Sie sind hier: Tagesnews-Politik > News

Politik

Künstliche Fingernägel gehören nach Auffassung der AATB in keine Apotheke. (Foto: Christoph Hähnel Fotolia)

Künstliche Fingernägel gehören nach Auffassung der AATB in keine Apotheke. (Foto: Christoph Hähnel Fotolia)

Umsetzung Apothekenbetriebsordnung

Künstliche Fingernägel gehören nicht in Apotheke

Berlin - Künstliche Wimpern und Fingernägel gehören in keine Apotheke. Diese Auffassung vertritt die Länder-Arbeitsgruppe Arzneimittel-, Apotheken-, Transfusions- und Betäubungsmittelwesen (AATB) in ihrem aktuellen Leitfaden zur Auslegung der Apothekenbetriebsordnung. Auch Kosmetikbehandlungen zählen danach nicht zu den apothekenüblichen Dienstleistungen.

Nach der amtlichen Begründung zur 4. Verordnung zur Änderung der ApBetrO sei die Aufnahme der Mittel zur Körperpflege zur Klarstellung erfolgt, so die AATB. Diese sollten unabhängig davon, ob sie der Gesundheit mittelbar oder unmittelbar dienen, zu den apothekenüblichen Waren zählen. Von dem Wortbegriff würden auch solche kosmetischen Artikel mit erfasst, die neben der Verschönerung bestimmungsgemäß auch der Pflege des Körpers dienen. „Kosmetika, die ausschließlich für dekorative Zwecke bestimmt sind - wie zum Beispiel künstliche Augenwimpern und Fingernägel -, die also keinerlei körperpflegende Zweckbestimmung und Wirkung haben, fallen danach schon von vornherein nicht unter den Begriff Mittel und Gegenstände der Körperpflege im Sinne der ApBetrO", so die Auslegung der AATB. 

Nach § 1a Absatz 11 seien Dienstleistungen dann apothekenüblich, wenn sie der Gesundheit dienten. „Dazu gehören Kosmetikbehandlungen in der Regel nicht“, so die AATB. Die Demonstration der korrekten Anwendung oder die Anwendung von Kosmetika im Zusammenhang mit einer Gesundheitsberatung könnten dagegen der Gesundheit dienen, lassen die Länderexperten einen kleinen Spielraum.  

Über den Einzelfall hinausgehende, umfangreiche Kosmetikbehandlungen gingen jedoch über den von § 2 Absatz 4 vorgegebenen engen Rahmen für apothekenübliche Dienstleistungen hinaus. In diesem Fall sei davon auszugehen, dass deren Umfang den ordnungsgemäßen Betrieb der Apotheke und den Vorrang des Arzneimittelversorgungsauftrags beeinträchtige. „Dies liegt nahe, wenn diese explizit beworben werden, zusätzliches Personal angestellt ist oder eingesetzt wird“, so die Richtschnur der AATB.

Für solche Dienstleistungen stehe es jedem Apothekenleiter aber frei, im Rahmen einer angezeigten Nebentätigkeit außerhalb der Apothekenbetriebsräume Kosmetikanwendungen unter den üblichen Abgrenzungsbedingungen wie zu anderen Gewerbebetrieben durchzuführen oder durch externe Dritte ausführen zu lassen. Die dafür eingesetzten Räume müssten von der Offizin durch Türen oder Wände getrennt sein und über einen eigenen Zugang von außen verfügen.

 

Hier finden Sie sämtliche Fragen und Antworten der AATB zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung.

 

Lothar Klein / 07.03.2013, 10:37 Uhr

Kommentare:

Manfred Dietwald sagt:
08.03.2013 11:35

In Bachwasser gebadete, schottische Olivenblüten mit mit schottischem Branntwein aus Weizen irgendwelcher Provenienz, ohne definiertem Jahrgang vermischt auf künstliche oder natürliche Fingernägel mehrmals täglich getropft und abgeschlürft lassen das Herz eines Pharmazeuten sicher höher schlagen. Der Arzt beachte das Vermögen der Armen und der Reichen(aus dem um 788 geschriebenen Lorscher Arzneibuch),wir aber !? (erfreuen uns an den gewöhnlichen Kräutern der Heimat).

Manfred Dietwald sagt:
08.03.2013 11:08

Wann endlich kommt die jahrgangkonforme Apotheke in die Gesetzeswerke mit 10-jähriger Verzögerung. Weinjahrgänge sind ein Erfolgsmodell auf Zeit. Nur traurig, dass kein Bedarf ersichtlich, weil Wimpern mittlerweile verklebt. Wenn eine Apotheke glaubt etwas Besonderes anbieten zu müssen, braucht die Konkurrenz doch nicht ohne Glauben daran gleich mitzuziehen. Eigentlich könnte er gegen Unkostenerstattung per Bestellung auch nachziehen, oder auf die andere Apotheke verweisen. Die Glaubwürdigkeit und Kompetenz seiner Apotheke leidet bei diesen Sonderfällen keinesfalls darunter.

miwin sagt:
08.03.2013 10:11

Künstliche Fingernägel, die ein Nagelleiden überdecken oder zur Substitution nach Unfällen anstelle der natürlichen Fingernägel angewendet werden, sind also unethisch.

Brustkrebspatientinnen, die während ihrer Chemo sämtliche Wimperhaare verlieren und die mit künstlichen wenigstens einen Teil ihres Selbstwertgefühles wiederherstellen, zählen also nichts mehr.

Werde ich den leidgeprüften Frauen zukünftig so mitteilen, dass sie mit ihren Bedürfnissen "nicht in die Apotheke gehören".

Apotheker23 sagt:
08.03.2013 00:43

Wie verlogen ist das denn? Breche eine Tür in die Wand und alles ist ok? Der Bürger wird schon selbst entscheiden können, ob ihm die besondere Kompetenz des Apothekers bei der Lösung seiner Hautprobleme wichtig ist. Kann sich eigentlich noch einer an die tollen Kongresse zum Thema Dermopharmazie erinnern? Kann man es einem Apotheker verübeln, wenn er die mühsam erworbene Kompetenz endlich zum Wohle seiner Patienten anwenden will? Ein bisschen Augenmaß würde der AATB (wer ist das überhaupt?) sicher gut tun!

bitterstoff sagt:
07.03.2013 11:47

Vielleicht sollte man dann mal brainstormen, wie ein auskömmliches Dasein alleine mit als apothekenüblich bewerteten Leistungen wieder möglich sein könnte.

irmchen sagt:
07.03.2013 11:08

"künstliche fingernägel gehören nicht in die apotheke" - jetzt muss ich meiner pta kündigen...

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

 

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Politik

Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.