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Falsche Ernährung, zu wenig Bewegung - die starke Zunahme von Typ-2-Diabetes hat vielfach klare Ursachen. (Foto: Bilderbox)
Weltdiabetestag
Mehr Diabetiker, bessere Behandlung
Berlin - Laut der International Diabetes Federation (IDF) wird die Zahl der an Diabetes erkrankten Menschen von heute 366 Millionen auf voraussichtlich 552 Millionen im Jahr 2030 ansteigen. In Deutschland profitieren die bereits Erkrankten von der mittlerweile besseren medizinischen Versorgung in strukturierten Behandlungsprogrammen – den DMP. Das berichten jedenfalls Krankenkassen anlässlich des heutigen Weltdiabetestages.
Laut IDF wird im Jahr 2030 ein Erwachsener von zehn zuckerkrank sein – das entspricht etwa drei Neuerkrankungen alle zehn Sekunden. Die Vereinigung schätzt außerdem, dass ungefähr 183 Millionen Menschen nicht wissen, dass sie Diabetes haben. Eine Ursache für den starken Anstieg könnte die zunehmende Fast-Food-Mentalität in Deutschland sein: Der Typ 2-Diabetes, an der in Deutschland derzeit rund sechs Millionen Menschen leiden, entstehe ganz wesentlich durch unausgewogene Ernährung, warnt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Sie warnt zudem, dass insbesondere junge Diabetiker im Alter von 30 bis 44 Jahren einem nahezu sechsfach erhöhten Schlaganfall-Risiko ausgesetzt sind.
Doch für die sechs Millionen Erkrankten in Deutschland gibt es auch positives zu vermelden: Jeder Zweite von ihnen profitiert mittlerweile von der besseren medizinischen Versorgung in einem Disease-Management-Programm (DMP). Die ersten DMPs starteten im Jahr 2003. Die Krankenkassen zahlen an die Ärzte und Therapeuten, die sich für eine dieser besonderen Versorgungsform engagieren, zusätzliche Honorare in Höhe von rund 800 Millionen Euro. Mit dem Geld wird vor allem die intensivere Betreuung und Schulung der chronisch Kranken finanziert.
„Allein an den Programmen der AOK nehmen bundesweit knapp 1,7 Millionen Patienten mit Diabetes Typ 2 und etwa 40.000 Patienten mit Diabetes Typ 1 teil“, erklärte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes. Nach acht Jahren Laufzeit belegten mehrere wissenschaftliche Studien den Nutzen dieser Programme: Die DMP-Teilnehmer leben im Durchschnitt länger als nicht-eingeschriebene Diabetiker. Deh fordert jedoch, dass die finanziellen Anreize auch weiterhin so gesetzt werden müssen, „dass die Kassen für die bessere ärztliche Betreuung der Patienten auch ausreichende Mittel aus dem Gesundheitsfonds erhalten“.
Und auch bei der Barmer GEK ist man von der besseren Versorgung überzeugt: Vize-Vorstandschef Dr. Rolf-Ulrich Schlenker bezeichnet das strukturierte DMP für Diabetiker als „Erfolgsgeschichte“. Keine andere neue Versorgungsform liefere so viele Impulse für mehr Lebensqualität und Wirtschaftlichkeit, so Schlenker. Bei der Barmer GEK nehmen rund 390.000 zuckerkranke Frauen und Männer an solchen Programmen teil.
Die Bundestagsfraktion der Grünen sieht allerdings gerade im Hinblick auf junge Diabetes-Patienten die Bundesregierung gefordert: Nötig sei die Entwicklung einer nationalen Diabetesstrategie. Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik, beklagte, dass die Regierung es zulasse, dass Lebensmittelunternehmen „immer ungesundere und unnütze sogenannte Kinderlebensmittel auf den Markt bringen“. Dabei leiden Maisch zufolge heute bereits 15 von 1.000 Kindern unter 21 Jahren an „Altersdiabetes“, den man früher nur von über 40-jährigen kannte. Die Untätigkeit der Bundesregierung grenzt laut Maisch an „Beihilfe zur Kindesmisshandlung“.
Juliane Ziegler / 14.11.2011, 12:14 Uhr
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gingka sagt:
15.11.2011 22:32Mir ist völlig unklar warum stets nur darum gerungen wird, wie man dieses Übel bestmöglich behandeln kann, ohne etwas gegen die Entstehung zu tun: denen, die es einfach nicht akzeptieren wollen, daß ungesunde Lebensweise - auch in der Laienpresse steht geschrieben was das ist - einen Risikozuschlag zur GKV abzuverlangen! Massentierhaltung, die, abgesehen vom Leid der Tiere, dazu beträgt,daß immer mehr viel zu viel Billigfleisch angeboten und gegessen wird, sollte umgehend verboten werden!
Peter Meier sagt:
15.11.2011 14:49Für mich ist nach wie vor nicht geklärt, ob regelmässiger Zuckerkonsum in hohen Dosen wie in Erfrischungsgetränken ursächlich für Diabetes ist. Jahzehntelang wurde das vehement abgestritten, aber inzwischen gibt es einige Stimmen, die dafür sprechen.
Dann wäre ein Verbot von Süssigkeiten und Süssgetränken sicher hilfreicher als Millionen in die Beseitigung von Schäden zu stecken, die uns die Nahrungsmittelkonzerne einbrocken.
Dr. Schweikert sagt:
14.11.2011 12:41Auf der DDG Tagung in Berlin wurde ein Fachkräftemangel in der Diabetesbehandlung für die nächsten Jahre prognostiziert. Demographischer Wandel, Anzahl der Diabetiker, Nachwuchssorgen usw.
Hier sollten Apothekerinnen und Apotheker die Chance nutzen und mit echten Angeboten (Schulungen, Betreuung, Beratung usw.) die Lücke füllen und nebenbei ihren eigenen Beruf zukunftsicher machen.