Pharmazie

„Die Umsetzung der Sparziele des Rektorats der Leipziger Universität halten wir für einen eklatanten Fehler", warnt Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer

„Die Umsetzung der Sparziele des Rektorats der Leipziger Universität halten wir für einen eklatanten Fehler", warnt Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer

Apothekerstudium in Sachsen vor dem Aus

Apothekerkammer Sachsen: Arzneimittelversorgung in Gefahr

Dresden/Leipzig - Mit größter Bestürzung und Betroffenheit reagieren die sächsischen Apothekerinnen und Apotheker auf die Pläne der Universität Leipzig, infolge der anhaltenden Haushaltsdiskussion das pharmazeutische Institut, einzige Ausbildungsstätte für Pharmazeuten im Freistaat Sachsen, schließen zu wollen. Damit sei, so Kammer und Verband in Sachsen, die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Sachsen mittelfristig gefährdet.

Wie die Sächsische Landesapothekerkammer mitteilt, sind am Studienstandort Leipzig die hohen Bewerberzahlen für ein Studium der Pharmazie nach wie vor ungebrochen. Trotzdem sei es bereits heute für sächsische Apothekenleiter schwer, junge Apothekerinnen oder Apotheker als Mitarbeiter zu gewinnen oder für die Übernahme einer Apotheke zu interessieren. Dieser Zustand werde sich durch den absehbaren Rückgang der Zahl junger Menschen, besonders in Sachsen, künftig noch verschärfen.

Fakt ist: Im Jahr 2009 konnte fast jede zweite der von öffentlichen Apotheken angebotenen Stellen nicht besetzt werden. Ein Grund dafür ist die zu geringe Studentenzahl. Der Apothekermangel wird durch das altersbedingte Ausscheiden der Pharmazieingenieure, einer Berufsgruppe, die nur in der DDR ausgebildet wurde, in den nächsten Jahren nochmals enorm zunehmen.

„Die Umsetzung der Sparziele des Rektorats der Leipziger Universität halten wir für einen eklatanten Fehler. Eine ordnungsgemäße und flächendeckende Arzneimittelversorgung, besonders in den ländlichen Gebieten, wird ohne genügend eigenen Nachwuchs an Apothekerinnen und Apothekern nicht mehr möglich sein. Dies wird auf dem Rücken der Patienten ausgetragen, Apotheken werden schließen müssen, weitere Wege und längere Wartezeiten sind vorprogrammiert“, warnt Friedemann Schmidt, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer und Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, eindringlich

Der Politik seien die Zahlen bekannt. Die Forderung der sächsischen Apothekerinnen und Apotheker, mindestens 10 bis 20 zusätzliche Ausbildungsplätze am pharmazeutischen Institut in Leipzig zu schaffen, habe die Sächsische Landesapothekerkammer im Rahmen ihrer im Jahr 2010 gestarteten Nachwuchsoffensive in den vergangenen Monaten bereits mehrfach an die Adresse der sächsischen Landesregierung gerichtet.

Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes e. V. dazu: „Eine Schließung des pharmazeutischen Instituts in Leipzig wäre auch ein Schlag ins Gesicht aller sächsischen Apothekerinnen und Apotheker, die bisher trotz immer schwieriger werdender Rahmenbedingungen jederzeit eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung in jeder Region Sachsens sichergestellt haben. Diesen gesetzlichen Auftrag, der auch Nacht- und Notdienste umfasst, können wir dann nicht mehr erfüllen.“

Peter Ditzel / SLAK / 14.12.2011, 15:41 Uhr

Kommentare:

Apotheker B sagt:
15.12.2011 23:25

@schmerzgel:

-jou!

Der Druck kommt halt von allen Seiten, und 3,5 K müssen erst mal, in diesem sich ständig verschlechterndem System verdient sein.
Ideen einbringen, und Flucht nach vorn ist von jedem jetzt gefragt; nicht nur vom Chef!

schmerzgel sagt:
15.12.2011 12:08

Tarifabschluss irrelevant
Es ist schon OK als Gewerkschaftlerin auf fehlende Tarife zu verweisen. Allerdings hat der Mangel an Apothekern nichts damit zu tun. Denn trotz übertariflicher Zahlung haben wir in jedem! Tarifgebiet einen Mangel an Apotheker/innen.
Es wäre zudem schön, wenn von Gewerkschaftsseite auch die Politik verstärkt angegangen wird. Sinkende Erträge bei steigenden Kosten erlauben nun mal leider keine Gehaltserhöhungen. Zudem verdienen schon jetzt viele (ich schätze 30%) Inhaber/innen deutlich weniger als angestellte Apotheker.

Barbara Neusetzer, Tanja Kratt sagt:
15.12.2011 10:51

Natürlich wäre es sehr bedauerlich, wenn das pharmazeutische Institut in Sachsen schließen müsste. Wenn allerdings Kammer und Verband unisono lamentieren, dass bereits im Jahr 2009 jede zweite angebotene Stelle in Apotheken nicht besetzt werden konnte, dann ist das hausgemacht und nicht auf eine vermeintlich zu geringe Studentenzahl zurückzuführen. Zu dem Mitarbeitermangel tragen sowohl Kammer als auch Verband maßgeblich bei, und das bereits seit 1997. Denn im Freistaat Sachsen gibt es seit diesem Zeitpunkt keinen gültigen Tarifvertrag mehr. Das hat sich nach einer Umfrage der Kolleginnen und Kollegen in Sachsen deutlich auf das Gehaltsniveau niedergeschlagen und zum Teil bis zu Lohndumping geführt. Diesen Fachkräftemangel haben die berufspolitischen Gremien in Sachsen maßgeblich mehr...

jean blaireau sagt:
14.12.2011 19:32

@p.b.: sie sind ein großer denker, wie mir scheint. allerdings kein gescheiter, sondern ein gescheiterter!
leider sind aber leute wie sie die lautsprecher in unserer gesellschaft. auch ich wünsche ihnen daher alles schlechte.

tacitus sagt:
14.12.2011 19:08

Diese Entscheidung ist doch nur zynisch konsequent. Die Politik möchte die Apotheken zerstören und ein paar Ketten Konzerne damit beglücken. Die flächendeckende dezentrale Versorgung nunmehr auch von der Personalseite angreifen, bringt Umsatz zum Versand und sicher Pluspunkte bei den wartenden Konzernen, siehe auch neuesten SPD Beschluß, die Grünen mit Biggi arbeiten daran ja schon länger.

Fab sagt:
14.12.2011 16:52

@p.b: eine noch unsachlichere Aussage kann man wohl kaum äußern...ich glaube Ihnen ist nicht bewusst, was Pharmaziestudenten leisten müssen und was für ein Fachwissen ein Apotheker hat. Mir scheint es so, als ob sie auch einer derjenigen sind, die Ihre Arzneimittel aus der Drogerie kaufen. Außer Weiteren werden Pharmazeuten nicht nur in Apotheken gebraucht. Die Industrie und die Arzenimittelforschung benötigt genauso Nachwuchs. Also überdenken sie nochmal ihre Aussage. Denn so einen Spruch können sie sich sparen!!!

p.b. sagt:
14.12.2011 16:19

Mittelfristig braucht sowieso keine Apotheke mehr einen Apotheker.Schubladenziehen muß man nicht studieren!Dafür braucht das Pflegepersonal Abitur?!?Unser ganzes Land versinkt allmählich in blinden Beamtenaktionismus und man kann es nicht mehr verstehen.

ApothekerNRW sagt:
14.12.2011 16:15

Das unser Studium in der gesellschaftlichen Bedeutung auf ein Niveau mit Nischenfächern gestellt wird,sagt viel über das Ansehen und die tatsächliche Lobby unseres Berufsstandes aus. Damit soll kein anderes Fach diskreditiert werden, aber die Schließung einer Ausbildung im exzessiven Fachkräftemangelbereich mit faktischer Jobgarantie zugunsten anderer Studiengänge mit hoher Arbeitslosigkeit oder möglicherweise in Zukunft drohendem Personalmangel ist ungeheuerlich. Zufall, dass die verantwortliche Dame Ärztin ist? FDP-Mitglied womöglich?

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