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Cholera-Bakterien unter dem Mikroskop (Foto: Dartmouth College)

Cholera-Bakterien unter dem Mikroskop (Foto: Dartmouth College)

Mikrobiologie

Die Achillessehne des Cholera-Erregers

Hohenheim - Eine Mikrobiologin der Universität Hohenheim untersucht den Stoffwechsel des Cholera-Erregers und ist dabei auf ein winziges Zellkraftwerk gestoßen. Ein Hemmstoff könnte es in Zukunft lahmlegen – und so die Krankheit besiegen.

Mit 367.000 Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt, wie die Universität Hohemheim jetzt berichtete.

Das Bakterium Vibrio cholerae stammt ursprünglich aus den Sundarbans, den riesigen Mangrovenwäldern an der Grenze von Indien und Bangladesch. Dort lebt es im Brackwasser der Flussmündungen und ernährt sich vom Chitinpanzer der Planktonorganismen. Im 19. Jahrhundert ging das Bakterium Vibrio cholerae mit den Seefahrern auf Reisen. Seither peinigt der Erreger der Cholera in Epidemien immer wieder Menschen auf der ganzen Welt – besonders in Entwicklungsländern.

Angenehme Bedingungen herrschen für ihn in der Schleimhaut des Dünndarms. Dort nistet sich der Erreger ein und sondert ein Gift ab, das Choleratoxin. Es fördert die Ausscheidung von Natriumchlorid im Darm und entzieht dem menschlichen Körper nachfolgend große Mengen Wasser. Die Durchfallerkrankung kann schon nach einigen Stunden zum Tod führen. Pro Jahr kommen 120.000 Menschen auf diese Weise ums Leben.

Die Achillessehne des Vibrio cholerae liegt in seiner Zellmembran. Darin befindet sich ein Eiweiß-Komplex namens NQR. Das winzige Zellkraftwerk erzeugt die für das Überleben unerlässliche Spannung an der Zellmembran, indem es das Natrium-Ion aus der Zelle herauspumpt. Die Mikrobiologin verpflanzte Zellbestandteile in eine künstliche Membran, um sie dort zu testen. Die künstliche Membran besteht aus Lipiden, die im Labor erzeugt werden und sich zu Liposomen zusammenlagern. In diese Liposomen baute sie Teile aus dem Zellkraftwerk ein. Damit legt die Hohenheimer Forscherin die Grundlage für ein mögliches Medikament gegen Cholera.

Dr. Bettina Hellwig / 09.04.2012, 10:22 Uhr

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