Sie sind hier: Tagesnews-Politik > News

Politik

Ex-ABDA-Geschäftsführer Dr. Johannes Pieck kristierte in Quedlinburg die ABDA-Führung scharf. (Foto: DAZ/cr)

Ex-ABDA-Geschäftsführer Dr. Johannes Pieck kristierte in Quedlinburg die ABDA-Führung scharf. (Foto: DAZ/cr)

Quedlinburger Kreis

Pieck-Attacke gegen ABDA-Führung: Die Treppe muss von oben gekehrt werden

Quedlinburg - In einer Brandrede hat der frühere Sprecher der ABDA-Geschäftsführung Dr. Johannes Pieck beim Treffen des Quedlinburger Kreises der Spitze der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker (ABDA) Fehler und Versäumnisse in der politischen Arbeit und in der Interessenvertretung der Apotheker gegenüber der Politik vorgeworfen. „Ich bin sprachlos über den Umgang der ABDA mit der Basis nach Bekanntwerden der Apothekenbetriebsordnung, die der ABDA-Präsident noch auf dem Apothekertag als das Grundgesetz der Apotheker bezeichnet hat“, sagte Pieck.

Eine Presseerklärung der ABDA, in der der Verband unter der Überschrift „ABDA freut sich auf konstruktive Diskussion“ den Verordnungsentwurf als solide Basis für konstruktive Gespräche gewertet hatte, bezeichnete Pieck als „Mist“. Die wäre bei ihm als Sprecher der Geschäftsführung so gleich im Papierkorb gelandet, so Pieck. In Hinblick auf den Inhalt des Verordnungsentwurfs und vor allem im ordnungspolitischen Kontext mit der Zulassung von Versandhandel und Filial-Apotheken sei dies aber in der Tat kein Anlass zur Freude, wie die ABDA meine.

In seinem von den Teilnehmern des Quedlinburger Kreises als „Philippika“ aufgenommenen Vortrag kritisierte Pieck die Politik und Handlungsweise des ABDA-Vorstandes mehrfach scharf. Die ABDA habe in ihrem Umgang mit der Politik, mit Ungeschicklichkeiten und Unhöflichkeiten die Apothekerschaft „in eine unerträgliche Situation manövriert“. Nach dem Prinzip der vielfach zitierten schwäbischen Hausfrau müsse im Berliner Apothekerhaus jetzt eine „Kehrwoche“ abgehalten werden. Pieck in seiner bekannten Deutlichkeit: „Die Treppe wird immer von oben nach unten gekehrt“.

Pieck zitierte einen namentlich nicht genannten Mann aus der Wirtschaft, der bereits vor dem Apothekertag erklärt habe, der Kontakt der ABDA zu allen politischen Parteien sei massiv gestört. In einer Zeit, in der ganz offensichtlich fundamentale Meinungsverschiedenheiten zwischen Ministerium und ABDA bestünden, seien noch gravierende atmosphärische Störungen hinzugetreten. „Das ist fatal und ein nicht hinnehmbarer Zustand“, sagte Pieck.

Inzwischen gingen Politiker, soweit möglich, einzelnen ABDA-Repräsentanten bewusst aus dem Wege. Die SPD-Opposition habe man nach dem Regierungswechsel 2009 lange Zeit „links liegen gelassen“. Inzwischen habe man hoffentlich eingesehen, dass die Erkenntnis, die Opposition von heute ist die Regierung von morgen, mehr sei als politische Theorie. 

Heftig kritisierte Pieck den Umgang der ABDA-Spitze mit der Geschäftsführung im Berliner Apothekerhaus. Man vertrete den Standpunkt, „für Politik ist der Vorstand zuständig, nicht die Geschäftsführung“, und übersehe, dass es eine genuine Aufgabe der Geschäftsführung eines Bundesverbandes sei, die politischen Beschlüsse des Vorstandes gegenüber Politik und Öffentlichkeit umzusetzen.

Tatsächlich werde die Geschäftsführung in zahlreiche wichtige Vorgänge nicht eingebunden und nähme auch an wichtigen Gesprächen mit der Politik nicht immer teil. Die Verbandspolitik sei keine „reine Privatsache“ von Personen, auch wenn diese gewählt seien. Ein nach dem Apothekertag geführtes Gespräch des Präsidiums mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und seinen Mitarbeitern habe ohne den Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz stattgefunden. „Es ist eine Verschwendung von Ressourcen, die Geschäftsführung so zu behandeln, wie sie behandelt wird“, sagte Pieck.

Zudem rügte Pieck, in der ABDA würden unbequeme und abweichende Meinungen nicht genügend diskutiert, sondern eher unterdrückt. Einwände und Widerspruch einer Geschäftsführung, die gegenüber dem Verband sachkundig und loyal sei, seien keine Störungen oder Verlängerungen von Sitzungen, sondern bereicherten einen dringend notwendigen Diskussionsprozess und müssten als die anstrengenste Variante von Loyalität uneingeschränkt akzeptiert werden. Es sei typisch, dass in Quedlinburg die Deutsche Apotheker Zeitung bei der Tagung des Quedlinburger Kreises anwesend sei, nicht aber die Pharmazeutische Zeitung, „die wohl Par ordre du Mufti nicht kommen durfte“ so Pieck.

Pieck befasste sich ausführlich mit dem Verbot von Pick-up-Stellen. Es sei inkonsequent, das Verbot zu fordern und zugleich erkennen zu geben, dass man ein solches Verbot für verfassungsrechtlich unzulässig erachte. Es gäbe genügend Publikationen, die die rechtliche Möglichkeit eines Pick-up-Verbotes durch Änderung des Apothekengesetzes für zulässig hielten. Auf dieser Grundlage könne man ein solches Verbot nicht nur juristisch, sondern auch politisch überzeugend begründen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der nächsten Ausgabe der DAZ.

Lesen Sie hierzu auch:

Professor Wille: Zukunft bringt Chancen und Risiken für Apotheken

Treuhand: Apotheken im AMNOG-Würgegriff

 

 

Lothar Klein / 07.11.2011, 09:48 Uhr

Kommentare:

12  nächste 
Winfried Meyer sagt:
10.11.2011 22:13

Unsere Facebook-Gruppe ist jetzt "OFFEN" geschaltet

http://de-de.facebook.com/#!/groups/apointernetclub/

Wir laden Sie -Freund gleichermaßen wie Gegner- herzlichst ein, mitzulesen, besser noch : konstruktiv und alternativ sich in die Diskussion einzubringen

Michael Stolze sagt:
10.11.2011 13:46

Bleibt nur zu hoffen, daß die Worte von Herrn Pieck auf möglichst viel fruchtbaren Boden fallen. Oder um es mit den Worten von Stéphane Hessel zu sagen: Empört Euch!

Winfried Meyer sagt:
08.11.2011 16:25

NEUE Strukturen einführen mit Top-Down-Treppenreinigung !
gGmbH als Alternative zur Patronats-Vereinsmeierei >>> Stärkung der Geschäftsführung, PERSÖNLICHE Haftbarkeiten für`s Tun und Unterlassen !
gGmbH gemeinnützig !? Böhmische Dörfer für Lateiner-Griechen ?
Googlen !, bei Herrn Dr.Pieck nachfragen, oder bei Frensemeyer`s Advokaten, oder bei www.IFUH.de , oder sich für "Meyern`s" interessieren !
Gehen Sie NEUE Wege in Transparenz, damit Herr Dr. Pieck`s Zitat in www.dsa.ag widerlegt wird. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.
meint
www.apointernetclub.blogspot.com
(neu ausgerichtet als Virtuelle-Podiumsdiskussion auf Facebook)

DrCK sagt:
08.11.2011 11:37

Pieck mag ja ein begnadeter Jurist sein, vielleicht auch ein brillianter Kopf, aber wenn mein Infostand stimmt, dann sind solche Leute auch gefährdet, ihr Wissen, wie es geht, zu missbrauchen.
ABDA Präsident Friese ist ja durch seinen Tunnelbau berühmt berüchtigt geworden. Ein ABDA Präsident, der auf diese Weise gezeigt hat, wie doppelzüngig Berufspolitik für Apotheker gemacht wird. Und wen hat er an seiner Seite gehabt? Pieck. Wer, glauben Sie, hat Friese den "richtigen"
Tipp gegeben für den Tunnelbau, um die Apothekenbetriebsordnung zu umgehen?

Bevor wir eine schlagkräftige Interessenvertretung bekommen, müssen wir erst einmal aufräumen.
1. Demokratie muss bis in den letzten Winkel umgesetzt und auf eine breitere Basis gestellt werden.Siehe Antrag zum mehr...

Dr.Diefenbach sagt:
08.11.2011 10:55

Danke mal wieder Herr Dr. Pieck.Ich bedaure es sehr dass Sie nicht mehr da sind.Auch wenn wir uns früher manchmal stritten.Ihre Ausführungen sind für mich abermals Anlass genug,die Talfahrt nach dem Apotag gerade bei der Vorlage der ApoBO("eine gute Grundlage..."(welcher Unsinn)wieder mal offen anzuprangern.Unsinnige Artikel wie in der PZ("Die Apokalypse fand nicht statt")werfen ja erst Recht die Frage auf,was für Zeitgeister uns "vertreten"

Dr. Ralf Schabik sagt:
08.11.2011 04:09

@ frensemeyer: Wieso helfen meine Fragen nicht weiter ? Ich denke schon, dass manchmal ein Rückblick in die Geschichte hilfreich sein kann: Waren frühere ABDA-Vertreter wirklich bei der Politik hoch angesehen ? Was war zuerst - Angriffe (Ulla Schmidt) auf UNS oder mehr als 7 Mio Unterschriften gegen die Politik ? Oder jetzt - Die derzeitige Regierung brach brutal ihr eigenes Koalitionspapier, erst danach kam der Begriff "Abrissbirne". Ich will mir gar nicht anmassen, in der Beurteilung des Artikels oder auch von Personen Partei zu ergreifen - ich möchte nur hinterfragen, warum sich Pieck JETZT und DERART äussert. Qui bono ? Kritik - vor allem, wenn sie berechtigt und konstruktiv ist - halte ich grundsätzlich für wichtig, aber es muss immer auch ein Ziel, eine Alternative formuliert werden. Um nicht mehr...

Dr. Markus Junker sagt:
07.11.2011 22:30

Es ist ein Trauerspiel, wie die Apotheker vertreten werden. Wieso muss ein ehemaliger Sprecher der ABDA-Geschäftsführung kommen, um ein paar Worte Klartext zu reden? Stimmt, er kann sich es jetzt leisten. Dafür meinen ausdrücklichen Dank.
Wieso wird die Geschäftsführung der ABDA in dieser Weise übergangen?
Wer in dem Stil in der Offizin mit seinen Kunden umgehen würde, hätte schnell einige verloren. Selbst der einfachste Kunde hat eine würdige Beratung verdient, genauso wie der Herr Generaldirektor. Es geht im übrigen nicht immer nur um Geld.

Praktiker sagt:
07.11.2011 19:41

ABDA: Ein Trauerspiel..!
Wäre ja alles nicht so tragisch, wenn wir Präsenz-und Hauptapotheker dieses nicht noch mit dem in 2012 deutlich knapper werdenden Geld bezahlen...!

Wann endet die Zukunft der Verbandsbeschwichtiger ?

Warum empört sich kein Apotheker?

Mutige vor!!! AVWL !

Elisabeth Jedamzik sagt:
07.11.2011 17:39

Ich möchte eine Stellungnahme der ABDA zu diesem Statement und zu den Kritiken der letzten Wochen und Monate.
Ich möchte eine STELLUNGNAHME !!!!!!!!!
Ich bin Teil des Apothekervolkes und habe ein Recht auf Information.
Herr Wolf und Herr Becker, gehen Sie endlich auf die von Ihnen repräsentierte Apothekerschaft zu !!!
Treten Sie in einen DIALOG mit der Basis.

dietmar frensemeyer sagt:
07.11.2011 13:46

@schabik - diese Fragen und Antworten zu Aera Pieck helfen und heute nicht weiter. Aber soviel aus meiner Kenntnis: die Basis war damals genauso weit "unten" wie heute, also null Fortschritt, Pieck und Braun aber waren hoch angesehene Gesprächspartner der Politik mit immer KLARER ANSAGE. Meines Wissens hat Pieck die Niederlassungsfreiheit in D bewirkt. Ähnlich kämperisch Fundamentales kann man von den heutigen "Agenten" nicht sagen. Und mal ganz offen, Becker als DER DEUTSCHE APOTHEKER .... eben nicht basisdemokratisch an der Spitze ....

12  nächste 

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

 

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Politik

Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.