Pharmazie

Titelthema im neuen "Spiegel": "Die Vitaminlüge". Neue Erkenntnisse bringt der Spiegel-Bericht allerdings nicht. (Foto: DAZ/diz)
Im neuen „Spiegel“
„Die Vitaminlüge“
Stuttgart - Nach Darstellung des Spiegel-Berichts redet die Pharmaindustrie den Menschen ein, Vitaminpräparate seien gesund. Doch vielen Fachleute gelten „diese Mittelchen“ nach Auffassung des Magazins als schädlich und: sie „nützen nur denen, die sie herstellen“.
Die neueste Ausgabe des Spiegel (Nr. 3 vom 16. Januar) zieht gegen die Supplementierung mit Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln zu Felde. 28 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zwischen 14 und 80 Jahren nehmen solche Präparate ein, 907 Millionen geben sie dafür aus, wissen Marktforschungsinstitute. Doch der Nutzen der Vitaminisierung der Gesellschaft sei zweifelhaft. Als Beweis für die Nutzlosigkeit und sogar Schädlichkeit zitiert der Spiegel-Autor die Betacarotin-Studie aus dem Jahr 1994, wonach die Einnahme von Vitamin E und Betacarotin bei Rauchern zu einer Erhöhung der Gesamtsterblichkeit um 8 Prozent und der Fälle von Lungenkrebs um 18 Prozent erhöht war. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei eine Folgestudie mit Vitamin A und Betacarotin gekommen. Auch die Schädlichkeit von Vitamin E habe sich in einer Studie herausgestellt: Die Männer, die Vitamin E einnahmen, hatten ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, zitiert der Spiegel die Studie.
Und laut einer Veröffentlichen der Cochrane-Collaboration, die 67 Studien zu Vitaminen ausgewertet hatte, habe die Zufuhr von Vitaminsupplementen die Sterblichkeit signifikant erhöht und zwar nach Gabe von Vitamin A, Betacarotinen und Vitamin E. Bei Vitamin C und Selen habe sich kein Effekt gezeigt.
In Zusammenhang mit Vitamin C geht der Spiegel bis ins Dritte Reich zurück und zeigt die Vitamingläubigkeit im Nationalsozialismus auf. Als Beispiele für die Vitamin C-Euphorie werden für die 70er Jahre der Nobelpreisträger Linus Pauling und der umstrittene Dr. Rath genannt.
Der Beitrag macht dem Leser deutlich, welche Pharmakonzerne hinter dem Vitaminmarkt stecken, beispielsweise Pfizer, GlaxoSmithKline, Merz Pharma und der deutsche Merck-Konzern. Der Schweizer Roche-Konzern habe sich dagegen von seiner Vitaminsparte getrennt, sie gehört heute zum niederländischen Konzern DSM.
Zur Versorgungssituation in Deutschland fragte der Spiegel den Präsidenten des Max-Rubner-Instituts, des Bundesinstituts für Ernährung und Lebensmittel, Gerhard Rechkemmer. Nach seiner Aussage ist die deutsche Bevölkerung schon durch die normalen Lebensmittel sehr gut mit Vitaminen versorgt, Unterversorgung gebe es allein bei Vitamin D. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) habe zudem festgestellt, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung bei älteren Menschen die Zahl von Stürzen und Knochenbrüchen verringern könne, und habe die Einnahme von Vitamin D empfohlen. Doch eine Studie an über 2000 Frau über 70 Jahren habe belegt, fügt der Spiegel hinzu, dass hochdosiertes Vitamin D häufiger zu Knochenbrüche führe.
Und auch Karl Lauterbach, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, darf im Spiegel-Bericht nicht fehlen. Er fordert, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung müsse viel deutlicher als bisher vor den Vitaminpillen warnen. Er sei vom Nichtwissen bei Ärzten und Apothekern immer wieder schockiert.
Fazit: Neue Erkenntnisse bringt der Bericht nicht, er wärmt alte Studien auf, schießt gegen die Pharmaindustrie und gibt einem allbekannten Gesundheitspolitiker Raum, Stimmung zu machen.
Peter Ditzel / 15.01.2012, 12:42 Uhr
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Lucien Möschinger sagt:
10.02.2012 10:13Der Lobbykrieg der Mächtigen?
seit über 7 Jahren nehme ich Vitaminen, Mineralstoffe und Spurenelemente regelmässig und täglich ein, ich gehe leider nicht viel bis gar nicht zum Arzt und spare mit der günstigsten Krankenkassenprämien viel Geld. Wem schade ich wohl? Merke: Bei der Krankheit Scorbut wurde damals das Vitamin C entwickelt und auch da gab es viele Gegner die dagegen wetterten. Darum soll sich jeder Mensch informieren und selber entscheiden was dann Sache für für ihn ist.
Einen schönen Gruss in diese Welt
Ambord sagt:
03.02.2012 22:34Ganzer Artikel: http://ctwellblog.com/?p=406
Zeiten sind das. Man darf das deutsche Staatsoberhaupt, den Bundespräsidenten Christian Wulff, als Lügner bezeichnen. Der Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes setzt selbiges auf Grund, nur weil er ein auf „dicke Hose“ macht. Über ein Dutzend Menschen sterben. Das US-Justizministerium reicht Klage gegen die schweizerische Bank Wegelin wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein. Sie gehen davon aus, dass die Banker über 1,2 Milliarden US-Dollar auf ihren Konten versteckt haben.
Auch anderorts ist Geld das Thema. So wird selbiges in der Euro-Zone so knapp, dass die Grande Dame und deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Höchstselbst nach China reist, um ausgerechnet hier Geld einzuwerben. Wie war das noch mit den Menschenrechten? mehr...
Duden sagt:
23.01.2012 16:51@ Tom: "... Studien,die zu anderen Ergebnissen kommen wie die Spiegel Reporter!"
@Apotheker B: "...Daran sieht man, dass zu mindestens nicht nur eine Hälfte recht hat."
Und wer lehrt die Apotheker endlich mal Deutsch?
Heike sagt:
17.01.2012 15:41Wie gut, dass Herr Lauterbach so gut mit den neuesten Forschungsergebnissen vertraut ist (s. Herr Gröber) und der Spiegel journalistisch so brilliant recherchiert hat. Eine Studie von 1994, älter geht es wohl kaum noch!
Wichtiger als die Diskussion über die Zufuhr von Vitaminen ist zum einen die Überprüfung des Gehalts in den "heutigen" Lebensmitteln (soweit ich weiß, sind die Werte aus 1960 igern)und zwar beim Verbraucher und nicht auf dem Feld. Zweitens gibt es individuell sehr starke Unterschiede: also, wie beim Blutdruck, erst messen und dann ggf. supplementieren, das ist für mich evidenzbasiert. Wozu haben wir die Werte, wenn sie eh keiner benutzt? Es gibt aber auch ganz einfache MEthoden, wenn man sich denn dafür interessiert.
Mit Hilfe der Antlitzdiagnostik nach Hicketier kann mehr...
Sven Larisch sagt:
17.01.2012 09:45Natürlich hat der Spiegel recht und eine ausgeglichene, gesunde Ernährung ist nicht durch Vitamine aus der Dose zu ersetzen.
Ich denke jedoch, als Apotheker kann ich ruhigen Gewissens meinen Kunden, die ja meist doch erkrankt sind, für einige Sachen unterstützende Vitamine empfehlen ohne als Scharlatan oder Vollidiot zu gelten. Sich einfach mit Vitaminen in Mengen versorgen und zu denken dadurch wird man gesund ist ja auch abwegig. Und da ich auch nicht vorhabe Herrn Lauterbach als allwissend anzubeten, werde ich mir zu allen Sachen eine eigene Meinung bilden (dürfen). Ob der Spiegel neues oder altes aufbackt ist mir eh egal. In einem schnelllebigen Zeitalter ist nichts älter als die Zeitung von gestern.
buron out sagt:
17.01.2012 09:04Was sagt Herr Lauterbach zu den ganzen Vitaminpillen im Drogeriemarkt, bzw. Internetbestellungen oder oder ausländischen Versendern? Nimm 3 zahl 2, ist doch toll oder?
Boor sagt:
17.01.2012 08:11Wer mit einfachen unsinnigen Studiendesigns versucht hochkomplexe
Zusammenhänge darzustellen hat nur
noch die Möglichkeit in die Politik zu gehen.
Vitamine arbeiten als CO-Faktoren von Enzymen immer als Orchester zusammen.
Wenn die 5 Symphonie von Beethoven nur von einer Geige gespielt kommt das
genauso armselig rüber wie der Spiegelkommentar.
Apotheker B sagt:
16.01.2012 22:48Schön, dass sich so viele an diesem Thema ereifern. Daran sieht man, dass zu mindestens nicht nur eine Hälfte recht hat.
Das Zauberwort heißt doch mal wieder Individualität. Jedem Tierchen sein Plesierchen.
Die Leute, die immer wieder der allseits präsenten Werbung hinterherhecheln, sind eh nur schwer zu belehren und tappen wie gewohnt in diese "Vitaminlüge". Denn diese Präparate braucht dann allenfalls die Nachbarin nach der Kaffee-Fahrt.
Bei speziellen Bedürfnissen können wir dann froh sein was gelernt zu haben(z.B.von U,Gröber und Konsorten), wenn wir danach gefragt werden.
Wer hat eigentlich das Leiserrinnsal gefragt.
Tom sagt:
16.01.2012 22:46Im amerikanischen NIH http://www.nih.gov/
lacht man sich in die Fäustchen,dort gibt es zahlreiche Studien,die zu anderen Ergebnissen kommen wie die Spiegel Reporter!
angie sagt:
16.01.2012 18:40wie wäre es mit einer Intensivausbildung bei uwe gröber ???
für Journalisten u.a. für den doppelten Kursbeitrag......