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Formel von Fingolimod (Foto: DAZ Archiv)

Formel von Fingolimod (Foto: DAZ Archiv)

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Fingolimod

Fingolimod ist in Europa zur Zweitlinien-Behandlung der hochaktiven, schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität zugelassen, wenn diese auf eine Behandlung mit Interferon beta nicht ausreichend ansprechen. Außerdem wird es bei Patienten mit einer rasch fortschreitenden Form der Erkrankung eingesetzt.

Fingolimod (Gilenya®) leitet sich von einem Pilzprodukt, dem Myriocin, ab. Ursprünglich wurde Fingolimod als Immunsuppressivum nach Nierentransplantationen entwickelt. Hier war es jedoch nicht besser wirksam als die bereits eingeführten Wirkstoffe.

Fingolimod wird nach Einnahme durch das Enzym Sphingosin-Kinase-2 zu Fingolimod-Phosphat metabolisiert. Dieses bindet an die Sphingosin-1-Phosphatrezeptoren auf den Lymphozyten. Dadurch hindert es die Lymphozyten daran, aus den Lymphknoten in das Blut überzutreten, im Gehirn die Myelinscheiden zu zerstören und damit die für Multiple Sklerose typischen entzündlichen Prozesse am Nervensystem auszulösen.

Fingolimod wird einmal täglich in einer Dosis von 0,5 mg in Kapselform eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten.

In den Zulassungsstudien wurden mehr als 2600 MS-Patienten mit Fingolimod im Vergleich zu Interferon beta-1a (z. B. Avonex®, Rebif®) behandelt. Hier reduzierte Fingolimod die Schubrate um 54 % und wirkte damit besser als Beta-Interferon. Außerdem verzögerte Fingolimod das Fortschreiten der Behinderung und verringerte die Zahl der entzündlichen Hirnschäden.

Fingolimod unterdrückt aber auch erwünschte Reaktionen der Immunabwehr, so dass es häufiger zu Infektionen kommt, zum Beispiel der Atemwege und Pilzinfektionen der Haut. In den klinischen Studien kam es außerdem unter der höheren Dosis von 1,25 mg zu zwei Todesfällen durch Infektionen mit Herpesviren: Ein Patient starb an Windpocken, ein anderer an einer Herpes-simplex-Enzephalitis.

Weitere Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn der Behandlung eine Senkung der Herzfrequenz und der Leitungsgeschwindigkeit am AV-Knoten. Aus diesem Grund sollten nach der ersten Dosis Puls und Blutdruck überwacht werden. Außerdem kann es zu erhöhten Leberenzymwerten und Makula-Ödemen kommen.

Kontraindiziert ist Fingolimod bei immungeschwächten Patienten, schweren aktiven Infektionen, aktiven chronischen Infektionen wie Hepatitis und Tuberkulose sowie aktiven malignen Erkrankungen und schweren Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh-Klasse C).

Fingolimod wird phosphoryliert und über CYP4F2 abgebaut; pharmakokinetische Interaktionen mit CYP450-Inhibitoren wie Ketoconazol oder CYP450-Induktoren sind möglich. Außerdem sind Wechselwirkungen mit Antiarrhythmika, Betablockern, Zytostatika, Antineoplastika, Immunsuppressiva und anderen Immunmodulatoren zu beachten.

Wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen ist Fingolimod in Europa nur zur Zweitlinientherapie der Multiplen Sklerose zugelassen, wenn Beta-Interferone nicht ausreichend wirken oder die Erkrankung sehr aktiv ist und rasch fortschreitet.

In der Schweiz und den USA ist Fingolimod dagegen zur Ersttherapie zugelassen, allerdings nur unter strengen Auflagen. Vor Therapiebeginn sind Labortests auf die Leberfunktion, Blutdruckkontrollen und eine Untersuchung der Augen erforderlich.

Quelle: Fachinformation von Gilenya®, Stand März 2011

Dr. Bettina Hellwig / 05.05.2011, 11:34 Uhr

Kommentare:

OpferHM sagt:
04.10.2011 17:05

Hallo,

nach einer Studienteilnahme von Novartis über 6 Monate kann ich sagen, dass Fingolimod sehr gut verträglich ist. Nach der Zulassung in Deutschland kann jedoch das Medikament Gilenya (2346€/28Stück) nicht als Basistherapie bezogen werden. Meine Krankenkasse (PKV)hat das trotz bescheinigter Nadelphobie abgelehnt. Habe eine Klage eingereicht. Werde nach einer Entscheidung des Gerichtes wieder berichten.

stehaufmanderl sagt:
24.09.2011 07:28

Endlich!!! In Österreich sind die Verhandlungen mit dem hauptverband abgeschlossen und es kann bei den Kassen angesucht werden.
Nach avonex, rebif 22 und 44, novantron und tysabri der nächste Hoffnungsschimmer am Horizont.

comtronix sagt:
26.05.2011 00:13

Nach Mitoxantrone, Novantron,
Betaferon und Rebif
seit Diagnose ´91
wäre es eine Hoffnung
schürende Option!
Fragt sich nur, ob
die geizigen Krankenkassen
bereit sind, diese Menshlichkeit zu
unterstützen,
zumal eine Monats-Ration
mit über 2000 Euro
jede Früh-Rente sprengt

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