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Wirtschaftsliberalen sind österreichische Apotheken ein Dorn im Auge - sie meinen, OTC sollten auch anderswo zu kaufen sein. (Foto: Bilderbox)

Wirtschaftsliberalen sind österreichische Apotheken ein Dorn im Auge - sie meinen, OTC sollten auch anderswo zu kaufen sein. (Foto: Bilderbox)

Rezeptfreie Arzneimittel

Österreich: OTC-Produkte bald im Supermarkt?

Berlin - Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WiFo) fordert, die Apothekenpflicht für OTC-Arzneimittel aufzuheben. Rezeptfreie Arzneimittel, die in Österreich ausschließlich über Apotheken vertrieben werden, sollten laut WiFo zur kurzfristigen Kostensenkung einem freien Preiswettbewerb unterworfen und von der festen Preisbildung entbunden werden. Dies wäre ohne Qualitätsverlust möglich, da bei OTC- Arzneimitteln ein geringerer Beratungsbedarf bestehe und weniger Schutz des Verbrauchers nötig sei, argumentiert das Institut.

Der Drogeriehandel bewertet die Initiative positiv: Harald Bauer, Geschäftsführer des dm-Drogeriemarkts in Österreich, sieht hierin die jahrelange Forderung seines Unternehmens nach einer Liberalisierung im Vertrieb von rezeptfreien Arzneimitteln bestätigt. Denn Pharmaindustrie, Pharmagroßhandel und Apotheker hätten ein gemeinsames Interesse an möglichst hohen Preisen, so Bauer. Mehr Wettbewerb im Vertrieb würde automatisch den Druck auf die Hersteller erhöhen und so zu „besseren“ Preisen für die Konsumenten führen. Eine aufgehobene Apothekenpflicht für nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel und ein entstehender Wettbewerb zwischen Drogerie und Apotheke würden sich nicht nur beim Preis, sondern auch bei der Kundenorientierung positiv auswirken, meint der dm-Geschäftsführer. 

Die österreichische Apothekerkammer weist dagegen die Forderungen des WiFo zurück. Dabei beruft sie sich auf  Ergebnisse einer Studie des Instituts für Pharmaökonomische Forschung aus dem Jahr 2011. „Es ist vielmehr wahr, dass in Österreich dank eines gut funktionierenden geregelten Abgabesystems die Arzneimittelpreise unterdurchschnittlich sind", sagt Leopold Schmudermaier, Vizepräsident und Wirtschaftssprecher der Österreichischen Apothekerkammer. Medikamente seien in Österreich im Vergleich mit anderen europäischen Ländern „billig“; so koste ein Arzneimittel in Deutschland im Schnitt circa 11 Euro mehr als in Österreich. Dabei ist allerdings – wie bei allen internationalen Preisvergleichen – der unterschiedliche Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel zu beachten. Er beträgt in Österreich lediglich 10 Prozent. 

Darüber hinaus deute auch nichts darauf hin, dass auf die Deregulierung auch eine Preissenkung folgt, so Schmudermaier weiter. „Wir sind kein Land von Pillenschluckern, weil die Abgabe von Medikamenten auch die fachliche Beratung in der Apotheke beinhaltet.“ Tatsächlich liege das Land im internationalen Vergleich mit den EU-15-Ländern (EU-Staaten vor der EU-Osterweiterung (2004)) und der Schweiz im unteren Drittel beim Verbrauch von Medikamenten.  „Den Medikamentenkonsum künstlich durch eine Änderung der Vertriebswege anzukurbeln, halten wir gesundheitspolitisch für bedenklich“, so Schmudermaier gegenüber der österreichischen Zeitung „Der Standard“.

Das WiFo ist ein unabhängiges österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, das sich aus Mitgliedseinnahmen finanziert und als gemeinnütziger privater Verein gegründet wurde. Es hat sich aktuell zur kurzfristigen Wettbewerbssteigerung und Inflationsdämpfung im Arzneimittelmarkt sowie zu möglichen Maßnahmen im Strom- und Gasmarkt geäußert.

 

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Almuth Schmidt/Svenja Schwob / 04.01.2012, 16:02 Uhr

Kommentare:

Anonymous sagt:
29.01.2012 19:24


Es gibt Bereiche wo verstärkter Wettbewerb gefährlich wird.
Das Gesundheitssystem ist so ein Bereich.

Apotheken unterstehen im Gegensatz zum DM dem Gesundheitsministerium, das ist eine vollkommen andere Spielwiese.

Apotheken benötigen den Umsatz durch OTC Produkte, um akademische Arbeitskräfte, Nachtdienste und die Sortimentenvielfalt inklusive patientenspezifische Besorgungen zu finanzieren. Der Umsatz durch rezeptpflichtige Medikamente reicht nach mehreren Spannenkürzungen zum Überleben der Apotheken nicht mehr aus.

In Apotheken gilt das Prinzip "Ethik vor Monetik", beim DM gehts nur um "billig".
Es ist sehr einfach chronisch Kranke, Patienten die der Arzt nicht mehr helfen kann zu manipulieren, sie greifen nach mehr...

Apotheker B sagt:
05.01.2012 23:11

Macht nur so weiter,
der Feind liest mit und denkt sich,
da ist ja noch ´ne menge Spielraum.
An diesen Spielchen gehen wir noch zu Grunde, siehe Leserbrief in der Pharmazeutischen. Der Kollege gibt auf!
Weil die Politiker und kranken Kassen auch von uns glauben, dass wir im Sonderangebot zu haben sind.
Und haben vielleicht gar nicht Unrecht.
Selber Schuld!

Frohes reuhes Jahr!

Elisabeth Jedamzik sagt:
05.01.2012 17:23

Bin bei 1,70 in der Hauptapo. Da bringen Sie mich auf etwas...... aber einige Kollegen sind hier bei 99 Cent. Mal sehen. Ich hoffe auf die RX-Umwidmung!!

Alexander Hupe sagt:
05.01.2012 16:01

bei mir 1,90 :-)

Elisabeth Jedamzik sagt:
05.01.2012 14:31

1,27 Euro
was ebenfalls nicht angemessen ist, geb' ich gern zu.
Aber vielleicht stellt man es ja bald unter die Verschreibungspflicht.

Alexander Hupe sagt:
05.01.2012 11:13

@ Elisabeth Jedamzik

Und wieviel kostet Paracetamol in Ihrer DocMorris-Apotheke, Frau Jedamzik?

fiebrich sagt:
04.01.2012 21:55

arzneimittel haben in österreich immer nur 10% mwst, egal ob rezeptpflichtig oder -frei, das macht keinen unterschied. nur bei nahrungs-ergänzungsmitteln (supradyn, centrum, etc - danke, liebe firmen, dass ihr die früheren arzneimittel zu nem geswitcht und so dm- oder andere märkte-fähig gemacht habt) sind es 20%. Dass hinter der initiative natürlich auch die lobby des dm dahinter steht ist ohnehin klar.

Elisabeth Jedamzik sagt:
04.01.2012 19:29

Ich dachte noch vor kurzem, Ösiland wäre noch eine Insel der Seligen. Aber die Wettbewerbsdeppen sind überall auf dem Vormarsch. Wenn es dann endlich PCM für 79 Cent an der Tanke gibt dann ist die
Ökonomenwelt in Ordnung.

Dr. Markus Junker sagt:
04.01.2012 18:15

Ich kann dem oben gesagten nur zustimmen. Eben noch wurde über den deregulierten Finanzsektor gejammert. Nichts gelernt? Rezeptfrei heisst nicht harmlos!! Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft bemüht, aber auch jedes Risiko auszuschliessen (gemäß dem Hinweis in us-amerikanischen Bedienungsanleitunge von Mikrowellen, sein Haustier nicht darin zu trocknen), andererseits soll das billigend in Kauf genommen werden. Weil es das Portemonnaie der Handelsketten füllen hilft. Der weiße Hai läßt grüßen.

p.b. sagt:
04.01.2012 16:46

Was war denn da gleich nochmal mit Paracetamol????Ökonomen und Juristen bleiben einfach Ökonomen und Juristen.
Die Aspirin 100mg waren doch die für Kinder ,oder??Wie der Playboy vom Schwanz werden ,sie von Statistiken und Zahlen regiert,und das Gehirn ausgeschaltet.Hoffentlich meint nicht einer von diesen Schlaumeiern er hat
Hämorrhoiden und kauft sich eine Salbe
an der Tankstelle und hinterher ist es ein Karzinom."Das hat mir der Tankwart aber nicht gesagt!!!!"Nächstes Thema Prostatamittel und und unendlich.
Wenn das dem österreichischen Volk das wert ist,dann sind alle Österreicherwitze berechtigt!!

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