Sie sind hier: Tagesnews-Spektrum > News

Spektrum

Ein neu entwickelter Hemmstoff (magenta) aus der Gruppe der Pyridone bindet an ein lebenswichtiges Enzym des Pesterregers. Blau dargestellt ist der Cofaktor des Enzyms, NADH, der wesentlich zur Wirkung des Hemmstoffs beiträgt. (Bild: Maria Hirschbeck)

Ein neu entwickelter Hemmstoff (magenta) aus der Gruppe der Pyridone bindet an ein lebenswichtiges Enzym des Pesterregers. Blau dargestellt ist der Cofaktor des Enzyms, NADH, der wesentlich zur Wirkung des Hemmstoffs beiträgt. (Bild: Maria Hirschbeck)

Infektionskrankheiten

Neue Wirkstoffe gegen die Pest

Würzburg - Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Stony Brook (New York/USA) haben den Bindungs- und Wirkmechanismus von zwei neuen Hemmstoffen aufgeklärt, die den Erreger der Pest angreifen, das Bakterium Yersinia pestis.

Die neuen Hemmstoffe aus der Gruppe der Pyridone  lagern sich an das Bakterienenzym FabV an und behindern es bei seiner Arbeit. Dieses Enzym vollzieht bei der Produktion der bakteriellen Fettsäuren den letzten Arbeitsschritt. Wird es blockiert, stirbt der Pesterreger ab, denn ohne Fettsäuren kann er seine schützende Umhüllung, die Zellmembran, nicht instand halten.
In ihren Labors hantieren die Wissenschaftler nicht mit Pesterregern, sondern mit dem isolierten Enzym. Im Verbund mit den Hemmstoffen bringen sie es in eine kristalline Form. In diesem Zustand können sie bis in molekulare Details hinein analysieren, wie die Hemmstoffe sich an das Enzym anlagern. Dann sehen sie sich die Kristallstrukturen an und schlagen Veränderungen an den Hemmstoffen vor, die diese noch effektiver machen könnten. Die abgewandelten Hemmstoffe werden schließlich synthetisiert und erneut getestet. In Reagenzglasversuchen zeigt sich, ob sie das für den Pesterreger so lebenswichtige Enzym tatsächlich noch mehr schwächen.
Dieser Zyklus muss in der Regel mehrere Male wiederholt werden, bis im Idealfall am Ende ein hoch aktiver Hemmstoff vorliegt. Ob sich der Hemmstoff auch als Medikament eignet, stehe dann allerdings noch lange nicht fest. Dazu sind zahlreiche weitere Tests nötig.
Diese Forschung ist im Würzburger Sonderforschungsbereich 630 (Erkennung, Gewinnung und funktionale Analyse von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten) angesiedelt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Arbeiten.

Literatur: Hirschbeck, M. W., et al.: Structure 2012;20(1):89-100, Online: DOI: 10.1016/j.str.2011.07.019.

Dr. Bettina Hellwig / 19.01.2012, 10:00 Uhr

Kommentare:

Bisher keine Kommentare vorhanden.

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Spektrum

 Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.