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Kalialaun - eine kritische Substanz. (Foto: Sket)
Kalialaun statt Zitronensäure
Verwechslung in Apotheke geht glimpflich aus
Berlin - Eine Apotheke im bayerischen Dietmannsried verkaufte versehentlich Kalialaun anstelle von Zitronensäure – und löste damit einen Großeinsatz der Polizei und Feuerwehr aus. Bis zum Nachmittag suchten die Einsatzkräfte über Radio und mit Lautsprecherdurchsagen nach dem unbekannten Kunden. Am Nachmittag meldete er sich bei der Polizei.
Gegen 11:30 Uhr am Dienstagvormittag hatte ein Mann in einer Apotheke in Dietmannsried 30g Zitronensäure erwerben wollen. Aufgrund einer Verwechslung bekam er jedoch eine Packung mit 30g Kalialaun. Gegenüber DAZ.online sagte ein Polizeisprecher, dass die Verwechslung für den Kunden nicht zu erkennen gewesen sei. Nachdem eine Angestellte der Apotheke den Fehler bemerkt hatte, verständigte sie umgehend die Polizei. Die Beamten fanden in der Fachliteratur einen Vermerk, dass Kalialaun bereits in geringen Grammzahlen tödlich wirken kann, und leiteten eine umfangreiche Fahndung nach dem Mann ein.
Während eine Warnmeldung über die Medien verbreitet wurde, fuhren vier Polizeifahrzeuge mit Lautsprecherdurchsagen durch Dietmannsried. Die Feuerwehr informierte mittels Durchsagen in angrenzenden Gemeinden. Zusätzlich versuchte die Polizei, die Identität des Mannes zu ermitteln: Mit dem Foto einer Überwachungskamera befragten Beamte Ärzte und Passanten in Geschäften. Gegen Nachmittag meldete sich der gesuchte Mann schließlich bei der Polizei.
Der 71-jährige aus dem Unterallgäu hatte die Substanz noch nicht eingesetzt. Er wollte die Zitronensäure verwenden, um Holundersaft herzustellen. Nach Einschätzungen der Polizei bestand für den Mann keine Gesundheitsgefährdung. Er hätte lediglich eine kleine Menge für den Saft verwendet – vermutlich wäre es nur zu einer Reizung aufgrund der adstringierenden Wirkung der Substanz gekommen. Die Ermittlungen, wie es zu der Verwechslung kommen konnte, dauern noch an.
Kalialaun, oder Kaliumaluminiumsulfat Dodecahydrat, kann nach Angaben der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg ab einer Einnahme von zwei Gramm tödlich wirken. Diese hatte aufgrund eines anderen Verwechslungsfalls im Jahr 2009 Informationen zu Kalialaun gesammelt. Demnach reagiert die Substanz in wässriger Lösung sehr sauer. Bereits zweiprozentige Lösungen können zu Verätzungen der Mundschleimhaut führen, wenn diese getrunken würden.
Alaun steht auch deshalb in der Kritik, weil es als Zutat in Rezepten für selbst gemachte Kinderknete auftaucht. Die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker (AMK) warnt vor der Verwendung: „Alaun ist eine Chemikalie und hat in Kinderspielzeug nichts zu suchen. Wer Knetmassen selbst herstellen will, sollte sich auf Lebensmittel als Zutaten beschränken“, so der AMK-Vorsitzende Dr. Martin Schulz.
Almuth Schmidt / 06.06.2012, 13:56 Uhr
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auswanderer sagt:
14.06.2012 21:57Nicht ganz von der Hand zu weisen, RMP (Risk Management Plan) der öffentlichen Apotheke kann aber nicht sein, dass für eine Falschabgabe einer Rezeptursubstanz im HV die Polizei (wie praktisch, dass man eine Überwachungskamera hat) und Feuerwehr eingeschaltet werden müsen, daher liegt der Verzicht auf dieses Geschäft nahe. Anders ist es in der Tat bei Verschreibungen, da hier ein öffentlicher Auftrag besteht.
Stavenhagen-Neumann sagt:
12.06.2012 15:34auswanderer
wenn der Kunde ein Mann ist, der keine Marmelade einkocht, weiß er nicht einmal, dass es in dem entsprechenden Regal im Supermarkt Zitronensäure gibt. Das als Beratungsbedarf zu interpretieren, halte ich für abwegig. Als es noch echte Drogerien gab, ging man meist dorthin um Haushalts-Chemikalien zu kaufen. Die Apotheke sprang dann ein, als es nur noch Drogeriemärkte gab. Und wenn wir hier so weitermachen, gibt's auch keine Individual-Apotheken mehr. Die Ketten geben dann eh keine Chemikalien ab, weil zu arbeitsaufwändig. Dann ist Ihre Forderung erfüllt. Zufrieden?
Und mal ganz grundsätzlich:
Wer hat denn die Verwechslung bemerkt? Doch die Apotheke und nicht der Kunde. Also muss doch irgendein Kontrollmechanismus -wenn auch spät- funktioniert haben.
Ich meine, mehr...
auswanderer sagt:
11.06.2012 21:00Wieso?
Wenn der Kunde sich an die Apotheke wendet, um Zitronensäure zu kaufen, hat er Beratungsbedarf. Wenn dieser nicht entsprechend wahrgenommen wird.... Sie verweisen selbst auf die Verfügbarkeit im Lebensmittelhandel, die der Kunde ganz offensichtlich nicht nutzt.
Der Fall ist besser als jeder fingierte Testkauf (Paracetamol + Leberschaden, etc...)
Stavenhagen-Neumann sagt:
11.06.2012 16:46auswanderer
"Zitronensäure ist bei entsprechender Sachkenntnis relativ leich von Alaun zu unterscheiden (Kristallinität)."
von mir entkräftet
"Bei entsprechender Sorgfalt hätte man den Kunden gleich gefragt, wozu er die Zitronensäure benötigt, was laut Artikel erst nach der Fahndung geschah."
von mir entkräftet
Was wollen Sie eigentlich sonst noch? Außer stänkern? Sollen wir von jedem Kunden, der eine harmlose Substanz kauft, den Personalausweis kopieren. Mit Hinweis darauf, dass wir das für den Fall der Verwechslung benötigen. Auf die Reaktion des Kunden wäre ich sehr gespannt. Im Zeitalter von Datenmissbrauch käme das bestimmt super an.
Das 4-Augenprinzip ist allerdings -und zwar egal wo Chemikalien mehr...
auswanderer sagt:
11.06.2012 14:12@QMB:
Gut, für mich das korrekte Procedere:
Abgabe der 30g Zitronensäure als Rezeptursubstanz im geeigneten Behältnis mit entsprechender Beschriftung.
Graubereich, so kennengelernt:
Bestellung der Rezeptursubstanz über den Großhändler, Abgabe an den Kunden ohne entsprechende Identitätsprüfung in der Originalverpackung des Herstellers der Rezeptursubstanz. Naheliegend, da kostensparend, aber nicht korrekt.
QMB sagt:
11.06.2012 09:56Leute, was soll das Gezetere, Chemikalien aus der Apotheke? Ruf nach der Kammer, nach Revisionen, nach noch mehr Bürokratie? Liegt das Prozedere nach Erkennen eines Fehlers nicht klar auf der Hand?
1. Schadensbegrenzung (ist rechtzeitig und konsequent geschehen)
2. Fehler Analyse
3. Wie kann das für die Zukunft ausgeschlossen werden?
Auch müssen wir uns fragen:
Haben wir uns damit in unserem QMS beschäftigt?
Welche Vorkehrungen müssen wir treffen, damit uns so etwas nicht passiert?
auswanderer sagt:
11.06.2012 06:12Täuschen Sie sich mal nicht. Kenne die Apotheke von innen sehr gut und auch die Graubereiche, zu gut.
Apo-Chief sagt:
09.06.2012 23:44Was ist denn das für ein Dilettant mit dem Nickname "auswanderer"? Dieses besserwisserische und neunmalkluge "ich war schon immer gegen die Abgabe von Chemikalien in der Apotheke" und das a la Mister Oberwichtig geäußerte "der Ruf nach der Kammer ist sehr wohl angebracht". Wo sind wir denn, daß jemand, der wahrscheinlich noch nie hinter die Kulissen einer öffentlichen Apotheke geschaut hat, so mit Pseudo-Fachwissen um sich werfen darf? Peinlich, peinlich.. Wo sollen denn Chemikalien sonst abgegeben werden, etwa beim Chemielehrer, an der Uni oder beim Chemikaliengroßhandel (die werden sich bedanken, ist ja wahnsinnig lukrativ;) )? Viele Grüße aus dem Nachtdienst einer "echten" Apotheke und aus dem wahren Leben
auswanderer sagt:
08.06.2012 16:30Warum? Wenn Sie sachlich nicht entkräften können, werden Sie beleidigend. Einfach mal die Apotheke belegen lassen, wie sie die ordnungsgemässe Abgabe von Chemikalien in der Praxis sicherstellt, um gerade solche Einsätze von Feuerwehr und Polizei zu vermeiden.
Stavenhagen-Neumann sagt:
08.06.2012 16:07auswanderer:
kennen Sie den Ausdruck "Klugscheißer"?
Sowohl Alumen als auch Zitronensäure gibt es in verschiedenen Formen (Kristallinität). Zitronensäure können Sie außerdem im übrigen in fast jedem Supermarkt kaufen. Ich wüsste nicht, dass mich dort jemand fragen würde, ob ich sie zum Marmelade kochen, zum Entkalken der Kaffeemaschine oder zur Limonadenherstellung benutzen will. Ist auch nicht wirklich relevant. Ihre Kommentare lassen vermuten, dass hier mal wieder auf Biegen und Brechen gegen die Apotheken Stimmung gemacht werden soll. Lassen Sie doch einfach Ihrem Nickname gemäß die dazugehörende Tat folgen.