch. Das Modell soll wissenschaftlich durch die Universitäten Trier und Mainz begleitet und evaluiert werden. Aus Sicht des Ministeriums und von Rowa reicht die Anzahl von vier Apotheken hierfür aus. Tatsächlich war es aber auch nicht ganz einfach, mehr Apotheken zu finden, die sich an dem Projekt beteiligen. Die Akzeptanz in der Apothekerschaft sei niedrig, räumte ein Rowa-Sprecher gegenüber DAZ.online ein. Und die Apothekerkammer hatte ebenfalls kein Interesse an einer Zusammenarbeit.

Auch wenn Visavia eigentlich für Zeiten konzipiert ist, da die Apotheke nicht geöffnet ist – im Modellprojekt startet man zunächst zu den regulären Öffnungszeiten. So sollen die Patienten mit der neuen Technologie vertraut gemacht werden. Rezepte können am Terminal gescannt und direkt zum Zeitpunkt der Medikamentenabgabe bedruckt und abgezeichnet werden. Ein Apotheker steht während des gesamten Vorgangs – in der Regel via Bildschirm – für die Patienten zur Verfügung. Diejenigen Mängel, die das Bundesverwaltungsgericht seinerzeit gesehen hatte, sieht man bei Rowa behoben. So werde den erforderlichen Dokumentationspflichten nunmehr über eine elektronische Signatur genügt. Dies sei ein „sauberer Prozess“, versicherte der Unternehmenssprecher. Die Dokumentationssicherheit werde gewährleistet, ebenso eine eindeutige Zuordnung zum Apotheker.

Weiterhin hatte das Bundesverwaltungsgericht einen Verstoß gegen die Pflicht des Apothekenleiters zur persönlichen Leitung der Apotheke in eigener Verantwortung angenommen. Denn die Beratung am Terminal übernahm ein Apotheker, der Angestellter einer eigens hierfür geschaffenen Kapitalgesellschaft war. Nun sind es die vier Apotheker des Modellprojektes, die füreinander einspringen. Es bestehen direkte Arbeitsverträge zwischen den verschiedenen Apothekenleitern, erklärte der Rowa-Sprecher. So steht etwa der Apotheker aus Haßloch Kunden am Dauner Terminal beratend zu Seite. Für den Fall der Fälle, dass ein Kunde dringend eine persönliche Beratung außerhalb der Öffnungszeiten wünscht, wird zudem sichergestellt, dass der Leiter besagter Apotheke bzw. sein approbiertes Personal hinzugezogen werden kann.

Nach der ersten Projektphase im Tagesbetrieb sollen die Betriebszeiten des Terminals im September in einer zweiten Phase auf die Zeiten Montag bis Samstag von 06.00 Uhr bis 22.00 Uhr ausgedehnt werden. Nach Projektende im Herbst 2013 soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.


Kirsten Sucker-Sket