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Formular "Informations- und Beratungsbefugnis nach § 20"

Formular "Informations- und Beratungsbefugnis nach § 20"

Schriftliche Beratungsbefugnis für nicht Approbierte

Grundlegende Neuerung der Apothekenbetriebsordnung

Die Steigerung der Beratungsqualität ist eines der zentralen Themen der neuen Apothekenbetriebsordnung. Die bisherigen Veröffentlichungen der pharmazeutischen Fachpresse beschäftigten sich nahezu ausschließlich mit der Frage, wie beraten werden muss, dabei gibt es auch in der Frage, wer beraten darf, eine grundlegende Neuerung, nämlich die Pflicht zur Erteilung einer schriftlichen Beratungsbefugnis, wenn nicht approbierte Angehörige des pharmazeutischen Personals Informations- und Beratungsaufgaben übernehmen sollen. Damit Sie bei der Beratung künftig nicht nur inhaltlich, sondern auch personalrechtlich auf der sicheren Seite sind, hat der Deutsche Apotheker Verlag ein Formular entwickelt, das alle erforderlichen Punkte enthält.

Laut § 20 Abs. 1 ApBetrO muss die Verpflichtung zur Information und Beratung über Arzneimittel durch Apotheker ausgeübt werden. Es handelt sich also um eine höchstpersönliche Pflicht von Approbierten. Allerdings sieht die Apothekenbetriebsordnung auch ausdrücklich die Möglichkeit vor, die Beratungspflicht an nicht approbiertes pharmazeutisches Personal zu delegieren. Die Erteilung dieser Informations- und Beratungsbefugnis bedarf der Schriftform. Ohne das Vorliegen einer schriftlichen Beratungsbefugnis dürfen PTAs, PhiPs, PTA-Praktikanten, Apothekerassistenten, Pharmazieingenieure, Apothekenassistenten und pharmazeutische Assistenten demnach mit dem Inkrafttreten der neuen Apothekenbetriebsordnung keine Informations- und Beratungsaufgaben mehr wahrnehmen.

Apothekervorbehalt muss geregelt sein

Apothekenleiter sollten daher möglichst umgehend das Gespräch mit ihren Mitarbeitern suchen und diesen eine schriftliche Befugnis für die Übernahme von Informations- und Beratungspflichten im Rahmen des üblichen Apothekenbetriebs erteilen. Laut Apothekenbetriebsordnung hat der Apothekenleiter dabei auch festzulegen, in welchen Fällen grundsätzlich ein Apotheker hinzuzuziehen ist (Apothekervorbehalt). Diese Einschränkung der Beratungsbefugnis wird in der Regel von der Berufserfahrung und der Zuverlässigkeit des jeweiligen Mitarbeiters abhängig sein und kann sich daher innerhalb eines Apothekenbetriebs von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterscheiden. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass immer dann ein Apotheker hinzuzuziehen ist, wenn sich der beratende Mitarbeiter unsicher fühlt. Ferner bleibt das Medikationsmanagement laut § 1a Abs. 3 Nr. 6 ApBetrO aufgrund des hohen pharmazeutischen Anspruchs unabhängig von individuellen Vereinbarungen ausschließlich Apothekern vorbehalten. Der Apothekervorbehalt im Rahmen des Medikationsmanagement bezieht sich allerdings explizit auf die Analyse der Gesamtmedikation sowie die Beratung des Patienten (§ 3 Abs. 4 ApBetrO) und schließt demnach eine Beteiligung von nicht approbierten Angehörigen des pharmazeutischen Personals, beispielsweise im Vorfeld bei der Datenerhebung und -zusammenstellung, nicht aus. Neben den beiden genannten Situationen (Unsicherheit des Mitarbeiters und Medikationsmanagement) können, falls der Apothekenleiter dies als notwendig erachtet, individuell weitere Fälle definiert werden, in denen nicht approbierte Mitarbeiter einen Apotheker hinzuziehen müssen – denkbar wären hier beispielsweise die Information und Beratung von Angehörigen der Heilberufe oder Fälle, in denen die Apothekensoftware auf eine schwerwiegende Wechselwirkung hinweist.

Mehr Kompetenz – mehr Befugnis

Um im Fall des Falles nachweisen zu können, dass der nicht approbierte Mitarbeiter die Grenzen seiner Beratungsbefugnis kannte, empfiehlt es sich, das Dokument in zweifacher Ausführung zu erstellen und nicht nur vom Apothekenleiter, sondern auch vom jeweiligen Mitarbeiter unterschreiben zu lassen. Das Original verbleibt bei den Personalakten in der Apotheke, den Durchschlag erhält der Mitarbeiter für seine Unterlagen. Falls sich die Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit ändern (z. B. Kompetenzerweiterung infolge zunehmender Berufserfahrung), sollten die Festlegungen der Beratungsbefugnis den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden. Mit Abschluss einer neuen Festlegung verliert die vorausgehende Beratungsbefugnis ihre Gültigkeit.

Besonderer Service für DAZ-Abonnenten

Um die Erteilung der nun erstmals erforderlichen Informations- und Beratungsbefugnis möglichst einfach und effizient zu gestalten, hat der Deutsche Apotheker Verlag ein Formular erstellt, das alle rechtlich notwendigen Punkte enthält. Es kann als Formularblock mit 20 Blättern zum Preis von 8,- Euro unter der Artikelnummer 121400194 bestellt werden. Als besonderen Service können DAZ-Abonnenten das Formular auch kostenlos auf DAZ.online herunterladen (DAZ plus > Dokumente > Informations- und Beratungsbefugnis nach § 20).

daz.online / 15.05.2012, 12:24 Uhr

Kommentare:

auswanderer sagt:
16.05.2012 10:58

@aykka:

Nein. Ich kann mich aus meiner früheren Parxis an eine Kundin erinnern, die explizit von Frau ... beraten werden wollte.

Frau...war die seit xy Jahren angestellte Reinigungskraft, aber die "gute Seele" der Apotheke.

naiv fragt: sagt:
16.05.2012 07:31

muss ich das auch für die PKA im Handverkauf ausfüllen? Und an wen wendet die sich bei Unsicherheiten, wenn grad kein Apotheker in der Apotheke ist?

aykka sagt:
15.05.2012 20:38

Cool - wenn das nächste Mal wieder so ein Profilneurotiker einen Apothekentest veröffentlicht, in dem er bei einem Kauf eines Nasensprays angeblich nicht ausreichend beraten wurde, können wir uns genüsslich zurück lehnen und sagen: "Tut uns leid. Sie wurden leider von einer PTA ohne Beratungsbefugnis bedient."
Es gibt doch wirklich gar nichts, was ein Deutscher Bürokratie-Freak nicht noch irgendwie auf eine besonders komplizierte Art und Weise zu Papier bringen kann.
Oder drücken wir es mal so aus:
Ich schreibe Euch so viel Protokolle und Anweisungen, wie Ihr wollt, wenn ich ab sofort pro Seite 5€ Honorar bekomme! Ab 10€ pro Seite verzichte ich sogar auf den Verkauf von Arzneimitteln und schreibe nur noch Betriebsanweisungen und Protokolle. Da kann ich mir dann sogar eine mehr...

M. sagt:
15.05.2012 13:57

Na, darauf haben wir ja alle gewartet. Meine Apothekerin und ich, die PTA, sowieso. Freu mich schon, bald im HV ordentlich beraten zu können. Hurra!!!

framo sagt:
15.05.2012 13:27

Kollege Spitzweg hatte Recht.

Apotheker55 sagt:
15.05.2012 12:53

der Quatsch wird immer quätscher.

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