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Das Nebensortiment darf den Blick auf den Ort der Arzneimittelabgabe nicht verstellen - meinen die Landesaufsichtsbehörden. (Foto: Sket)

Das Nebensortiment darf den Blick auf den Ort der Arzneimittelabgabe nicht verstellen - meinen die Landesaufsichtsbehörden. (Foto: Sket)

AATB zur Gestaltung der Offizin

Kein „Hindernislauf“ zum Arzneimittel

Berlin - Mit dem Inkrafttreten der Änderungen der Apothekenbetriebsordnung haben sich die Anforderungen an das Apothekensortiment und das Erscheinungsbild der Apotheke ein Stück weit verschärft. Ausdrücklich wurde etwa bestimmt, dass der grundsätzliche Vorrang des Arzneimittelversorgungsauftrags auch bei der Gestaltung der Offizin zu beachten ist. Nach Auffassung von Vertretern der Landesaufsichtsbehörden können einer Apotheke auch Vorgaben zum Umfang und zur Platzierung des Nebensortiments gemacht werden, wenn dieser Vorrang beeinträchtigt erscheint.

Nach § 4 Absatz 2a Satz 2 ApBetrO muss die Offizin „so gestaltet sein, dass der Vorrang des Arzneimittelversorgungsauftrags nicht beeinträchtigt wird und für die in der Offizin ausgeübten wesentlichen Aufgaben, insbesondere die Beratung von Patienten und Kunden, genügend Raum bleibt“. Beeinträchtigend wirken kann dabei auch ein allzu umfangreiches Nebensortiment. Das meint jedenfalls die Arbeitsgruppe Arzneimittel-, Apotheken-, Transfusions- und Betäubungsmittelwesen (AATB), in der sich Vertreter der Landesaufsichtsbehörden unter anderem mit einer einheitlichen Auslegung der Apothekenbetriebsordnung befassen.

Die Ländervertreter räumen in ihrem nun veröffentlichten Frage- und Antwortkatalog zwar ein, dass die Positionierung der Ware „eher im Bereich Marketing und Verantwortungsbereich des Apothekenleiters angesiedelt“ sei. Die Apotheke müsse aber so gestaltet sein, dass der Versorgungsauftrag im Vordergrund stehe. „Der Eindruck einer Apotheke als Ort der Arzneimittelabgabe muss gewahrt werden“. 

Ein eventueller „Hindernislauf“ der Patienten bis zu den Arzneimitteln wäre mit den neuen Vorgaben jedenfalls nicht in Einklang zu bringen, so die AATB. Vielmehr müssten die Arzneimittelabgabe und Beratung vom Eingang der Apotheke für jeden Patienten erkennbar und auf direktem Wege erreicht werden können.  

Auch müsse der Umfang des Nebensortiments muss auf Mittel, Gegenstände und Informationsträger mit unmittelbarem Gesundheitsbezug beschränkt sein. Für wesentliche Aufgaben, insbesondere auch die Beratung, müsse genügend Raum sein. Es solle der für Patienten oder andere Kunden wahrnehmbare Eindruck einer Apotheke gewahrt werden. Die Regelung beziehe sich auf den für Kunden zugänglichen Freiwahlbereich, den Bereich um den Handverkaufstisch (insbesondere wegen der Arzneimittelabgabe und vertraulichen Beratung) und den nicht für Kunden zugänglichen, aber erkennbaren Sichtwahlbereich. 

Vor Augen hat man hier schnell eine easyApotheke. Bei Apotheken dieser Kooperation kann es durchaus vorkommen, dass ein etwas längerer Weg durch Regalreihen wie im Drogeriemarkt zurückzulegen ist, bis man in einer hinteren Ecke die eigentliche „Apotheke“ – die Arzneimittelausgabe – findet. Wie hiermit umzugehen ist, wird nun die Praxis zeigen.

 

Hier finden Sie sämtliche Fragen und Antworten der AATB zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung.

 

Kirsten Sucker-Sket / 07.03.2013, 10:41 Uhr

Kommentare:

Apothekerin sagt:
10.03.2013 18:47

Die strengen Vorgaben der neuen ApBetrO sind von vielen unserer Standesvertreter sicher durchaus so gewollt: viele kleinere Apotheken werden aus dem Markt gedrängt, die Großen Starken werden überleben und können sich dann ganz dem Versorgungs-auftrag widmen. Bleibt dahingestellt, ob diese Rechnung aufgeht! Ob in Zukunft diese Kollegen mit den hehren Zielen nicht doch einfach von Drogeriemärkten und Discountern überrannt werden? Wer kontrolliert dort eigentlich und macht Vorgaben für deren immer größer werdendes Arzneimittelangebot?

Elisabeth Jedamzik sagt:
09.03.2013 17:36

Die "Kultur des Ermöglichens" innerhalb der -gespaltenen- Apothekerschaft hat die Apothekenquäler in ihrem ebenso unvernünftigen wie unerbittlichen Tun befeuert und befördert. Ständig werden die Schamgrenzen einer selbständigen, verantwortlichen seriösen Betriebsführung übergriffig fremdverletzt, ohne dass je (!) irgendwelche berechtigt-empörten Reaktionen in nennenswertem Umfang seitens der Apotheker zu vernehmen sind. Das Teefonbuchauswendiglernen geht weiter......Aber zu so einem Spiel gehören Zwei : ... einer der macht, und der andere, der machen lässt......
...und wenn kein Gegendruck zu spüren ist, wird weitergemacht......

florian becker sagt:
09.03.2013 08:48

Sehe ich genau so. Spätestens dann, wenn eine Apotheke nicht mehr verkäuflich ist, weil der Nachfolger aufgrund nur 1,4567839 m Abstand zum nächsten HV Platz keine Betriebserlaubnis bekommt ist ein derart erheblicher Eingriff in das Vermögen gegeben, dass so ein Schwachsinn vor Gericht überprüft und hoffentlich gekippt wird.
Ob diese Leute sich je darüber Gedanken gemacht haben, dass sie da am grünen Tisch mit Existenzen spielen?

miwin sagt:
08.03.2013 10:02

Nachdem im einschlägigen Gesetz nichts davon steht, muss man nur auf die ersten Gerichtsverfahren warten, die die verschrobenen Leitkultur-Ideen unserer selbstgefühlten Obrigkeit zerplatzen lassen.

2 Meter Beratungsabstand, direkter Zugang zum HV, Beschränkung des Nebensortiments - wo nehmen diese Leute das Recht her, darüber Richtlinien ablegen zu wollen und über mein Geld und Auskommen entscheiden zu wollen?

Wurde jemals bei einem Arzt Lage bzw. Aufbau seiner Praxis bemängelt ? Wurde jemals einem Sanitätshaus Vorschriften gemacht, wie es innen auszusehen hat ? Wurde schon einmal in einem Krankenhaus der zu weite Weg zur Anmeldung, die unübersichtliche Streckenführung bemängelt ? Welcher von diesen Leuten traut sich in das Gebäude der "Zur-Rose-Apotheke", mehr...

Elisabeth Jedamzik sagt:
07.03.2013 18:15

Die hinterste Ecke ist schon reserviert. Nur eine Frage der Zeit. Zuvor noch der Hindernisparcours der Apothekenquäler zu durchlaufen mit Zollstock und viel Papier. Kann noch ein paar Jahre dauern.

bitterstoff sagt:
07.03.2013 16:49

Nennt sich Ablenkungsmanöver

meier sagt:
07.03.2013 14:17

"Die Apotheke müsse aber so gestaltet sein, dass der Versorgungsauftrag im Vordergrund stehe."
Alles klar.
Der Versorgungsauftrag und seine Entlohnung muss so gestaltet, dass der Apotheker und seine Angestellten ein vernünftiges Auskommen haben. Dann klappt es auch mit der Platzierung.
Irgendwie habe ich den Eindruck, wir und andere verlassen derzeit die eigentlichen Brennpunkte im Bereich Apotheke. Da haben ja schon wieder ein paar Leute zuviel Zeit sich unnütze Gedanken zu machen.

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