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Ulrich Weigeldt gibt dem ABDA/KBV-Konzept keine Chance. (Logo: Hausärzteverband)

Ulrich Weigeldt gibt dem ABDA/KBV-Konzept keine Chance. (Logo: Hausärzteverband)

ABDA/KBV-Modell

Hausärzte lehnen Konzept weiterhin ab

Düsseldorf/Berlin - Zu Beginn des Deutschen Apothekertages wiederholte Ulrich Weigeldt, der im September neu gewählte Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, die ablehnende Haltung der Hausärzte gegenüber dem ABDA/KBV-Modell: Die Wirkstoffverordnung als „verschleierte Positivliste“ bringe dem Patienten keine Vorteile und verschiebe das Haftungsrisiko auf die Ärzte.

Das Modell sei „nutzlos“, kritisierte Weigeldt die geplante Wirkstoffverordnung scharf. Daher werde sie von den Hausärzten nicht unterstützt werden. Die Hausärzte befürchten einen Kompetenzverlust durch das Modell: „Im Interesse einer sicheren Arzneimittelversorgung unserer Patienten lassen sich die Hausärzte diese Kernkompetenz ärztlicher Tätigkeit nicht aus der Hand nehmen“, sagte Weigeldt.

Zum Gelingen des Modells fehle es den Apothekern an wichtigen Informationen zur Diagnose und der Indikation. „Der Hausarzt verschafft sich in der vertraulichen Situation der Sprechstunde den Überblick über alle verordneten Arzneien, er kennt das gesamte Krankheitsbild des Patienten, mögliche Unverträglichkeiten gegen bestimmte Wirkstoffe und familiäre Hintergründe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Patienten dies alles im Verkaufsraum einer Apotheke mit einer PTA besprechen wollen, wo nur ein farbiger Strich im Bodenbelag für Diskretion sorgen soll.“ Die Hausärzte lehnen es jedoch ab, solch sensible Daten der Patienten aus rein wirtschaftlichen Überlegungen der Apotheker im Gesundheitssystem zu streuen, so Weigeldt.

Auch der Pilotversuch in einem KV-Bezirk, der jetzt im Versorgungsstrukturgesetz verankert werden soll, mache dieses „rein von Apothekerinteressen motivierte Konzept“ nicht besser für die Patienten, kritisierte er. Hier werde die sichere Arzneimittelversorgung kurzsichtigen ökonomischen Interessen geopfert und eine „verschleierte Positivliste“ eingeführt, die das Haftungsrisiko auf die Ärzte verschiebe.

Die Wirkstoffverordnung werde bei Kombinationspräparaten ohnehin schnell an die Grenzen der Realisierbarkeit stoßen, weshalb Weigeldt davon ausgeht, dass das Modell scheitern werde: „Wir Hausärzte werden kein Modell passieren lassen, das der Zweiklassenmedizin Vorschub leistet, weil Privatversicherte die Medikamente vom Arzt verordnet bekommen, während Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen der Wirkstoffverordnung ausgesetzt sind.“

Der Gegenvorschlag der Hausärzte für eine sichere und zeitnahe Arzneimittelversorgung multimorbider, älterer Patienten, die nicht in der Lage sind, in die Praxis oder in die Apotheke zu kommen: Der Arzt soll Medikamente beim Hausbesuch mitbringen und selbst ausgeben dürfen, forderte Weigeldt.

Juliane Ziegler / 06.10.2011, 16:05 Uhr

Kommentare:

LandApo sagt:
07.10.2011 08:55

Sehr nette, polarisierende Wortwahl, muss wohl länger gedauert haben, dieses Statement auszubaldovern !

Ändert aber nichts an der Tatsache, das der Inhalt der selbe Blödsinn ist wie vorher !

Mir scheint, dem Herrn W. sind die Rabattverträge, AMNOG etc. immernoch gänzlich unbekannt ?
Ist er überhaupt selbst noch in einer "Kassenpraxis" tätig ?

Ich persönlich erfahre aus der Zusammenarbeit mit "unseren" Ärzten (= offen, unverblendet, gesprächsbereit und lösungsorientiert) deutlich weniger Ablehnung oder gar Zustimmung zu diesem Konzept.

"Die" Hausärzte sollten sich mal jeder für sich überlegen, ob sie wirklich Ihre persönlichen Interessen durch Herrn W. repräsentiert sehen !?!

Pillenliesel sagt:
06.10.2011 20:14

Vertraulich-Überblick: in 5 Minuten ?
Auch das vom FA ? Den der Patient vielleicht doch heimlich aufgesucht hat?
Hausbesuch mit dem Pillenmobil? Unter Beachtung der packungsgrößengestützten Rabattverträge?
War der Herr Doktor schon mal in einer Apotheke? Hat er schon mal Beratungsecke oder -Zimmer gesichtet?
Kann er sich vorstellen,was wir so alles über die Docs, die nicht zuhörenzu hören bekommen ?
So ein blödes Geschwätz !
Bitte lieber Hausarztverband , entsorgt dieses compliancegefährdende Funktionärsfossil !°

Banane sagt:
06.10.2011 20:03

Hi hi hi hi hi...
Selten so gut gelacht!
Ich glaube zur Gedankenwelt dieses Herren paßt mein Synonym besser.
Wenn man nichts versteht sollte man besser den Mund halten.

Aber Herr Weigeldt versucht halt mit aller Gewalt Schweizer Verhältnisse zu schaffen. Dann kann der ach so am Hungertuch nagende Hausarzt noch etwas dazuverdienen. Friedrich II würde im Sarg rotieren!

Medikamente beim Hausbesuch mitbringen? Was für ein Hausbesuch? Wenn ich meinen Kunden so zuhöre, müssen die Patienten schon halb tot sein, daß der Herr Doktor sich noch zu ihnen nach Hause begibt. Oder sie zahlen für den Hausbesuch. Ich möchte aber im Gegensatz zu Herrn Weigeldt keine Pauschalverurteilungen abgeben. Es gibt durchaus auch noch Hausärzte, die ihren Beruf mit Leidenschaft betreiben. mehr...

C.T sagt:
06.10.2011 19:03

Liebe Hausärzte,

kommt bitte in der Realität an!
„Der Hausarzt verschafft sich in der vertraulichen Situation der Sprechstunde den Überblick über alle verordneten Arzneien, er kennt das gesamte Krankheitsbild des Patienten, mögliche Unverträglichkeiten gegen bestimmte Wirkstoffe und familiäre Hintergründe."
Die Unverträglichkeit gegenüber Wirkstoffen steht doch hier gar nicht zur Debatte! Die Wirkstoffe verordnet doch nach wie vor Ihr. Oder hab ich da was falsch verstanden? Was das Arzneimittel selber betrifft, habt Ihr von Galenik etc. - mit Verlaub - überwiegend keine Ahnung. Das zeigt die tägliche Praxis in der Apotheke. Wenn Unverträglichkeiten bezügl. der Hilfsstoffe (!) gemeint sind: da wird doch jetzt schon das aut idem Kreuz verweigert. Es ist keine mehr...

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