Pharmazie

Die Stiftung Warentest hat ihren Ratgeber zu rezeptfreien Arzneimitteln neu aufgelegt. (Foto: Stiftung Warentest)
Neuauflage „Rezeptfreie Medikamente“
Jedes dritte OTC-Präparat überflüssig
Berlin - Die Stiftung Warentest hat die vierte Auflage ihres Handbuchs „Rezeptfreie Medikamente“ auf den Markt gebracht. Mehr als 100 zusätzliche Arzneimittel wurden gegenüber der Vorauflage kritisch unter die Lupe genommen. Insgesamt enthält das Buch 2.046 Einzelbewertungen für OTC in rund 80 Indikationen. Etwa ein Drittel dieser Arzneimittel fällt bei den Testern allerdings durch.
Selbstmedikation ist heute gang und gäbe. Besonders Husten- und Erkältungsmittel, Medikamente bei Magen- und Verdauungsbeschwerden und Schmerzmittel werden von den Verbrauchern ohne Rezept in der Apotheke gekauft. Die Experten der Stiftung Warentest wollen nun erneut erklären, welche dieser Medikamente wirklich helfen und welche Neben- und Wechselwirkungen auftreten können. Denn auf viele der Präparate könnten Verbraucher aus ihrer Sicht ganz verzichten. So habe rund jedes Dritte der rezeptfrei erhältlichen Mittel keinen ausreichend nachgewiesenen Nutzen, einige seien sogar gefährlich. Als Beispiel führt die Stiftung Warentest Mittel mit Schöllkraut an, die auf Dauer die Leber schädigen könnten.
Bekannt ist auch das negative Urteil der Tester zu einer Reihe populärer Kombinationspräparate, etwa dem Schmerzmittel Thomapyrin oder den Erkältungsmitteln Wick Medinait, Aspirin complex und Doregrippin. Sie könnten aufgrund ihrer ungünstigen Zusammensetzung zu mehr Nebenwirkungen als nötig führen, so die Stiftung Warentest. Viele Medikamente werden nur eingeschränkt empfohlen, weil im Vergleich zu Standardmitteln höhere Risiken oder Nebenwirkungen bestünden. So sind beispielsweise Nasentropfen und -sprays mit Konservierungsstoffen schlechter bewertet als solche ohne – denn Konservierungsstoffe können die Nasenschleimhaut schädigen.
Das Handbuch „Rezeptfreie Medikamente“ gibt in den Kapiteln zu den einzelnen Erkrankungen auch Ratschläge für die nicht-medikamentöse Behandlung und Hinweise, wann ein Arztbesuch erforderlich wird. Es ist ab heute im Buchhandel erhältlich oder über die Stiftung Warentest für 29,90 Euro zu kaufen.
Kirsten Sucker-Sket / 20.09.2011, 14:28 Uhr
Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:
Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.




Horst Semeik sagt:
21.09.2011 13:01Stiftung Warentest ist ein gutes Geschäft, mit dem Verkauf der Bücher wird ordentlich Geld verdient. Und man muss bei jeder neuen Auflage einen tollen negativen Aufhänger haben, sonst kauft die Bücher keiner mehr.
Die Beurteilung der Medikamente ist wissenschaftlich fragwürdig. Thomapyrin hat z.B. riesige Studien durchgeführt mit dem Ergebnis, dass die Kombination besser wirksam und verträglicher ist als Monosubstanzen. Diese Ergebnisse liegen Stiftung Warentest vor, sie finden aber keine Berücksichtigung bei einer neuen Beurteilung.
Wichtiger als dieses fragwürdige Buch ist die gute Beratung in der Apotheke, da kann Herr Glaeske für Stiftung Warentest noch so toll begutachten. Der Kunde vertraut uns mehr.
Und glauben Sie mir, wenn Apotheker ein solches Buch heraus bringen mehr...
Kirsten Conrad sagt:
21.09.2011 09:19Das ist schon blöd. Nun verdirbt Warentest uns auch noch das letzte Geschäft.
Dabei wissen wir (zumindest diejenigen mit fundierter betriebswirtschaftlicher Ausbildung)doch wie gut unseren Kunden Schüssler Salze, Zink und Orthomol tun. Aber die anderen, nämlich die mit fundierter naturwissenschaftler Ausbildung, wissen leider auch wie gut der ganze Kram der Geldbörserse von uns Apothekern tut.
Reinhard Rodiger sagt:
20.09.2011 20:47@ Huesmann
Das ist es ,was fehlt! Wir! beurteilen Arzneimittel.Das gilt auch für die Rx.Warum akzeptieren
wir unwidersprochen riskante,in anderen Ländern verbotene Arzneimittel als Leitsubstanzen
in DMP ? (Glibenclamid)usw Wir sind nach aussen nicht als diejenigen erkennbar,die die richtige Medikation und deren Einhaltung als wichtigste Hilfe für den Patienten sichern können.
Wer 1/2 T statt einer nehmen muss verliert ein Fünftel seiner Chance auf Therapieerfolg. usw
Wo wird das artikuliert?
Elisabeth Jedamzik sagt:
20.09.2011 18:29Super, Ihr Kommentar!
der "Scheiß des Monats"(*) sollte wieder aufleben. Man wüsste gar nicht mehr, wo man anfangen sollte !
Aber zu viele verkaufen den (*).
Huesmann sagt:
20.09.2011 15:47Ja, die Stiftung Warentest macht unseren Job.Schon vor über 15 Jahren habe ich gefordert, dass die Apothekerschaft eine Stiftung Arzneimitteltest schafft. Passiert ist nichts. Der Verbraucher muss doch den Eindruck bekommen, dass die Apotheker zu blöde sind, Arzneimittel zu beurteilen. Den Eindruck muss man allerdings wirklich bekommen, wenn man sieht, dass selbst Kammern Veranstaltungen zum Thema Schüßler Salze anbieten. Von Bachblüten ganz zu schweigen. Und da wundert sich die DAZ und andere, dass Apotheker in der Öffentlichkeit nicht zu Themen rund um das Arzneimittel befragt werden? Da ruft man doch lieber bei Herrn Glaeske an.