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Sanicare-Chef Johannes Mönter sind Arzneimittel-Zuzahlungen ein Dorn im Auge. Jetzt führt seine Apotheke gemeinsam mit Wissenschaftlern eine Studie zu ihrer Wirkung durch. (Foto: Sket)

Sanicare-Chef Johannes Mönter sind Arzneimittel-Zuzahlungen ein Dorn im Auge. Jetzt führt seine Apotheke gemeinsam mit Wissenschaftlern eine Studie zu ihrer Wirkung durch. (Foto: Sket)

Zuzahlungen

Studie soll Wirkung von Arzneimittel-Zuzahlungen aufzeigen

Berlin - Der Sinn und Zweck von Zuzahlungen im Gesundheitssystem ist höchst umstritten. Haben sie tatsächlich eine Steuerungsfunktion, die die Krankenversicherten vor unnötiger Leistungsinanspruchnahme abhält? Oder spülen sie zwar Geld in die Kassen, gefährden jedoch die Therapietreue der Patienten? In Deutschland mangelt es an validen Studien zum Thema Arzneimittel-Zuzahlungen. Dies wollen das Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) und die Sanicare-Versandapotheke nun ändern.

Ziel der gemeinsamen Studie ist es, 6000 Apothekenkunden zum Thema Arzneimittel-Zuzahlungen zu befragen. Seit ihrem Startschuss im November letzten Jahres haben 2000 Sanicare-Kunden ihre Teilnahme erklärt, rund 1200 Fragebögen sind bereits ausgewertet. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden am 17. Februar in Berlin vorgestellt.

Ausgangsthese der Studie ist, dass Arzneimittel-Zuzahlungen die Therapietreue negativ beeinflussen können, den Krankheitsverlauf vor allem chronisch Kranker beeinträchtigen und sogar deren Sterblichkeit erhöhen können. Umgekehrt könnte eine Reduzierung der Zuzahlung für eine bessere Therapietreue sorgen. Dass dies der Fall seien könnte, zeigten etwa Studien aus Kanada, den USA und Italien, erklärte Dr. Jens Holst, einer der wissenschaftlichen Leiter der Untersuchung. Doch angesichts der unterschiedlichen Gesundheitssysteme in diesen Ländern, lassen sich die Ergebnisse dieser internationalen Studien nicht auf Deutschland übertragen. Bis aus der nun begonnenen Untersuchung Aussagen hierzu machen lassen, wird es noch etwas dauern – einer ersten Befragung wird eine zweite, gegebenenfalls auch dritte folgen.

Bislang lässt sich den ausgewerteten Fragebögen entnehmen, dass die Zuzahlungen allgemein wenig beliebt sind. Zudem erwies sich jeder fünfte Befragte als nicht adhärent: 20 Prozent erklärten, sie hätten in den vergangenen zwei Wochen mehr als zwei Mal ihr Medikament nicht eingenommen. Der häufigste Grund war dabei das schlichte Vergessen. Bei diesen nicht-therapietreuen Befragten zeigte sich aber auch, dass diese häufig nur teilweise, begrenzt oder gar nicht von ihrem Arzt über ihre medikamentöse Therapie informiert wurden. Weitere Einflussfaktoren waren die Angst vor Abhängigkeit, die bei 70 Prozent der Nicht-Adhäranten stark bzw. eher stark ausgeprägt ist. 64 Prozent berichteten zudem von (eher) starken Nebenwirkungen, 56 Prozent fürchten diese in der Zukunft. Fast ebenso viele beunruhigte bereits der Beipackzettel.

Sechs Monate nach der ersten Befragung wird eine zweite folgen. Diese wird unter anderen Vorzeichen stehen, da die Teilnehmer seit der Beantwortung der 52 Fragen der ersten Erhebung nur noch für die Hälfte der Zuzahlung selbst aufkommen müssen. So soll herausgefunden werden, ob eine Reduzierung des Eigenanteils Auswirkungen auf das Einnahmeverhalten hat. Und ganz nebenbei erreicht Sanicare-Chef Johannes Mönter, was ihm Gerichte bislang versagt haben: die zumindest hälftige Befreiung eines Teils seiner Kunden von der Zuzahlung. Und hierfür muss Mönter nicht einmal selbst aufkommen. Die Erstattung erfolge durch die BIAG, heißt es.

Für Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, ist schon vor Abschluss der Studie klar, dass Zuzahlungen die erwünschte Steuerungswirkung nicht haben. Sie führten vielmehr lediglich zu einer „Umverteilung von unten nach oben“. Nach Daten des GEK-Arzneimittel-Reports verursachen lediglich 4 Prozent der Versicherten, die Arzneimittel verordnet bekommen, 50 Prozent der Ausgaben. Es sei also ein kleine Gruppe, die viele Zuzahlungen leisten müsse und damit die gesetzlichen Kasse entlaste, betonte Glaeske. Da diese chronisch Kranken zumeist auch sozial schwächer sind, sei dieses System „höchst unsozial“. Angesichts der Feststellung, dass viele Befragte sich nicht ausreichend von ihrem Arzt über ihr Arzneimittel informiert fühlen, appellierte Glaeske an die Apotheker, dieses Defizit auszugleichen. Es sei eine „große Chance“ für die Apotheken, hier nachzuhaken und den Patienten beratend zur Seite zu stehen. Doch Glaeskes Hoffnungen sind begrenzt: „Leider erfolgt die Übergabe der Arzneimittel in 40 Prozent der Fälle kommunikationslos“.

Kirsten Sucker-Sket / 17.02.2010, 18:04 Uhr

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