Pharmazie

(Foto: Fotolia)
Apothekenschließung in Köln
Ein historisches Kleinod bleibt auf der Strecke
Köln - Immer mehr Apotheken müssen aus wirtschaftlichen Gründen für immer schließen. Diesen Trend haben auf Nachfrage auch mehrere Apothekerkammern bestätigt. Eine der Apotheken, die Ende Januar auf der Strecke bleiben wird, ist die Jan von Werth-Apotheke am Alten Markt in Köln.
Damit verliert Köln seine älteste, noch existente Apotheke. Ein historisches Kleinod geht verloren, sagt die Inhaberin Valeska Pritz-Gottschall im persönlichen Gespräch mit DAZ.online.
Jan von Werth-Apotheke in Köln heute...
Im Oktober 2010 hat Valeska Pritz-Gottschall, Inhaberin der Anno-Apotheke in Köln, die Jan von Werth-Apotheke erworben und seitdem als Filiale betrieben. „Es war ein Liebhaberobjekt“, sagt die Apothekerin. „Aber ich hatte doch Hoffnung, finanziell klarzukommen.“ Als echte Kölnerin fühlt sich Pritz-Gottschall den „alten Schätzen“, die in der 1584 gegründeten, historisch wertvollen Apotheke zu finden waren, heimatlich verbunden. Sie schwärmt von den schönen Einrichtungsgegenständen, die sie nun, nach Schließung der Apotheke, zum Teil selbst behalten, zum Teil an pharmaziehistorisch Interessierte verkaufen wird.
Leider hatte sich nach dem Kauf und dem zunächst ambitioniert betriebenen Neustart als Filiale herausgestellt, dass die Kundenfrequenz der Jan von Werth-Apotheke zu gering war, um schwarze Zahlen schreiben zu können. „Die Apotheke liegt in einer Partymeile“, sagt Pritz-Gottschall, „kein idealer Standort für eine Apotheke. Außerdem befand sich eine U-Bahn-Baustelle direkt vor der Tür – und schreckte Kunden ab. Trotzdem befürchtet die Apothekerin, dass nach Schließung der Apotheke eine Lücke in der Arzneimittelversorgung entstehen wird. „Bis zur nächsten Apotheke ist es Luftlinie schon ein Kilometer“, sagt sie. Und überhaupt nehme die Apothekendichte in der Kölner Innenstadt ab: Im April werde eine weitere Apotheke schließen. Grund seien die exorbitanten Mieten, die nicht mehr zu erwirtschaften seien.
... und früher
Bei Valeska Pritz-Gottschall ist ein Gefühl von Trauer zu spüren. „Schade“, sagt sie. „Es war so eine schöne Apotheke.“ Das bisherige Personal – eine Filialleiterin, eine Halbtagsapprobierte, zwei PTA – ist derzeit auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen. „Leider konnte ich sie in unserem Apothekenverbund nicht weiterbeschäftigen“, sagt die Apothekeninhaberin.
Reinhild Berger / 17.01.2012, 12:30 Uhr
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Christian Grabenhorst sagt:
15.02.2012 20:17Es passiert etwas..... gleich bei mir um die Ecke!! Ein sehr motivierter Apotheker betreibt folgende Webseite: www.apothekenprotest.de
Gruss aus dem Extertal
Stefan sagt:
03.02.2012 13:05Andere für eine Schließung verantwortlich machen ist immer einfach. Die Partymeile gabs schon immer und so schlecht war der Standort nun über die Jahrhunderte scheinbar auch nicht. In schwierigen Zeiten muss man selbst das Heft in die Hand nehmen, auf die Kammer und Verbände kann man wie man sieht nicht zählen. Politik ist ein schmutziges Geschäft, an der Politikern zerren sicher nicht nur die Apotheker sondern auch alle anderen (ich wollte den Job nicht machen).
Außerdem kann man eine Filialapotheke nicht als "Schätzchen" führen, entweder man macht es richtig mit allem nötigen Engagement oder man läßt es bleiben
Klar ist, Schuld trifft immer nur die Anderen. Dennoch traurig ist es, wenn eine Tradition zuende geht. Aber Kopf hoch, es gibt noch mehr Apotheken mit mehr...
Auswanderer sagt:
18.01.2012 14:42Für mich ist an dieser Entwicklung nichts Schlimmes zu erkennen. Sage ich als Apotheker, der dem Beruf und dem Land schon lange ade gesagt hat. Wer den Beruf weg vom Arzneimittel, zur Kernkompetent, hin zum Zusatzverdienst mitgegangen ist, muss sich nicht wundern, wenn ihm im Wettbewerb die Luft ausgeht.
Angela sagt:
18.01.2012 05:49Bedauerlich, aber nicht ganz richtig recherchiert, in weit weniger als 1 km sind die Apotheken im Hauptbahnhof und am Dom mit überlangen Öffnungszeiten zu erreichen und gut besucht, auch die Augustiner Apotheker ist noch in der Nähe, um die schöne alte Jan-von-WErth-Apotheke ist es natürlich trotzdem schade
Spitzweg sagt:
17.01.2012 21:54das wird nicht das letzte Kleinod bleiben.
Als selbsrt buchführender kann ich mir das Elend täglich auf den Bildschirm holen und staune...dass wohl so mancher Kollege/in nicht weiss, wie es um ihn steht.
Die Landschaft wird sich "bereinigen", zu wessen Wohl? zum Wehe der Betroffenen.
Und wenn man die Fachpresse liest, wundert man sich, welche Probleme so manche haben.
Guenter sagt:
17.01.2012 21:12@Advocatus D.
Wir sehen hier momentan nur die Spitze eines Eisbergs. Der Eisberg schmilzt auch unter Wasser, das wahre Ausmaß von AMNOG 1+2 sehen wir dann erst so richtig in fruehestens 2-3 Jahren. Schon jetzt sterben übrigens auch Apotheken auf dem Land, nur leiser. Ein Drittel aller Apotheken schreibt seit Beginn des Jahres tiefrote Zahlen, lassen sich aber wegen laufender Miet-/ Arbeits-/ Kreditverträge nicht sofort schliessen. Die Häme zum gefürchteten Apothekensterben können Sie sich also sparen! Ich wünschte mir eine Politik, die so ehrlich ist, die wahre Intention dieser scheibchenweisen Enteignung vieler kleiner Mittelständler auch offen auszusprechen! Das ist Politik ohne Rückgrat und dafür empfinde ich nur Verachtung.
Advocatus D. sagt:
17.01.2012 19:32Ad 1:
Hoffen klar zu kommen ist gleich nicht gerechnet zu haben. Und wenn es für die Geschäftsaufgabe reicht, ist das sogar deutlich.
Ad 2:
Kölner Innenstad + Partymeile + wenige Kunden klingt nach wenigen Anwohnern = wenig Bedarf. Auf dem Land wären wir froh um nur einem Kilometer zur nächsten Apotheke
Das ist nicht das gefürchtete Apothekensterben...
Bernd Küsgens sagt:
17.01.2012 18:44Hier kann die DAZ-Online Redaktion einmal etwas sehr sinnvolles tun:
Jede Apothekenschließung muß ALLEN Bundestagsabgeordneten schriftlich mitgeteil werden.
Guenter sagt:
17.01.2012 17:45Schlimm, daß es diesen halbstarken, von nicht nachvollziehbarem Sozialneid zerfressenen Jungpolitikern wie Rösler/Bahr doch tatsächlich gelingt, über Jahrhunderte geschaffene Werte in so kurzer Zeit zunichte zu machen. Wann endlich laufen die Apotheker Sturm gegen diesen offenkundigen Apothekenfeldzug? Und was macht die ABDA? Keine Zeit, die Herren sind bei Bahr zum Kanonenputzen eingeteilt.
Michael Zeimke sagt:
17.01.2012 14:14Auch in der Wesermarsch muß eine Apotheke nach 335 Jahren schließen.Diese hatte alle Kriege und Währungsreformen überlebt.
Die Politik der Nichtskönner F.D.P. hat
diese Apotheke vernichtet. Die Burg_Apotheke Ovelgönne hat eine wichtige Funktion zur Versorgung der Landbevölkerung ! Auch die schwache ABDA hat mit ihrer Politik zum Untergang beigetragen.
Mein Freund Harald Läer: Kopf hoch.