Pharmazie

Prof. Dr. Martin Schulz, AMK-Vorsitzender, soll eine Eckpunktstudie zur Apotheken-Intervention bei Herzinsuffizienz durchführen. (Fot: ABDA)
Mitgliederversammlung
ABDA will millionenteure Studie finanzieren
Berlin - Ungeachtet der Kritik an der geplanten überdurchschnittlichen Steigerung des ABDA-Haushaltes für das Jahr 2012 will die Dachorganisation der Apotheker eine teure Langzeitstudie über Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz finanzieren. Durchgeführt werden soll die „Endpunktstudie“ vom Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Prof. Dr. Martin Schulz. Nach DAZ.online-Informationen sind für die dreijährige Studie Kosten in Höhe von 700.000 Euro pro Jahr veranschlagt.
Unter Punkt TOP 4 der Tagesordnung der Mitgliederversammlung am morgigen Mittwoch ist eine Abstimmung über die „Endpunktstudie zur Wirksamkeit einer Apotheken-basierten Intervention für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz“ vorgesehen. Im Vorfeld gab es Kritik an der Finanzierung der Studie durch die ABDA. Von Kritikern wurde die Frage nach dem Nutzen der Studie für die öffentliche Apotheke gestellt. Außer einem möglichen Zugewinn an Renommee für den Vorsitzenden der AMK, Prof. Schulz, in Personalunion auch Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Arzneimittel der ABDA, sei kein Nutzen für die Apotheke vor Ort erkennbar, hieß es.
In einem separaten Schreiben an die Mitgliedsorganisationen hat die ABDA ausdrücklich auf die Bedeutung dieses Tagesordnungspunktes hingewiesen: „Auf Bitte einzelner Mitgliedsorganisationen und in Absprache mit Prof. Schulz übersenden wir Ihnen als Anlage zur Vorbereitung auf die ABDA-Mitgliederversammlung am 29.06.2011 eine ergänzende Information zu TOP 4: Endpunktstudie mit der Bitte um Kenntnisnahme“, heißt es darin.
In der Erläuterung heißt es: „Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten internistischen Erkrankungen mit geschätzt 2,7 Mio. Betroffenen in Deutschland (1). Die Prävalenz der Herzinsuffizienz steigt mit zunehmendem Alter und liegt bei über 80-jährigen bei ungefähr 10 % (2;3). 2009 war Herzinsuffizienz (nach chronisch ischämischer Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt) die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt in Deutschland (4). Die Krankheitskosten für Patienten mit Herzinsuffizienz betrugen 3,2 Milliarden Euro (5).“
Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass die Verbesserung der Therapietreue deutliche Verbesserung des Krankheitsverlaufes nach sich ziehe, heißt es weiter. Dazu könnten auch die Apotheker einen Beitrag leisten: „Apotheker können einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Einnahmetreue leisten. So konnte mit einer kombinierten Intervention aus pharmazeutischer Betreuung und individuell gestellten Arzneimitteln die Einnahmetreue von 61 auf 96 % gesteigert werden (8).“ Diese Verbesserung der Einnahmetreue sei mit verbesserten Blutdruck- und Lipid-Werten assoziiert gewesen. „Harte Endpunkte“, wie Krankenhausaufnahmen oder Mortalität seien in dieser Studie aber nicht gemessen worden. Dass soll jetzt mit Hilfe der ABDA-Finanzierung offenbar nachgeholt werden.
Lesen Sie hierzu auch:
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Lothar Klein / 28.06.2011, 10:21 Uhr
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dridi sagt:
03.07.2011 21:45Sich für eine sinvolle Studie einzusetzen sei der ABDA nicht verwehrt,ganz im Gegenteil. Sie mit unseren Beiträgen zu bezahlen und sich gleichzeitig den Haushalt zu erhöhen, jedoch schon.
Möhrke sagt:
01.07.2011 15:22Natürlich ist diese Endpunktstudie sinnvoll. Wer meint, den Krankeitsverlauf mit der Erfassung von Surrogatparametern ausreichend beschreiben zu können, solle sich z.B. die Bewertungen des IQWiG ansehen, um eines Besseren belehrt zu werden. Leider ist auch bei lebenslimitierenden Erkrankungen die Compliance oft unzureichend. Ich bin der Ansicht, man sollte den Mut und die Weitsicht von Prof. Schulz und der ABDA loben, sich für eine notwendige Studie einzusetzen.
pille sagt:
30.06.2011 09:43"In der Begründung heisst es, dass Apotheker einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Einnahmetreue leisten könnnen, dies insebesondere durch pharmazeutische Betreuung und individuell gestellte Arzneimittel. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die Verbesserung der Therapietreue eine deutliche Verbesserung des Krankheitsverlaufs nach sich zieht." Wenn man schon zahlreiche Studien hat, die eine Verbesserung belegen, kann man wohl auf die "harten Eckpunkte" verzichten. Die Studie ist einfach zu teuer. Werden alle öffentlichen Apotheken an der Studie beteiligt? Wer hat einen Nutzen von dieser Studie? Ich erinnere mich noch an die Diskussion um den Apothekenabschlag (von 1,75€ auf 2,05€). Man wollte mehr Spielraum für Verhandlungen mit dem Gr0ßhandel. Von mehr...
Elisabeth Jedamzik sagt:
29.06.2011 12:33Diese Studie nutzt uns nur, wenn das Ergebnis ernsthaft die ENTSCHEIDER interessiert. Das sehe ich hier als nicht gegeben.
Es nutzt nichts mehr. Nicht stattgehabte Öffentlichkeitsarbeit über Jahrzehnte kann ich nicht durch elitäre, niemand interessierende Studien heute ausgleichen.
Wo ist die Bekanntmachung der Untersuchung in Ba-Wü (glaub ich) über das Einsparpotential der Apotheken.
Versandet im medialen Nicht-Interesse, weil NON-Mainstream?
meyer sagt:
29.06.2011 11:34wie der kollege es bereits gesagt hat:
wer solche "freunde" hat braucht keine
feinde.
nach dem nichts mit dem neubau in berlin
geworden ist, muß man natürlich das überflüssige geld auf andere art und weise zum fenster rausschmeißen.
Dr. Schweikert sagt:
29.06.2011 08:51Ich möchte nur darauf hinweisen, daß wir aus wissentschaftlicher Sicht drigend eine Entpunktstudie brauchen um unseren Mehrwert unter Beweiss zu stellen.
Das Engagement für Behinderte, Organspende und Integration ist dagegen löblich aber für den Berufsstand sinnlos.
Winfried Meyer sagt:
28.06.2011 23:47Sehr geehrter Herr Dr.Rotta,
gestatten Sie mir, den Brückenbogen zu spannen zu hoheitlichbeauftragten Selbstverwaltungsorganen incl. deren (Kammer)gerichtsbarkeiten :
Kammern, hört die Signale!
- Kommentar von Dr. Christian Rotta - Mitherausgeber der DAZ + AZ hier : Ausgabe AZ aus 09/2002
-Zitatanfang-
"Der Wind, der den nationalen Kammern der freien Berufe in Europa entgegen bläst, wird rauer. Wie rau, werden die Reaktionen der EU-Kommission auf die Luxemburger Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs zum anwaltlichen Standesrecht zeigen. Bleibt - mittelfristig gesehen - im deutschen Standesrecht der freien Berufe tatsächlich kein Stein mehr auf dem anderen, wie das "Handelsblatt", unser Zentralorgan des ökonomischen mehr...
Winfried Meyer sagt:
28.06.2011 22:54zu
"Kann man diesen Dilettantenhaufen ABDA eigentlich irgendwie abwählen?"
JA ! gewiß doch !
zu
"Und wenn ja, wie geht das am schnellsten?"
1.)
systemkonform :
Als Basisapotheker in ALLE Kammerversammlungen gehen, mit Gleichgesinnten KollegenInnen dort Mehrheiten generieren für Anträge > Beschlüsse, die die jeweiligen Landeskammer-Führungen und -delegierten (notfalls selbst als neue Delegierte/Vorstand kandidieren !) ZWINGEN, z.B. selbst als Kammer aus der ABDA auszutreten, mit allen Konsequenzen
(u.U. auch monetären=Vermögensverlusten > Versorgungswerke etc.).
Gleiches gilt für Verbände.
Die Kammern MÜSSEN im Gegensatz zu Verbänden=Vereinen derartige Beschlüsse umsetzen, mehr...
Ho50 sagt:
28.06.2011 20:46Kann man diesen Dilettantenhaufen ABDA eigentlich irgendwie abwählen? Und wenn ja, wie geht das am schnellsten? Oder ist das eine Art Funktionärs-perpetuum-mobile: Einmal irgendwie zu Amt und Würden gekommen und dann geht's so weiter bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag?
Mitdenker sagt:
28.06.2011 19:53Was ist die Zielsetzung dieser Studie? Etwa ein betreuungshonorar für Apotheken? Dann kann man das Geld gleich sparen, denn die GKV akzeptiert bei Versorgungsstudien nur die, die sie selbst (bzw. der G-BA) initiiert hat. Und auch Versorgungsstudien können als RCT laufen - meint das IQWiG. Wie soll die Studie denn methodisch aussehen? Apotheker pickt sich die geeigneten Cherries aus seinen Kunden? Oder so richtig mit Randomisierung beim Arzt, Zuweisung zum Betreuungs- und Kontrollarm, Verblindung der Auswertung (Intervention geht ja wohl nicht) etc.? Und wie vermeidet man den Bias in der Kontrollgruppe, der allein durch die Aufmerksamkeit entsteht, die dem Patienten beim Einschluss in die Studie geschenkt wird?
Ein wenig mehr Info hätte man ja schon ganz gerne, bevor man sich ein Urteil bildet. Auf Basis mehr...