Sie sind hier: Tagesnews-Spektrum > News

Spektrum

Die Deutsche Diabetes-Hilfe hat ihre Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“ gestartet. (Bild: diabetesde.org)

Die Deutsche Diabetes-Hilfe hat ihre Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“ gestartet. (Bild: diabetesde.org)

„Diabetes STOPPEN – jetzt!“

Nationale Diabetes-Strategie gefordert

Berlin - Ärzte und Betroffene pochen auf die Umsetzung einer Nationalen Diabetes-Strategie für Deutschland. Zum 1. März startete die gemeinnützige Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe daher ihre Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“, um die Volkskrankheit in den Fokus der politischen Diskussion zu bringen. „Immerhin ist mindestens jeder 10. Wähler von Diabetes betroffen – das sollte den Politikern ein Gespräch innerhalb des anstehenden Wahlkampfes wert sein“, erklärte Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Organisation.

Auf der Website www.diabetes-stoppen.de finden Interessierte, Behandler und Betroffene aktuelle Informationen und Handlungsanleitungen, anhand denen sie sich in die Kampagne einbringen und Termine bei ihren Abgeordneten in ihrem Wahlkreis vereinbaren können. Teil der Kampagne ist außerdem die Aktion „Post an die Bundeskanzlerin“: Es stehen drei Postkartenmotive zur Auswahl – „Zucker ist nicht süß“, „Blut lügt nicht“ und „Bis dass der Tod uns scheidet“ –, um auf Folgeerkrankungen und mangelnde Früherkennung der lebenslangen Krankheit zu verweisen.

Obwohl die Vereinten Nationen, die WHO und die Europäische Kommission die Etablierung nationaler Aktionspläne gegen chronische Krankheiten wie Diabetes empfehlen, gibt es hierzulande bisher keine Nationale Diabetes-Strategie. Die stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland, Claudia Leippert, hat dafür konkrete Ideen: Die Einführung einer Fett- und Zuckersteuer, täglich eine volle Stunde Sport in der Schule, eine verständliche Nährwertkennzeichnung auf Verpackungen sowie das Verbot von Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel und Getränke.

Rückendeckung gibt es von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Renate Künast: „Von der Stadtentwicklung über die Schule bis zur Lebensmittelwirtschaft – es muss gesellschaftlich ein anderes Bewusstsein für Ernährung und Bewegung geschaffen werden.“ Dietrich Monstadt, Mitglied des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag (CDU/CSU), ergänzt: „Der Diabetes-Tsunami lässt sich nur mit einem anderen gesellschaftlichen Verhalten aufhalten.“ Früher seien Kinder draußen mehr Fahrrad gefahren, heute säßen sie an Spielekonsolen vor dem Fernseher.

Wie wichtig gesundheitspolitisches Engagement ist, zeigen aus Sicht des Vizepräsidenten der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Dr. Erhard Siegel, auch die richtungsweisenden Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA): So sei Linagliptin zwar seit 2011 zugelassen, aber in Deutschland nicht für alle erhältlich, weil der G-BA dem Blutzuckersenker keinen Zusatznutzen im Vergleich zu anderen Diabetesmedikamenten attestierte. „Ohne eine starke Stimme der Patienten sind weitere Einschränkungen in der Versorgung zu befürchten“, warnt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes, Dr. Christian Berg.

 

Lesen Sie zum Thema auch:

Nutzenbewertung von Linagliptin: DDG fürchtet Rückschritt für Patienten

Diabetes mellitus: Körpereigenes Protein schützt Nieren

Juliane Ziegler / 06.03.2013, 10:25 Uhr

Kommentare:

Reinhard Rodiger sagt:
07.03.2013 18:13

@ Dr.Schweikert-Wehner

Linagliptin wurde in USA von der FDA akzteptiert, weil es bei
Nierenfunktionsstörungen sicherer ist als andere Substanzen.
Genau das ist ein häufiges Problem.

Ich möchte nicht der Industrie das Wort reden, aber völlig aus
dem Blickfeld geraten sind diese Detailverbesserungen, die zwar
keine Todesfälle verhindern, aber für einige die Therapie besser.

Ich glaube, wir wären gut beraten, uns über die kleinen Schritt-
veränderungen mehr Gedanken zu machen.Dies gilt auch, weil
schon jetzt klar ist, dass Forschung für Volkskrankheiten
oder schwierige Infektionen nicht mehr stattfindet.
Es lohnt sich bei der Geisteshaltung nicht.

Dr. Schweikert-Wehner sagt:
07.03.2013 12:56

@Rodiger
1. Richtig: Sulfonylharnstoffe gehören auf den Müllhaufen der Pharmageschichte
2. SH sind wissenschaftlich nur schwer mit Gliptinen vergleichbar
aber:
3. Die bisher auf dem Markt befindlichen Gliptine und GlP 1 Agonisten sind linagliptin gleichwertig.
4. Die DDG sollte sich nicht im vermeintlichen Patienteninteresse vor den Karren der Industie spannen lassen.

Reinhard Rodiger sagt:
06.03.2013 21:38

Diabetes und Behandlung beruht inzwischen auf politischer
Pharmakologie.Es ist nur ideologisch zu begründen, warum
Linagliptin nicht für einen begrenzten Kreis wie in vielen
anderen Ländern zugelassen wird.Wir sollten uns für die Klar-
stellung engagieren.Vielmehr gilt das jedoch für die Nichtver-
wendung on zB Glibenclamid.Diese Substanz ist besonders bei
wechselnder Galenik und bei Fehldosierung schon akut erheblich
risikoreicher.Sie ist in USA/UK bei Patienten über 65 nicht zu-
gelassen, bei uns Standardsubstanz im DMP.
Das IQWIG benutzt beliebig definierte Endpunkte und variiert sie
nach Belieben.Hypoglykämie ist eben nur überschiessende Haupt-
wirkung.Kausal ist nicht entscheidbar,ob Patientenverhalten,
mehr...

Dr. Schweikert-Wehner sagt:
06.03.2013 10:52

Diabetes Typ 2 ist keine Linagliptin- Mangel-Erkrankung auch wenn Boehringer das uns weiss machen will.
Wir Apotheker sollten uns stärker engagieren, auch bei solchen Kampangen. Die Bewertung von Arzneimitteln ist eine von vielen Möglichkeiten.

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Spektrum

 Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.