Sie sind hier: Tagesnews-Wirtschaft > News

Wirtschaft

Apokix-Umfrage

Kundenzeitschriften in Apotheken: beliebt, informativ, teuer

Köln - Kundenzeitschriften bilden einen wichtigen Baustein für erfolgreiche Kundenbindung in der Apotheke. Welche bedeutende Rolle Kundenzeitschriften zwischenzeitlich gewonnen haben, zeigt die Oktober-Auswertung des Apokix.

Neben dem Einlösen von Rezepten und dem Kauf rezeptfreier Medikamente ist es vor allem die Beratung, weshalb Kunden eine Apotheke aufsuchen. Das Informationsbedürfnis ist dabei groß. Nachgefragt werden insbesondere Beratungsleistungen zu Arzneimitteln und deren Anwendung sowie zur Selbstmedikation. Immer häufiger werden zudem Fragen zu anderen Gesundheitsthemen wie chronischen Krankheiten, Reisemedizin, Sport oder Ernährung gestellt. Letztgenannte Themen werden auch in Kundenzeitschriften, die in der Apotheke kostenlos abgegeben werden, immer wieder aufgegriffen. Eine bevölkerungsrepräsentative Befragung des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln zeigt, dass knapp 40 Prozent der Kunden das Angebot an Kundenzeitschriften als wichtiges Kriterium bei der Wahl ihrer Apotheke angeben. Apothekerinnen und Apotheker haben dieses Bedürfnis erkannt und stellen den Kunden in ihren Apotheken jeden Monat jeweils rund 700 Exemplare der beliebtesten Kundenzeitschriften zur Verfügung.

Apotheken Umschau beliebteste Kundenzeitschrift

Die Oktober-Auswertung des Apokix zeigt, dass die „Apotheken Umschaumit Abstand das beliebteste Medium ist. Knapp 95 Prozent der 330 befragten Apotheker und Apothekerinnen schenken ihren Kunden eine Ausgabe des alle zwei Wochen erscheinenden Magazins. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der „Diabetes Ratgeber“ und der „Senioren Ratgeber“. Aber auch „medizini“ ist bei den Kunden begehrt: 84 Prozent der abgegebenen Zeitschriften entfallen auf das Kindermagazin.

Kundenzeitschriften als Investition in den Kunden

Um den Kunden die beliebten Zeitschriften zur Verfügung stellen zu können, müssen Apotheker und Apothekerinnen tief in die Tasche greifen. Rund 60 Cent pro Ausgabe investieren sie für jedes abgegebene Magazin. Jährlich entstehen hierdurch Kosten von 5000 Euro pro Apotheke. Hochgerechnet auf alle Apotheken in Deutschland werden demnach Kundenzeitschriften im Wert von über 100 Mio. Euro abgegeben. Und das, obwohl viele Kunden häufig nur in die Apotheke kommen, um sich die Zeitschrift zu besorgen, gleichzeitig aber keine weiteren Produkte kaufen. Die Erwartungshaltung vieler Kunden sei dabei enorm und Verärgerung vorprogrammiert, wenn die gewünschte Kundenzeitschrift nicht zur Abholung bereit läge, so ein Apotheker.

Nach Ansicht von Dr. Markus Preißner, Bereichsleiter der Pharma Experts des IFH Köln, sind die Erfahrungen der Apothekerinnen und Apotheker mit der Abgabe der kostenlosen Kundenzeitschriften in der Apotheke typisch für die Erwartungshaltung der Kunden: „Kunden erwarten in der Apotheke die beste und freundlichste Beratung, die umgehende Verfügbarkeit der Arzneimittel, kostenlose Botendienste und Gesundheitsdienstleistungen – und eben auch kostenlose Kundenzeitschriften.“ Die Abgabe kostenloser Kundenmagazine gehöre deshalb zum Apothekenalltag. „Viele Kunden haben sich daran gewöhnt und möchten diesen „netten“ Apothekenservice nicht mehr missen“, so Preißner. Ob die Kunden aber wissen, welche Kosten den Apotheken durch die Abgabe der Kundenmagazine entstehen und ob sie eine entsprechende Wertschätzung beim Erhalt ihrer persönlichen Exemplare zum Ausdruck bringen, bezweifelt er.

Jeder Dritte rechnet mit stark sinkenden Umsätzen

Vor allem in Zeiten sinkender Umsätze fällt es den deutschen Apothekerinnen und Apothekern nicht immer leicht, langfristig zu planen und in die Kundenbindung zu investieren. Der Negativtrend der vergangenen Monate setzt sich auch im Oktober weiter fort. Nur Rund 10 Prozent der befragten Apothekerinnen und Apotheker beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Knapp 60 Prozent sind mit den erzielten Ergebnissen unzufrieden. Auch die Beurteilung der Geschäftserwartung fällt erneut negativ aus. Bereits jeder Dritte rechnet mit sich stark verschlechternden wirtschaftlichen Ergebnissen. Der Index für die 12- Monats-Erwartung fällt erneut um 3,1 Punkte.

DAZ.online / 24.10.2011, 15:49 Uhr

Kommentare:

J. Winter sagt:
25.10.2011 16:43

Ich bin absolut nicht der Ansicht, dass kostenlose Kundenzeitschriften zur Kundenbindung an eine bestimmte Apotheke beitragen.
Sinnvoller ist es sich um individuelle Marketinglösungen zu bemühen. Wegen einer kostenlosen Zeitung wird niemand speziell die XY-Apotheke aufsuchen.
Aber z.B. Bonusprogramme, oder ein Botendienst, der in vielen Apotheken noch fehlt, oder eine andere Idee ist gefragt.

Irgendwelche Aufkleber auf die Zeitschriften kosten unnötig Geld. Die Aufkleber kommen ja nicht von alleine auf die Zeitschriften.

Also mutig sein, teure Zeitung aus Bayern kündigen und z.B. ein Bonusprogramm oder kostenfreies Parken oder sonstwas Individuelles einführen.

Spätestens in einem halben Jahr werden sich die Erfolge in Form von mehr und nicht weniger mehr...

Rauwolfia sagt:
25.10.2011 12:32

Interessant wäre noch die zusätzliche Erhebung der echten Kundenbindung über die angebotenen Zeitschriften. Wir halten immer noch an unserer altbewährten Kundenzeitschrift fest, sind also dem "Umschau-Werbungsdruck" noch nicht erlegen und stellen immer wieder fest, dass vor allem Nichtkunden die "Umschau" nachfragen. Ob davon dann einer wiederkommt und zahlender Kunde wird???

U. Puteanus sagt:
25.10.2011 12:16

Schade, dass nur die Zeitschriften mit großem Werbeanteil angeboten werden. Mit der Zeitschrift "Gute Pillen - Schlechte Pillen" (www.gutepillen-schlechtepillen.de) gibt es auch eine werbefreie Zeitschrift, die durch das Arzneitelegramm, Arzneimittelbrief, BUKO Pharmabrief und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft getragen wird. Es brächte den Apotheken eine äußerst gute Presse, wenn sich mit einem Schwung eine größere Anzahl von Apotheken dazu entschließen könnten, diese verbrauchefreundliche zeitschrift mit hohem Glaubwürdigkeitswert in den Apotheken anzubieten.

E.Müller sagt:
25.10.2011 10:46

Viele Kunden wissen genau was die Zeitung kostet.Ich habe auch immer wieder Kunden die sagen , dass es den Apotheken immer noch gut gehen muß solange sie die Apothekenumschau kostenlos verteilen. Viele fühlen sich durch die Fernsehwerbung der Apothekenumschau auch schon belästigt.
Ich finde, daß die ABDA der Apothekenumschau unser A entziehen müßte,da die Damen und Herren aus Bayern sich schon längst von einem partnerschaftlichen Verhältnis mit den Apotheken verabschiedet haben. Sie betrachten uns wie andere auch nur noch als Melkkuh der Nation.
Eine Apothekenumschau ohne A wäre die einzige Möglichkeit, die Bayern in Ihrer
Maßlosigkeit zu stoppen.

Søren Helsingfors sagt:
25.10.2011 09:31

In der TV-Werbung wird mittlerweile auf den Hinweis verzichtet, dass die Apotheke die Apotheken-Umschau bezahlt. Ich finde das richtig. Denn der Apotheker entscheidet sich bewusst für dieses Serviceinstrument zur Kundenbindung weil er sich davon einen Nutzen verspricht. Wenn er aber dann kleinlich darauf hinweist, dass ihn sein Service ja leider Geld kostet, wirkt das doppelbödig. Also: entweder mit ganzem Herzen "Geschenke" verteilen oder es eben bleiben lassen. Nicht aber gleichzeitig was verschenken und drüber jammern!

Apatsche sagt:
24.10.2011 23:36

@Florian Schneider: Gute Idee mit dem Aufdruck, einfach selber machen: Kleine Etiketten kaufen, mit einem passenden Grafikprogramm Apothekenlogo einfügen und einen Text a la: "Ein Gratis-Service Ihrer Eisvogel-Apotheke im Wert von 60 Cent"

Florian Schneider sagt:
24.10.2011 22:43

Unglaublich wie die Apotheken in eine solche Abhängigkeit rutschen konnten.
Wenigstens könnte man vom Verlag verlangen, dass der Preis pro Zeitschrift deutlich erkennbar aufgedruckt wird, damit jeder sieht, wer hier was verschenkt!

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Wirtschaft

 

Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.