Pharmazie

Boehringer Ingelheim und Lilly wollen ihr neues Diabetesmittel in Deutschland nicht auf den Markt bringen. (Foto: Boehringer Ingelheim)

Boehringer Ingelheim und Lilly wollen ihr neues Diabetesmittel in Deutschland nicht auf den Markt bringen. (Foto: Boehringer Ingelheim)

AMNOG-Folgen

Kein Trajenta® in Deutschland

Berlin - Boehringer Ingelheim und Lilly werden das neue orale Antidiabetikum Trajenta® (Wirkstoff Linagliptin) in Deutschland nicht auf den Markt bringen. Die Markteinführungen in anderen europäischen Ländern werden dagegen derzeit vorbereitet, teilte Boehringer heute mit. Grund ist die neue frühe Nutzenbewertung.

Erst kürzlich erhielt Trajenta zur Behandlung des Altersdiabetes Typ-2 in Kombination mit Metformin die EU-weite Zulassung. Doch in Deutschland werden die Patienten das Medikament nicht erhalten. Boehringer und Lilly, die sich in einer Diabetes-Allianz zusammengeschlossen haben, gehen davon aus, dass ihr Arzneimittel in der mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) frühen Nutzenbewertung keinen Zusatznutzen zugesprochen bekommt.

Nach dem seit Jahresbeginn geltenden § 35a SGB V bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Nutzen von erstattungsfähigen Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen. Hierzu gehört insbesondere die Bewertung des Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie, des Ausmaßes des Zusatznutzens und seiner therapeutischen Bedeutung. Diesen muss der pharmazeutische Unternehmer in einem Dossier nachweisen. Gelingt dies nicht, muss sich das Arzneimittel in eine Festbetragsgruppe mit vergleichbaren Arzneimittel gesellen.

Boehringer und Lilly gehen im Fall von Linagliptin davon aus, „dass die Auswahl der Vergleichstherapie und die Bewertung zu einer nicht ausreichenden Berücksichtigung des therapeutischen Nutzens und der positiven Eigenschaften des Wirkstoffs führen werden“, heißt es in einer Pressemeldung von Boehringer und Lilly. Als Folge drohe ein Erstattungsbetrag für Linagliptin, „der dem Innovationscharakter des Medikaments nicht gerecht wird“.

Dennoch wird auch Trajenta das AMNOG-Verfahren durchlaufen, da das Präparat in den Verkehr gebracht wird. „Wir werden uns mit Linagliptin der Bewertung gemäß AMNOG stellen und den Prozess durch eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem G-BA/IQWiG unterstützen. Dabei fordern wir aber ein sachgerechtes, faires und transparentes Verfahren", erklärte Jeremy Morgan, Geschäftsführer Lilly Deutschland. Erst wenn mehr Transparenz bezüglich des Ausgangs des AMNOG-Prozesses bestehe, werde das neue Antidiabetikum – wenn überhaupt – in Deutschland erst zur Verfügung gestellt, sagte Engelbert Günster, Landesleiter Deutschland von Boehringer Ingelheim.

Erst diese Woche hatte Novartis bekannt gegeben, seinen im Frühjahr eingeführten Blutdrucksenker Rasilamlo zum 1. September in Deutschland aus dem Markt zu nehmen.

Kirsten Sucker-Sket / 02.09.2011, 15:48 Uhr

Kommentare:

Ich glaubs nicht sagt:
08.09.2011 13:43

Das ist echt lächerlich.

Weil Deutschland sparen möchte, werden jetzt neue Medikamente bewertet und die Regierung darf am Preis mitspielen.

Wenn ich ein Pharmaunternehmen wäre, würde ich auch sagen: Wir lassen uns nicht auf der Nase rumtanzen...

Dann wird das Medikament halt vom Markt genommen.
Die Deutschen müssen sich mit den alten Medikamenten abgeben, während der Rest der Welt innovative Entwicklungen bekommt.

Thanks schwarz-gelb

Michael Zeimke sagt:
05.09.2011 07:11

Ich entschuldige mich für meine Übertreibung im ersten Kommentar.
Ist keine 3% partei sondern eine
2.8 % Partei.

doris sagt:
04.09.2011 22:32

AMNOG machts möglich.
Die super Spar Idee der FDP für das deutsche Gesundheitswesen.
Wir sollten darüber reden mit unseren Kunden.
Oder haben wir das bereits getan?
Der Untergang der FDP bei den Wahlen in Mecklenburg Vorpommern spricht Bände.

Dave Carpendale sagt:
03.09.2011 14:10

Heinrich Heine: Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
“Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
mehr...

neuapo sagt:
03.09.2011 10:37

Nun nimmt das Unglück seinen Lauf. Was die Apothekerschaft seit längerem befürchtet hat, tritt nun unglücklicherweise dank AMNOG & Co ein. Die Krankenkassen sparen sich eine Milionen nach der anderen zusammen und der gesetzlich versicherte Patient ist dabei der große Verlierer.

michael Zeimke sagt:
03.09.2011 08:27

So treibt man Forschung aus Deutschland.
Vor nicht langer Zeit waren wir die Apotheke der Welt.Die Reichen werden sich die Inovationen besorgen können.Die Armen sterben halt früher.Armes Deutschland.
Was bildet sich eine 3% Partei ein.

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