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Kommentar
Soziale Verantwortung?
Stuttgart - Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte – und das ist hier der Patient. Das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis beliefert seit 15. Oktober die Pharmagroßhandlung Gehe nicht mehr mit Ware. Obwohl es eine gesetzliche Verpflichtung zur Belieferung des Großhandels gibt.
Novartis glaubt, sich darüber hinwegsetzen zu können. Eine zeitlang kann ein boykottierter Großhändler die Nichtbelieferung sicher überbrücken, aber nach zwei bis drei Wochen wird es eng. Novartis-Ware gelangt nicht mehr an die Apotheken, die Leidtragenden sind die Patienten. Soziale Verantwortung eines Pharmaunternehmens?
Grund für den Entzug der Ware ist der Streit zwischen Pharmaunternehmen und Großhändler um das Skonto. Steht Novartis etwa unter Druck? Oder möchte das Unternehmen seinen Gewinn über eine Senkung des Skontos vergrößern? Statt derzeit 1,5 Prozent Skonto, das ein Hersteller dem Pharmagroßhändler in der Regel für rasche Bezahlung einräumt, soll es in Zukunft nur noch 0,55 Prozent betragen. Das wird eng für den Großhändler, zumal auch seine Kunden, die Apotheken, ein Skonto von ihm erwarten. Nach Einschätzung von Branchenkennern könnte es sogar zu eng werden, überhaupt noch Skonto zu gewähren.
Natürlich ist die Gewährung eines Skontos eine freiwillige Leistung eines Kaufmanns, er kann, muss aber nicht. Und bei einem Nettoumsatz von 50,6 Mrd. US Dollar und einem Reingewinn von knapp 10 Mrd. US Dollar sollte ein Skonto von 1,5 Prozent machbar sein. Aber wenn, wie in solchen jahrelangen Geschäftsbeziehungen zwischen einem Pharmahersteller und einem Großhändler, es Usus ist, Skonto zu gewähren und man sich fragen muss, ob ein milliardenschweres Pharmaunternehmen wirklich so wenig Gewinn macht, dass man versucht, eine Skontokürzung mit einem Lieferboykott durchzudrücken, dann kann schon die Vermutung aufkommen, ob Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus angestrebt wird.
Streitigkeiten ums Skonto hat Novartis dem Vernehmen nach mit allen Großhändlern, ein Exempel statuieren will Novartis mit Gehe. Und Gehe will Novartis die Stirn bieten – das ist gut so. Wenn ein Unternehmen, das ein niedriges Skonto durchsetzt, damit Erfolg hat, könnten leicht andere Unternehmen folgen. Das Ergebnis: Auch der Großhandel könnte seinen Kunden weniger Skonto gewähren. Das hätte deutlich spürbare Auswirkungen auf die AMNOG-gebeutelten Apotheken.
Peter Ditzel / 09.11.2011, 16:46 Uhr
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Pillenliesel sagt:
12.11.2011 08:43Geht der Novartis-AD'-ler nächstes Mal ohne Auftrag nach Haus. Motto: gibst DU mir nichts-geb ich DIR nichts.
Da sie (Novartis) allem Anschein nach sehr sensibel auf ein paar Euros mehr oder weniger reagieren , muss man sie mit eigenen Waffen schlagen.
Apotheker B sagt:
12.11.2011 01:20Wenn sich die Pharmaunternehmen und ihre Töchter Rabattverträge mit Dumpingpreisen leisten können, dann müssen sie auch B sagen und vernünftige Skontibedingungen aufrecht erhalten können.
Was ist eigentlich wenn der Umsatz unter die Ersparnis der Skontominderung sinkt.
Wo ist denn auf einmal unser ganzes Coldareen geblieben, was gestern noch in der Sichtwahl stand,... ich muss da mal nachschaun´....a´dee.
Dr Beppi sagt:
10.11.2011 12:07In der Novartis Konzernzentrale herrscht Panik, denn die Rendite droht in den einstelligen Bereich abzurutschen. Es werden daher 2000 Stellen abgebaut und Teile der Forschung(!) nach China verlagert. Da muss auch der deutsche Großhandel seinen Kompensationsbeitrag leisten - es zählt jedes Prozentli.
Rabattretter sagt:
10.11.2011 10:20Und wenn man sich dann noch die Neu-Konditionen von Phoenix für 2012 ansieht, dann bekommt man das kalte Grausen. Der Ertrag 2012 wird deutlich einbrechen, wenn das so kommt.