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Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband will Patienten vor überflüssigen medizinischen Leistungen bewahren. (Foto: GKV-Spitzenverband)

Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband will Patienten vor überflüssigen medizinischen Leistungen bewahren. (Foto: GKV-Spitzenverband)

GKV-Spitzenverband

Patienten müssen IGeL-Angebote überdenken können

Berlin - Der GKV-Spitzenverband will die Patientenrechte in Arztpraxen stärken: Um zu vermeiden, dass Ärzte kranken Menschen fragwürdige Leistungen unterjubeln, fordert er in einem Positionspapier ein Patientenrechtegesetz, das für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist vorsieht.

Die Rechte von Patienten sind bisher weder abschließend noch zentral geregelt. Patienten können sich daher momentan nicht auf einen Blick über ihre Rechte informieren. Der GKV-Spitzenverband hat es sich daher zum Anliegen gemacht, die Rechte der Patienten in der Arztpraxis zu stärken, wenn diese den wirtschaftlichen Interessen der Ärzte ausgesetzt sind.

Bei den sogenannten IGe-Leistungen gehe es vorrangig um Umsatz und Gewinn der Ärzte, und nicht um medizinische Hilfe für Kranke, sagte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, der „Berliner Zeitung“. Es entspräche nicht dem ärztlichen Ethos, kranken Menschen fragwürdige Leistungen unterzujubeln, so Kiefer weiter. „Wir müssen dem einen Riegel vorschieben.“

Laut WIdO-Monitor 2/2010, einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, verkaufen immer mehr niedergelassene Ärzte immer mehr private Leistungen an gesetzlich Krankenversicherte. Danach wird mehr als jedem vierten Versicherten innerhalb eines Jahres eine medizinische Leistung auf Privatrechnung verkauft. Die Zusatzeinnahmen der Ärzte bei der Behandlung von GKV-Versicherten sollen dadurch seit 2005 um rund 50 Prozent auf rund 1,5 Mrd. Euro im Jahr angewachsen sein. Die geforderte schriftliche Vereinbarung unterblieb laut Bericht in 54,4 Prozent der Fälle – für jede siebte Privatleistung soll nicht einmal eine Rechnung ausgestellt worden sein.

Die IGel-Angebote seien mehrheitlich nutzlos und damit überflüssig, so Kiefer. Konkret verlangt der GKV-Spitzenverband, dass die Patienten ein IGel-Angebot erst nach einer 24-stündigen Einwilligungssperrfrist annehmen dürfen. Nur in den Fällen, in denen der Patient ausdrücklich nach IGel-Angeboten frage, solle diese Frist nicht gelten. Außerdem müsse ein schriftlicher Behandlungsvertrag vorliegen und der Arzt vor Abschluss des Vertrages über Vor- und Nachteile und Alternativen aufklären. 

Weiter fordert der GKV-Spitzenverband Widerspruchsfristen für die Patienten: „Es kann nicht sein, dass es bei jedem Haustürgeschäft mit Staubsaugern eine Widerspruchsfrist gibt, aber bei medizinischen Behandlungen nicht“, monierte Kiefer.

Juliane Ziegler / 22.09.2011, 10:56 Uhr

Kommentare:

Apotheker B sagt:
28.09.2011 12:39

Die Ärzte haben Zusatzeinnahmen? -Das darf ja wohl nicht wahr sein! Und dann noch 50% in 5 Jahren, das macht dann bummelich..., sooo...bummelich.....
Leistungen werden schon mal gestrichen, wenn sie zu teuer werden, sonst werden die kranken Kassen noch kränker. Wenn ich nur an die Bonushefte zur Dokumentation der Zahnarztbesuche denke, wird mir....wo ist mein Vomex. Irgendwann wird alles was Ärzte für ihre Patienten (nicht mehr die Patienten der kranken Kassen) tun zur IGe-Leistung.
Ja dann stehen sie aber da, die armen, ohne Plan was der Dr. jetzt wieder mit ihnen anstellt.
Alles was die kranke Kasse zahlte war ja wohl richtig und umsonst. Da konnte man sich ja noch drauf verlassen.

Liebe Kollegen im Gesundheitswesen, bietet doch der GKV 20 Igel%`te an, dann sind diese Leistungen auf mehr...

Stefanie Walkowiak sagt:
22.09.2011 20:56

Endlich! Ich habe meinen Arzt gewechselt, nachdem er schon vor dem eigentlichen Gespräch zunächst sämtliche IGe-Leistungen aufgezählt hat. An der Rezeption musste man ein IGeL-Merkblatt unterschreiben, auch wenn man KEINE IGe-Leistungen wollte. Ich habe meine Unterschrift natürlich verweigert! Im Wartezimmer gab es keine Zeitschriften mehr sondern nur noch IGeL-Prospekte und einen großen Flachbildschirm mit IGeL-"Belästigung" in Bild und Ton. Wie soll man da als Patient noch Vertrauen in die Seriosität haben und welcher Laie kann sinnvolle von unsinnigen Angeboten unterscheiden? Diese Verunsicherung der Patienten wird schamlos kommerziell ausgenutzt!

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