Pharmazie

Hypertoniepatienten haben ein erhöhtes Diabetesrisiko. Laut einer aktuellen Studie spielen dabei auch Antihypertonika eine Rolle. (Foto: Mark Poprocki - Fotolia.com)

Hypertoniepatienten haben ein erhöhtes Diabetesrisiko. Laut einer aktuellen Studie spielen dabei auch Antihypertonika eine Rolle. (Foto: Mark Poprocki - Fotolia.com)

Antihypertonika

Häufiger Diabetes durch Betablocker und Diuretika

Köln - Unter der Therapie mit Betablockern und Diuretika scheint häufiger Diabetes aufzutreten. Das verdeutlicht ein jetzt beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlichter HTA-Bericht (Health Technology Assessment).

Viele Patienten mit Hypertonie sind gleichzeitig zuckerkrank. Bisher wurde das vor allem auf gemeinsame Risikofaktoren wie Übergewicht zurückgeführt. Neuere Studien zeigen, dass auch Arzneimittel gegen Bluthochdruck die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes beeinflussen können. Welche Wirkstoffgruppen die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes fördern, ist die zentrale Frage des aktuellen HTA-Berichts. Dazu wurden Studien zur medikamentösen Behandlung des Bluthochdrucks aus einer systematischen Literaturrecherche untersucht.

Das Ergebnis zeigt: Diabetes tritt verstärkt unter Diuretika und/oder Betablockern auf. ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker besitzen eine eher präventive Wirkung, hier werden die vergleichsweise geringsten Diabetes-Raten beobachtet. Calciumantagonisten wirken neutral.

Wie ein unter Therapie entstandener Diabetes klinisch zu bewerten ist, konnte anhand der vorliegenden Literatur allerdings nicht ausreichend geklärt werden. Wichtige Daten fehlen, zum Beispiel zur klinischen Bedeutung eines bereits bestehenden Diabetes verglichen mit einem unter antihypertensiver Therapie entstandenen Diabetes hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse. Einschlusskriterien und Dauer der untersuchten Studien unterschieden sich. Zudem erfolgte keine der Untersuchungen in Deutschland, wodurch die Ergebnisse nur schwer auf die hiesige Situation übertragbar sind. Auch können erst weitere Forschungen zeigen, ob der unter medikamentöser Therapie entstandene Diabetes nach Absetzen oder Wechsel des Arzneimittels umkehrbar ist oder nicht.

Dennoch wird empfohlen, diese Ergebnisse bei der Wahl von Arzneimitteln gegen Bluthochdruck zu berücksichtigen. Zeigt ein Patient Risikofaktoren, die eine Entstehung eines Diabetes begünstigen, wie Übergewicht, chronische Herzinsuffizienz und beeinträchtigte Nüchternglucosewerte, sollten ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker für die Therapie erwogen werden.

 

Quelle: Grimm, C., et al.: Diabetesneuentstehung unter antihypertensiver Therapie; der HTA-Bericht ist in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI abrufbar.

 

Dr. Bettina Hellwig / 17.06.2010, 07:06 Uhr

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