Pharmazie

Wenn Nervenzellen "blank" liegen, kann dies an einem Gendefekt liegen, der zu einem Progranulinmangel führt. (Foto: Michael Colicos, UCSD)
Transportsysteme
Virus als Gen-Taxi
Frankfurt - In Zellkulturen stellte eine Frankfurter Wissenschaftlerin fest, dass das Protein Progranulin Nervenzellen schützt und deren Heilung anregt. Ein angeborener Gendefekt kann zu Mangelerscheinungen des Eiweißmoleküls führen und ist möglicherweise die Ursache für neuropathische Schmerzen. Im Mausmodell soll jetzt untersucht werden, ob sich genetische Informationen des Proteins per Virus-Transporter in die Nervenzellen schleusen lassen.
Neuropathische Schmerzen begleiten eine Vielzahl von Erkrankungen, die primär durch Schädigungen von Nervenzellen hervorgerufen werden, z. B. bei Multipler Sklerose oder Morbus Parkinson. Eine Wissenschaftlerin der Goethe-Universität Frankfurt am Main fand heraus, dass das Protein Progranulin eine wichtige Schutzfunktion auf Nervenzellen ausübt und bei Gendefekten nur unzureichend gebildet wird. Jetzt möchte die Medizinerin im Mausmodell herausfinden, ob eine Gentherapie die gestörte Progranulin-Produktion in den betroffenen Nervenzellen wieder normalisiert. Dazu sollen die genetischen Informationen des Eiweißmoleküls über einen Virus in das Innere der Zellen transportiert werden. Das ausgewählte "virulente Taxi" sei für den Menschen ungefährlich und wäre somit auch in klinischen Studien als Genfähre geeignet. Ist das genetische Erbmaterial im Zellkern angekommen, kann es dort abgelesen und das heilende Protein verstärkt gebildet werden. Weitere Untersuchungen sollen außerdem die Frage klären, ob Progranulin auch Entzündungen oder die Degeneration von Nervenzellen verhindern kann.
Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main vom 26.4.2010
Franziska Wartenberg/DAZ / 12.05.2010, 09:49 Uhr
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