Sie sind hier: Tagesnews-Wirtschaft > News
Wirtschaft

Takeda setzt in Deutschland den Rotstift an. (Foto: Takeda)
Umstrukturierung
Takeda streicht über 1000 Arbeitsplätze
Berlin - Der größte japanische Pharmakonzern Takeda setzt nach der Milliardenübernahme der Schweizer Pharmafirma Nycomed in Deutschland den Rotstift an. Das Unternehmen streicht nun über 700 Arbeitsplätze in aufgekauften Nycomed-Standorten und circa 400 Stellen im Außendienst. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens werden bis zu 1200 Arbeitsplätze von Umstrukturierungen betroffen sein.
Gilbert Rademacher, Leiter von Nycomed Deutschland und des deutschen Integrationsprozesses, sagte in einer Pressemitteilung: „Die Veränderungen sind notwendig, denn Deutschland ist das Land mit den größten Überschneidungen im Konzern. Hier gibt es sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene erhebliche Doppelstrukturen und Überkapazitäten. Unser Ziel wird es jedoch sein, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen nach den bestmöglichen Optionen zu suchen, damit die Betroffenen so gut wie möglich mit den Veränderungen umgehen können.“
Vor allem den ehemaligen Nycomed Hauptstandort Konstanz trifft es schwer: Der komplette Arbeitsbereich Forschung & Entwicklung wird geschlossen, der Vertrieb wird nach Berlin verlagert und die Verwaltung umstrukturiert. Insgesamt werden circa 700 Arbeitsplätze gestrichen, davon werden rund 80 Stellen an andere Standorte verlagert. Zukünftig soll Konstanz Sitz der Verwaltung werden und nur noch 150 Mitarbeiter beschäftigen.
Für Willinghusen bei Hamburg, dem zweiten Forschungsstandort des Unternehmens in Deutschland mit rund 110 Mitarbeitern, wird ein Investor gesucht. Gespräche sollen schon stattgefunden haben.
Der Vertrieb soll zentral nach Berlin verlagert werden. Die beiden bisherigen Vertriebsstandorte Konstanz und Aachen werden geschlossen. Rund 130 Stellen sollen in die Hauptstadt verlagert werden. Im Außendienst von Takeda und Nycomed sollen insgesamt 400 Arbeitsplätze wegfallen. Allein die Produktion an den Standorten Singen und Oranienburg bleibt von den Umstrukturierungen weitgehend unberührt.
Das Unternehmen müsse auf die tiefgreifenden Veränderungen im Pharmamarkt reagieren, auch weil das Auslaufen von Patenten bei Nycomed und Takeda zu erheblichen Einbußen geführt habe, sagte Konstantin von Alvensleben, Geschäftsführer der Takeda Pharma: „Der Neuaufbau in Berlin ist aus unserer Sicht eine gleichberechtigte Lösung und ein Zeichen für die Neuausrichtung des integrierten Unternehmens.“
Insgesamt sollen in Europa 2100 und in den USA 700 Stellen wegfallen, teilte die Takeda-Zentrale bei der Vorstellung der mittelfristigen Ziele bis 2015 im japanischen Osaka mit.
Die Japaner hatten Nycomed 2011 für 9,6 Milliarden Euro übernommen, um mit dem größten Zukauf der Firmengeschichte unabhängiger vom schwierigen Heimatmarkt und den USA zu werden, wo billigere Nachahmermedikamente den Umsatz bedrohen. Durch die Übernahme erhielt der Konzern auf einen Schlag Zugang zu den schnell wachsenden Schwellenländern.
Almuth Schmidt / 18.01.2012, 16:34 Uhr
Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:
Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.




eimer sagt:
19.01.2012 12:40@anna
darüber macht sich hoffentlich auch keiner lustig. aber so läuft nun mal das perverse spiel der großkonzerne --- die normalen angestellten bleiben auf der strecke...
Dr. Peter Post sagt:
19.01.2012 08:28Früher war die deutsche Pharmaindustrie mal die Apotheke der Welt. Nun macht die Apotheke der Welt zu, nachdem sie zuvor für 10.000.000.000,- verkauft wurde. Das wirft sicher ein schlechtes Licht auf den Käufer, aber auch der Kaufgegenstand ist nicht mehr das, was er mal war. Darüber muss jeder, der noch eine Apotheke hat, ins Grübeln kommen.
Anna sagt:
18.01.2012 22:40Vllt. können Sie sich darüber lustig machen, dennoch verlieren hunderte von Menschen ihren Arbeitsplatz. Man sollte diese Menschen fördern und nicht wegen Fehlern der Vergangenheit aburteilen.
Mein Vater ist von der Streichung und Umsiedlung der Arbeitsplätze betroffen, das bedeutet Umzug oder neuer Job.
Aber Sie betrifft das natürlich nicht, vllt. verstehen sie deshalb nicht die Situation in der jetzt viele Familien stecken.
MfG Anna