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Politik

Wie lange wird es die Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal noch geben? (Foto: Chrion Behring)
Praxisgebühr
Ärzte ermuntern Politik zur Abschaffung
Berlin - Die Praxisgebühr ist wieder in aller Munde. Nachdem der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), kürzlich erklärt hatte, dass sich Schwarz-Gelb das Thema in dieser Legislatur noch vornehmen müsse, äußern sich nun weitere Politiker. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zeigt sich zwar zurückhaltend, doch die Ärzteverbände machen deutlich, dass sie hier dringenden Handlungsbedarf sehen.
In ihrem Koalitionsvertrag von 2009 hatten Union und FDP sich bekanntlich einiges vorgenommen – auch gesundheitspolitisch. Darin stand zum Beispiel, man werde Pick-up-Stellen für Arzneimittel verbieten. Aber auch für Ärzte gab es Versprechungen: „Wir wollen die Zahlung der Praxisgebühr in ein unbürokratisches Erhebungsverfahren überführen“, heißt es im Vertrag. Lange war es still um dieses Vorhaben – plötzlich ist unter anderem von einer auf fünf Euro reduzierten Gebühr die Rede. Einigkeit besteht offenbar in einem Punkt: Das eigentliche Ziel der Praxisgebühr – eine Steuerung der Versicherten hin zu weniger Arztbesuchen – wurde verfehlt. Noch immer geistert die Statistik von durchschnittlich 18 Praxisbesuchen pro Kopf und Jahr umher.
Union und FDP scheinen sich jedoch nicht ganz einig, wie sie es erreichen können, dass Versicherte künftig zwei Mal darüber nachdenken, ob ein Arztbesuch wirklich notwendig ist. In der FDP setzt man auf mehr Eigenverantwortung – etwa durch mehr Transparenz bei den Behandlungskosten. So erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Heinz Lanfermann, dass gegen eine kleine, sozial abgefederte Selbstbeteiligung nichts einzuwenden sei – eine Gebühr pro Arztbesuch lehne er jedoch ab.
Der Patientenbeauftragte der Regierung, Wolfgang Zöller (CSU), kann auch die positiven Effekte der Praxisgebühr nicht ganz ausblenden – schließlich spült sie fast zwei Milliarden Euro ins System. „Ich würde sie gerne abschaffen, aber ich kenne bisher keinen praktikablen Vorschlag, der folgende Voraussetzungen erfüllt: Einnahmen sichern, Steuerungswirkung erreichen, Bürokratie abbauen und chronisch Kranke nicht überfordern“, so Zöller gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstagsausgabe). Er sei für einen Ersatz durch eine neue Form der Kostenbeteiligung. Hier seien kreative Experten gefordert. Möglicherweise sei eine Regelung im Rahmen des geplanten Patientenrechtegesetz im kommenden Jahr machbar.
Im BMG ist man derzeit auf andere Themen gepolt als auf die Praxisgebühr. Angesichts der Vorgaben im Koalitionsvertrag sieht man dort den Ball ohnehin bei den Fraktionen liegen.
Deutlich machten ihre Position heute allerdings die unterschiedlichen Ärzteverbände. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, betonte, dass die Praxisgebühr keine der an sie gerichteten Erwartungen erfüllt, dafür für jede Menge Bürokratie in den Arztpraxen gesorgt habe. „Sie muss abgeschafft werden“, so sein Fazit. Auch von einer Fünf-Euro-Gebühr hält Montgomery nichts: „Wenn die Politik die Eigenverantwortung stärken will, sollte sie nicht bei den behandlungsbedürftigen Patienten, sondern bei den Versicherten ansetzen, etwa über eine Ausweitung von Wahltarifen“. Auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sieht in der fünf Euro-Variante keine Verbesserung. Dies sei „das falsche Rezept für das Problem der häufigen Arztbesuche in Deutschland“.
KBV-Vorstandschef Andreas Köhler erklärte, eine Änderung der jetzigen Regelung zu unterstützen. Eine geringe Zuzahlung je Arztbesuch könne sinnvoll sein. Sie müsse aber sozial abgefedert sein, damit notwendige Arztbesuche nicht verhindert werden. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, appellierte auf die Koalition: „An dieser Stelle kann die Politik unter Beweis stellen, dass sie in der Lage ist, seit langem erkennbaren Unsinn auch unverzüglich zu beenden“. Und auch der NAV-Virchowbund sieht es nicht anders: „Das Bürokratiemonster Praxisgebühr gehört abgeschafft“, forderte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Dirk Heinrich.
Kirsten Sucker-Sket / 12.12.2011, 16:41 Uhr
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Apothekerin63 sagt:
16.12.2011 12:19Den Patienten wäre sicher schon geholfen, wenn die Praxisgebühr nur dann anfiele, wenn er auch tatsächlich den Arzt sieht. Defacto fällt sie aber auch dann an, wenn er nur ein Rezept benötigt und ausser der Arzthelferin niemanden sieht: ein Problem für alle Patienten in Dauermedikation!
Andreas Riedel sagt:
14.12.2011 14:36Ich finde diese Diskussion generell mehr
als asozial und verachte deshalb auch unsere Regierung !
Unser Staat holt sich viele verwundete
Kämpfer aller Nationalitäten ins Land um
diese angeblichen Helden zusammen zu flicken, während der deutsche Kranke erst
Eintrittsgeld beim Arzt bezahlen muß, um
behandelt zu werden .
Was hier in Deutschland an Abzockerei des
eigenen Volkes über die Bühne geht, kann
beschämender nicht sein !!!
Hermann Eiken sagt:
13.12.2011 10:42" Die Praxisgebühr ist in aller Munde....." --- aber leider wieder nur die Praxisgebühr!! Wo bleibt die Diskussion um die Medikamentenzuzahlungen, um die Ausgrenzung der apothekenpflichtigen Arzneimittel, um die Zuzahlungen in anderen Bereichen?? Wie oft kommt es vor, daß Patienten ihre Medikamente nicht auf ihrem Rezept abholen, weil sie die Zuzahlung nicht leisten können!!! Die Grenze von 2% bzw.1% des Bruttoeinkommens ist viel zu hoch, um an eine Befreiung zu kommem. Ich glaube nicht, das jemand eine Krankheit haben möchte wie zum Beispiel Diabetes Typ 1. So ein Betroffener muss aber ohnehin Gott weiss für ein Geld aufwenden, nur weil es ihn jetzt getroffen hat. Generell sollte jemand, der an einer schweren oder chronischen Krankheit leidet befreit werden von Zuzahlungen. ---Wenn jemand mehr...
Apotheker55 sagt:
13.12.2011 09:20die Häufigkeit der Arztbesuche ist doch nicht die Schuld der Patienten, sondern "Ärztemarketing". Angeblich darf man diese Untersuchung nicht mit jehner zusammen abrechnen. Dann wird selbstverständlich ein Termin im nächsten Quartal gemacht (damit man das Kärtle hat)Und überhaupt, beim ersten Besuch passiert mal gar nichts, außer dass man seine Beschwerden schildern darf. Für eine Untersuchung ist zuwenig Zeit. Ich hatte mal einen Bandscheibenvorfall und tierische Schmerzen, leider Quartalsende. Also erst einen Termin im neuen Quartal und 3 Wochen die Zähne zusammenbeißen.....
Eine vernünftige Praxisführung, zumutbar für die Patienten, die auch nicht andauernd stundenlang in den Wartezimmern hocken möchten, wäre hilfreich.
Banane (Stefan Haydn) sagt:
12.12.2011 18:50Abschaffen?
Man sollte endlich eine vernünftige Höhe der Praxisgebühr einführen, wie in anderen europäischen Ländern auch!
Damit wirklich nur zum Arzt geht, wer ihn auch braucht.
Ups, das könnte dann ja evtl. weniger Verdienst für bestimmte Berufsgruppen bedeuten!
Bernhard sagt:
12.12.2011 17:13wetten , die weissen Götter schaffen es auch diesmal , dass die Politik ihnen folgt!