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AATB zur Beratungspflicht von Versandapotheken. (Foto: Versandapotheke Westend)

AATB zur Beratungspflicht von Versandapotheken. (Foto: Versandapotheke Westend)

AATB zur Auslegung der ApBetrO

Beratungspflicht gilt auch für Versandapotheken

Berlin - Versandapotheken müssen Kunden und Patienten ihrem Beratungswunsch entsprechend beraten. Darauf haben sich die Vertreter der Landesaufsichtsbehörden, die in der Arbeitsgruppe Arzneimittel-, Apotheken-, Transfusions- und Betäubungsmittelwesen (AATB) zusammengeschlossen sind, geeinigt. Und zwar weil die Apothekenbetriebsordnung in diesem Punkt nicht zwischen Apotheken mit und ohne Versandhandelserlaubnis unterscheiden.

In dem 19-seitigen Fragen- und Antwortkatalog zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung äußern sich die Landesvertreter auch zur derzeit hitzig diskutierten Frage, welche Anforderungen für die Beratung beim Versandhandel gelten. Während das Bundesgesundheitsministerium (BMG) erklärte, bei Versandapotheken entfalle grundsätzlich die Pflicht, eigeninitiativ zu beraten, nicht aber das Recht der Patienten, beraten zu werden, beurteilen die Mitglieder der AATB dies etwas strenger.

„Im QMS zum Bereich Arzneimittelversand muss festlegt sein, dass Kunden und Patienten ihrem Beratungswunsch entsprechend beraten werden“, heißt es in Antwort 42 des Papiers. Denn weder § 20 Absatz 1 ApBetrO noch § 20 Absatz 2 Satz 3 ApBetrO unterscheide bei den Anforderungen der Beratungspflicht bzw. den Anforderungen an den weiteren Beratungsbedarf zwischen Apotheken mit und ohne Versandhandelserlaubnis. Eine „Zwangsberatung“ soll es aber auch nach Auffassung der Länder-Arbeitsgruppe nicht geben: „Die weitere Beratung erfolgt dann ggf. auf Kundenwunsch“.

Ebenso wie das BMG verweisen die Mitglieder der AATB darauf, dass es Fälle gibt, in denen Arzneimittel erst gar nicht versandt werden dürfen. Nämlich „wenn die zur sicheren Anwendung des Arzneimittels notwendige Patienteninformation nur durch die persönliche Beratung durch einen Apotheker erreicht werden kann“ (§ 17 Absatz 2a Satz 2 ApBetrO).

Auch zum Botendienst gibt es eine klarstellende Antwort: „Ob es sich um einen Einzelfall handelt, ist nicht numerisch (z.B. ein Fall pro Tag) zu beurteilen.“ Vielmehr dürfe eine Apotheke nicht generell Botendienst als Alternative zur Abgabe in der Apotheke anbieten, sondern nur ausnahmsweise auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden. Zwischen der Beratung in der öffentlichen Apotheke und im Rahmen des Botendienstes darf dabei grundsätzlich kein Unterschied bestehen: „Auch im Falle des Botendienstes soll der Patient persönlich, und zwar spätestens bei der Übergabe der Arzneimittel durch pharmazeutisches Personal beraten werden.“ In Ausnahmefällen sei eine telefonische Beratung durch das pharmazeutische Personal denkbar.

 

Hier finden Sie sämtliche Fragen und Antworten der AATB zur Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung.

 

Juliane Ziegler / 06.03.2013, 15:12 Uhr

Kommentare:

bitterstoff sagt:
07.03.2013 11:25

Sehr schöner Text, Applaus *klatschklatschklatschklatsch*
:D

Aber leider zählen bei Schnäppchenjägern diese Argumente nicht. Da zählt halt wirklich nur der Preis.

maykan sagt:
07.03.2013 10:29

"Warum so ängstlich?"

Es geht hier nicht um Angst vor Versendern!

"1. Wie ich hier lese gehen doch alle Versender pleite - warum haben sie soviel Angst?"

Fragen Sie sich doch mal, warum die großen Spieler nach und nach trotz Riesenumsätzen nur Verluste eingefahren haben. DocMorris wurde von Celesio übernommen und dann mit Riesenverlusten verscherbelt. Uns geht es um die Ungleichbehandlung bei den Pflichten: Warum muss der Versender nicht aktiv beraten? Dafür müsste er jeden Kunden anrufen, was ein sehr hohen Kostenfaktor darstellt. Das Konstrukt würde wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Warum muss der ausländische Versender keinen Notdienst leisten? Tja, weil er eben im Ausland sitzt und auch nicht muss. Praktisch, dass der Notdienst ein mehr...

bitterstoff sagt:
07.03.2013 10:03

Ja,
eine Kasse bei der der Kunde per touch screen sein Medikament auswählt, dieses aus dem Rowa rutscht und von einer ehemaligen Schlecker Frau abgegeben und kassiert wird.

Vorteil: kein Beratungsklau, keine überflüssige Kommunikation, keine lange Wartezeit, weniger als die Hälfte der Lohnkosten im Vergleich zur PTA. Noch eine Telefonnummer auf die Packung zur eventuellen Beratung und ab dafür.
(Für Beratung vom noch vorhandenen qualifizierten Personal muss natürlich 10-20 Euro vorab gezahlt werden)


Was man dann kein Gehalt mehr für einen Teil des nun überflüssigen qualifizierten Personals ausgibt kann man das in Holland Manier als Rabatt an den Kunden weitergeben. Es tut nicht weh weil der Ertrag gleich bleibt, ausser den gestrichenen PTAs.

Aber mehr...

irmchen sagt:
07.03.2013 10:02

@wettbewerbstc.usw:

da sie die tolle (un-abhängige) stiftung ansprechen: die mokiert sich über ein, zwei apotheken-schaufenster mit produktplatzierung - derweil werben die online-klitschen mit "grippebarometer", hochglanz-versprechen und tollen, wirklich tollen und soooo günstigen medikamenten-packs, die jeder braucht...

Der Er sagt:
07.03.2013 09:42

ach er....*gähn*

Wettbewerb, aber bitte nur bei den anderen? sagt:
07.03.2013 09:09

Warum so ängstlich?

1. Wie ich hier lese gehen doch alle Versender pleite - warum haben sie soviel Angst?

2. Die "ungefragte" Beratung findet in welcher Apotheke statt - bitte um Adresse und Öffnungszeit. Hat bisher auch noch kein TV-Team und Stiftung Warentest gefunden...

3. Wenn die Beratung in der Ladenapotheke so gut wär, würde ich nicht im Versand bestellen (da wurde ich bisher das erste mal auf eine Wechselwirkung hingewiesen! - in der Ladenapotheke davor nicht einmal in 6 Jahren).

4. Bitte mal darüber nachdenken.

Dr. Exit sagt:
07.03.2013 08:28

@maykan

Ihr Beitrag gehört eigentlich als Leserbrief in die FAZ und SZ.

Gruss

maykan sagt:
06.03.2013 23:36

Herr Müller,

großer Respekt vor Ihrem Engagement!

"Jedes Land hat DIE Apotheken, die es will - oder:
Die seine Regierung ihm aufzwingen möchte ........." exakt so ist es.

Selbst dem verlogensten BWLer ist klar, dass kein Versender funktionieren kann, wenn man JEDEN Kunden beraten muss, wie die Offizinapotheken.

Wo bleiben die verfassungsrechtlichen Bedenken bei der Ungleichbehandlung in der BeratungsPFLICHT?

Werden Rezepturen überhaupt angenommen? Oder gibt es hier auch wieder Ausnahmen vom KONTRAHIERUNGSZWANG, weil die individuelle Rezeptur eben nicht im Hochregallager zur Verfügung steht?

Das einzige Geschäftsprinzip war schon immer den "Apotheken"-Markt durch diesen bewußt ruinösen mehr...

Gunnar Müller / Detmold sagt:
06.03.2013 17:15

Ich bitte um eine umgehende Klarstellung in der ApBetrO:

1. "Beim Versandhandel ist eine Beratung NICHT erforderlich, da der Besteller durch seine Bestellung bereits zum Ausdruck bringt, daß er eine Beratung nicht benötigt.
2. Im Rahmen der Gleichbehandlung ist es deshalb statthaft, daß in Apotheken Kassen mit dem Hinweis "ohne Beratung" eingerichtet werden können, an denen eine längere Wartezeit vom Patienten/Kunden ggf. hingenommen werden muß.
3. Im weiteren ist im Rahmen der Gleichbehandlung eine sog. Freiwahl von apothekenpflichtigen Arzneimitteln in Apotheken ab sofort zulässig.
4. Eine Werbung mit der Aussage "Hier werden Sie beraten" ist unlauter. Zuwiderhandlungen stellen einen Verstoß gegen die Berufspflichten dar."
mehr...

bitterstoff sagt:
06.03.2013 16:58

Ich würde ja für vor Ort Apotheken Apotheker als Boten per Gesetz festschreiben.

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