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Politik

Im kommenden Jahr verzichten einige Krankenkassen auf den Zusatzbeitrag. 2013 könnte sich das bereits wieder ändern. (Foto: N-Media-Images - Fotolia.com)

Im kommenden Jahr verzichten einige Krankenkassen auf den Zusatzbeitrag. 2013 könnte sich das bereits wieder ändern. (Foto: N-Media-Images - Fotolia.com)

Gesetzliche Krankenversicherung

Krankenkassen fürchten erneutes Minus

Berlin - Trotz der guten Finanzlage der Krankenkassen könnten viele Versicherte schon bald wieder mit Zusatzbeitrags-Forderungen konfrontiert werden. Mehrere große gesetzliche Kassen warnen vor einem nahen Ende der positiven Entwicklung der Einnahmen. Schon 2013 werde der Gesundheitsfonds die Ausgaben voraussichtlich nicht mehr völlig abdecken können, sagte der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub, der Nachrichtenagentur dpa.

BKK-Verbandsgeschäftsführer Heinz Kaltenbach meinte: "Das jüngste Plus von 3,9 Milliarden Euro ergibt sich vor allem aus dem Einmaleffekt vergangener Gesetze, wie dem Arzneimittel-Sparpaket." Auch Straub erwartet steigende Ausgaben etwa bei Arzneimitteln und Kliniken. "Der Gesundheitsfonds dürfte 2013 wieder unter Druck geraten", sagte er. Und auch KKH-Allianz-Chef Ingo Kailuweit sieht 2013 als "kritisches Jahr". Er glaube nicht, "dass die Konjunktur so gut ist, dass die Einnahmen noch 2013 den Finanzbedarf abdecken werden". Kailuweit meint zwar, dass die Regierung im Wahljahr wohl lieber die Steuerzuschüsse erhöht oder die Fonds-Reserve abschmilzt, als es erneut zu Zusatzbeiträgen kommen zu lassen. Für die Kassen sind diese Aufschläge aber alles andere als vom Tisch. 

Den Kassen, die den Zusatzbeitrag vor rund zwei Jahren einführten, liefen allerdings scharenweise Mitglieder davon. Die Pleite der City BKK wuchs sich zum Skandal über anderswo abgewiesene Versicherte aus. Kaltenbach sagte, die desaströse Wirkung des Aufschlags könne jede Kasse bedrohen. Vehement forderte er, den Zusatzbeitrag abzuschaffen. Kailuweit sagte der dpa. "Er ist ein Weg in die Sackgasse." Auch Straub, dessen Kasse noch nicht bei den Versicherten extra zugreifen musste, monierte: "Den Krankenkassen bleibt nur das kurzfristige Ziel der Vermeidung des Zusatzbeitrags." Nötig sei mehr Finanzautonomie.

Der Präsident des Bundesversicherungsamts (BVA), Maximilian Gaßner, analysiert die Wirkung des Zusatzbeitrags ähnlich kritisch wie die Kassen: Er habe die ihm zugedachte Funktion als objektives Preissignal nicht erfüllt. "Er gab ein verzerrtes Preissignal." Mit Blick aufs kommende Jahr betonte Gaßner: "Auch bei einem größeren Konjunktureinbruch bleibt die finanzielle Lage der Kassen durch das Fondssystem stabil." Einnahmerisiken trage der Gesundheitsfonds, der eine ausreichende Reserve habe. Den Kassen seien im neuen Jahr 185,4 Milliarden Euro garantiert. In punkto Zusatzbeitrag für die Zeit nach 2012 wollte das  Bundesversicherungsamt aber keine Prognose abgeben. Gaßner erwartet im nächsten Jahr zunächst einmal einen starken Wettbewerb der gesetzlichen Krankenkassen. "Gerade Kassen, die hohe Rücklagen angehäuft haben, werden versuchen, durch das Angebot nicht notwendiger Leistungen, Mitglieder anzulocken", sagte Gaßner der Tageszeitung "Die Welt".

dpa/Dr. Beatrice Rall / 27.12.2011, 09:43 Uhr

Kommentare:

Apotheker E sagt:
28.12.2011 08:27

Von 2013 an dürfte der Zusatzbeitrag zur Regel werden. Ein nachhaltige Gesundheitspolitik sieht anders aus, aber das würde Mut, inbesondere seitens der Politik, erfordern.


P.S. woher weiss denn Herr Kollge S, wen "wir" gewählt haben?

Apotheker S sagt:
28.12.2011 08:02

aber liebe Kollegen - das ist doch alles kein Problem ! Kassen brauchen Geld ? dann rufen Sie bei Schwarzen und gelben Politikern an (die wir gewählt haben) und die holen es von den Apothekern. so einfach geht Wirtschaft !

Dan sagt:
27.12.2011 19:22

Die Kassen brauchen ihren "Stoff".
Sie sind voll auf "Euro".
Und davon immer mehr.

miwin sagt:
27.12.2011 18:33

@howy: 16 Mrd. EUR sind (für die Krankenkassen) doch peanuts, um diesen Betrag kann man sich schon mal verschätzen. Bei der Pleitebank HRE waren es neulich 55 Mrd., heutzutage alles möglich und verständlich bei den vielen Vorzeichen, die es zu addieren und subtrahieren gilt.

Da sind 2,05 EUR Kassenabschlag doch schon viel übersichtlicher und jeder Krankenkassenangestellte merkt sofort, wenn davon 35 ct. am Ende des Tages fehlen...

Heiko sagt:
27.12.2011 18:32

Wow, da wird dazugelernt. Letztes Jahr das Defizit noch im Milliardenbereich falsch vorausgesagt (das war Anfang des Jahres) und jetzt können wir schon zwei Jahre in die Zukunft schauen! Alle Achtung, das verdient Respekt wie lernfähig die Herren sind. Ach ja und die Konjunkturaussichten werden von den Orakeln auch noch vorausgesagt. Danke für so viel Wissen! Vielleicht könnten die Kassenvertreter noch den DAX-Stand für Ende 2012 vermelden. Dann könnte man damit noch ein bißchen Knete machen.

howy sagt:
27.12.2011 17:21

Super, weil die kranken Kassen (oder das Mist-erium, aber is eh' egal) sich letztes Jahr um schlappe 16 Mrd. € verrechnet haben, visieren sie dieses Mal einen, sagen wir mal mittelfristigen Zeitraum bis 2013 an, um drohende Defizite zu prophezeien.
Und wie einig sie sich sind. Hatte diese Harmonie was mit dem vergangenen Weihnachtsfest zu tun. Da lief übrigens der tolle Film "Der mit dem Wolf tanzt" in der Flimmerkiste. Hat das was miteinander zu tun?
Ach wo, ich glaube nur langsam wird man ganz kirre von dem Sabber den kranke Kassen so absondern.

Apotheker B sagt:
27.12.2011 11:32

Am Jahreshorizont zu 2012 ziehen sich schon wieder die schwarzen Wolken ausgemergelter Retaxgeier zusammen.
Angetrieben von Profitpeitschen der verruchten Auftraggeber, wetzen sie ihre krummen Schnäbel, aus denen nach Formfehlern lechzend, krakenarmähnlich ihre klebrigen Zungen hängen.

Rette sich, wer kann.
Es kommt schlimmer als es sich ein Wolf auszumalen vermag.

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