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Auch die Deklaration der Multivitaminpräparate trägt zu den schlechten Testergebnissen in Ökotest bei.

Öko-Test

Schwere Zeiten für Vitamine

Berlin - Zu hohe Dosierungen, fragwürdige Auslobungen und mangelhaften Nutzen wirft Öko-Test vielen Multivitaminpräparaten vor und beurteilt diese als „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Das Ergebnis, veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe von Öko-Test, ist für die Hersteller niederschmetternd. Keines der 49 getesteten Präparate – bis auf zwei diätetische Lebensmittel sind alle als Nahrungsergänzungsmittel im Verkehr - sei demnach empfehlenswert.

Die im Test vergebene Bestnote „befriedigend“ wurde gerade mal drei Produkten zugesprochen. Ein Nutzen von Multivitaminpräparaten – auch in Kombination mit Spurenelementen - sei für gesunde Anwender nicht belegt. Außerdem könnten sie ein falsches Ernährungsverhalten nicht ausgleichen. Denn dazu würden nicht nur essenzielle Nährstoffe, sondern auch die energieliefernden Nährstoffe im richtigen Verhältnis sowie adäquate Mengen an Ballaststoffen aus sekundären Pflanzenstoffen gehören – so wird die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zitiert. 

In den meisten Fällen fanden die Tester „willkürlich“ dosierte Mikronährstoffe vor. Lediglich bei 18 der getesteten Produkte entspricht die Zusammensetzung der Höchstmengenempfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Teilweise enthalten diese Spurenelemente wie Eisen und Kupfer, die nach BfR-Empfehlung nicht in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sein sollten. 

Auch die Deklaration der Multivitaminpräparate trägt zu den schlechten Testergebnissen bei. Gesundheitsbezogene Angaben würden oft nicht durch Stellungnahmen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gedeckt. Nach BfR-Empfehlungen sind beispielsweise Zinkpräparate nicht für Kinder geeignet. Hier würden häufig entsprechende Angaben zur Altersbeschränkung auf den Produkten fehlen und so die Testergebnisse weiter in den Keller ziehen. 
Öko-Test liegen, so heißt es in der Veröffentlichung, wissenschaftliche Hinweise darauf vor, dass hoch dosierte Vitamine oder Spurenelemente gesundheitsschädlich seien. Demnach würde beispielsweise Vitamin E das Risiko für Prostatakrebs und Vitamin A die Schlaganfall-Sterberate erhöhen. Der ursprüngliche Anspruch, dass die Vitaminpräparate den Patienten nicht schaden, sei allein dadurch, dass die Dosierempfehlungen des BfR eingehalten werden, nicht mehr erfüllt. Daher verschärfte Öko-Test seine Bewertungskriterien. Um als „sehr gut“ eingestuft zu werden, muss jetzt für das Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich ein Nutzen für den gesunden Anwender belegt sein.

Svenja Schwob / 27.01.2012, 16:16 Uhr

Kommentare:

Banane (Stefan Haydn) sagt:
30.01.2012 10:49

Erst Spiegel, jetzt Ökotest. Momentan ist wohl Vitamin-Bashing bei den deutschen Schreiberlingen angesagt.

Wer da wohl Geld gezahlt hat?!

Und wie immer ist alles gut recherchiert.

Wer Ökotest noch ernst nimmt ist eh selber schuld!

framo sagt:
30.01.2012 09:01

Das Pendel schwingt

mal wieder in die andere Richtung. Mit Vitaminen wird viel Geld verdient. In und außerhalb der Apotheke. Wir wissen die Aussagen einzuordnen. Sagen wir den Patienten und Kunden, die sich an und wenden die Wahrheit. Bewahren wir sie vor körperlichen Schäden. Ansonsten sind Vitamine ein hervorragendes Placebo.
Wenn man im abbezahlten Wohneigentum lebt, keine Verbindlichkeiten bei der Bank und ein beruhigendes Polster daselbst hat, eigentlich schon überall war, wo man so hinwollte im Leben, kann man ruhig Vitamintabletten zu sich nehmen - oder eine Kreuzfahrt machen, oder anderswie sein Geld unter die Leute bringen.
@Constanze
Jeder kennt den neunzigjährigen Kettenraucher und den Gesundheitsapostel, der das Rentenalter nicht erreicht. Wir sind zum Glück mehr...

constanze sagt:
28.01.2012 12:30

meine Eltern nehmen seit mehr als 20 Jahren Nahrungsergänzungmittel bzw. Vitaminpräparate, meine Mutter ist 88 Jahre mein Vater 91 Jahre, beide haben keine schwerwiegenden Erkrankungen in dieser Zeit bekommen. Viele Erkrankungen entstehen meiner Meinung nach durch einen Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamine und Mineralien.

Baniahmad sagt:
28.01.2012 12:28

wie bei allem: sola dosis venenum facit

siradog sagt:
28.01.2012 11:41

Die Aufmachung des Heftes ist an Übertreibung nicht zu überbieten,
immer nach dem Motto, Auflagensteigerung um jeden Preis!
Der Verbraucher bekommt den Eindruck,
hier würde es sich um giftige Präparate
handeln (fehlt nur noch der Totenkopf)
und hat Angst, weil er mal eine zeitlang ein Vitaminpräparat genommen
hat. Und ich war derjenige, der ihn mit meiner Empfehlung dazu verleitet hat.
Die Bewertung der einzelnen Produkte
ist wie gewohnt undifferenziert und willkürlich, jede Autozeitschrift macht ihre Testergebnisse besser.
Ich fordere die Apothekenzeitungen auf,
solche angstschürende Artikel zu kritisieren und objektive Sichtweisen gegenüberzustellen.

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