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Ein geringeres Krebsrisiko bei hohen Selenwerten ist möglicherweise eher auf eine gesunde Ernährung als auf eine direkte präventive Wirkung von Selen zurückzuführen.(Foto:© Skv7774 - Fotolia.com)

Ein geringeres Krebsrisiko bei hohen Selenwerten ist möglicherweise eher auf eine gesunde Ernährung als auf eine direkte präventive Wirkung von Selen zurückzuführen.(Foto:© Skv7774 - Fotolia.com)

Cochrane-Review zur Primärprävention

Kein Beweis für Krebsschutz durch Selen

Um zu prüfen, ob eine gute Versorgung mit dem Spurenelement Selen vor Krebs schützt und eine Selensupplementation Krebs vorbeugen kann, wurden in einem soeben publizierten Cochrane Review 55 Studien ausgewertet. Einen eindeutigen Beleg für eine krebspräventive Selenwirkung konnten die Autoren in diesen Studien nicht finden. Schädliche Wirkungen einer Selensupplementation seien nicht auszuschließen.

Zwar ergab die Auswertung von 49 prospektiven Beobachtungsstudien, dass Teilnehmer mit hohen Selenwerten teilweise seltener an bestimmten Krebsarten wie Prostata- oder Blasenkarzinom erkrankten, doch bei anderen Krebsformen wie Brustkrebs war dies nicht der Fall. Unklar ist dabei, ob tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Höhe der Selenwerte und dem Krebsrisiko bestand oder andere Faktoren wie eine bessere Ernährung oder ein gesünderer Lebensstil beispielsweise für das reduzierte Prostatakarzinom-Risiko verantwortlich waren.

Zur Frage, ob und in welchem Ausmaß eine gezielte Selensupplementation vor Krebs schützen kann, wurden sechs randomisierte und kontrollierte Studien ausgewertet. Keine der Studien hat nach Ansicht der Autoren einen überzeugenden Beweis für den Nutzen einer Selensupplementation in der Primärprävention erbracht. Im Gegenteil: die Auswertung der Studien mit den überzeugendsten Ergebnissen habe gezeigt, dass organisches Selen Männer nicht vor Prostatakrebs schützen und das Risiko für weißen Hautkrebs sowohl bei Männern als auch Frauen erhöhen kann. Auch Studien, die eine Abnahme von Leberkrebs unter Supplementation von organischem und anorganischem Selen nahe legen, konnten die Cochrane-Autoren nicht überzeugen. Sie empfehlen, dieser Frage weiter nachzugehen und den möglicherweise positiven Effekt zunächst zu evaluieren, bevor entsprechende Empfehlungen zur Prävention von Leberkrebs mit Selen gegeben werden. Weiterer Forschungsbedarf wird auch im Hinblick auf den Einfluss einer Selensupplementation in Abhängigkeit vom Ernährungsstatus gesehen. Möglicherweise ist der Benefit bei Unterernährung größer [1].

Als optimal werden Selenwerte im Plasma zwischen 110 und 130 Mikrogramm/l erachtet. Es wird diskutiert, dass nicht nur Werte darunter, sondern auch darüber möglicherweise mit einer erhöhten Gesamt- und Krebsmortalitiät assoziiert sind. Experten empfehlen daher bei Langzeitanwendung von Selen eine laufende Kontrolle des Selenspiegels [2].

 

Quelle

[1] Dennert G, Zwahlen M, Brinkman M, Vincett M, Zeegers MPA, Horneber M: Selenium for preventing cancer (review). The Cochrane Library. 2011, Issue 5

[2] Mücke R, Schomburg L, Büntzle J, Gröber U, Holzhauer P, Micke O: Komplementärer Seleneinsatz in der Onkologie. Der Onkologe 2010; 16: 181-186

Dr. Doris Uhl / 13.05.2011, 10:02 Uhr

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