Pharmazie

Wer aufgrund von Gelenkbeschwerden auf Schmerzmittel angewiesen ist, sollte sich nicht zu sehr um sein Hörvermögen sorgen, empfiehlt Prof. Dr. Dr. Kay Brune. (Foto: © sommersprosen - Fotolia.com)

Schmerzmitteltherapie

Hörschäden durch Analgetika: ein neues Problem?

Stuttgart - Die Meldung, dass regelmäßiger Schmerzmittelkonsum gerade bei Männern unter 60 Jahren zu einem Hörverlust führen kann, hat selbst Experten überrascht. In der aktuellen Ausgabe der Deutschen Apotheker Zeitung analysieren und kommentieren die Pharmakologen Prof. Dr. Dr. Kay Brune und Prof. Dr. Konrad Heintze die zugrunde liegenden Daten. Sie sehen keine Veranlassung, auf eine notwendige Schmerztherapie zu verzichten, auch wenn sie einen kausalen Zusammenhang nicht vollständig ausschließen können.

Hintergrund der Diskussion um einen potenziellen Hörverlust unter regelmäßiger Schmerzmitteltherapie ist die Veröffentlichung einer Datenanalyse der Health-Professionals-Follow-Up-Studie aus den USA. Sie hatte ergeben, dass Männer, die regelmäßig über acht Jahre mehr als zweimal pro Woche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder nichtsteroidale Antiphlogistika einnehmen, im Vergleich zu solchen, die auf Schmerzmitttel nur selten oder gar nicht zurückgreifen, ein erhöhtes Risiko für Schwerhörigkeit aufweisen. Das Risiko war umso größer, je jünger die Männer waren. Besonders gefährdet scheinen nach den Ergebnissen Männer unter 50 Jahren zu sein, die Paracetamol anwenden.

Doch gerade für Paracetamol gab es bislang überhaupt keine Hinweise auf eine Ototoxizität, so Professor Heintze gegenüber der DAZ. Er sieht verschiedene Schwachstellen in der Datenanalyse, die die Aussagekraft der Ergebnisse in Frage stellen. So hätten von den Männern, die regelmäßig Paracetamol einnahmen, 47% zusätzlich Acetylsalicylsäure, 14% zusätzlich NSAIDs und einige auch beides angewendet. Lediglich 391 der regelmäßigen Schmerzmittelkonsumenten hätten nur Paracetamol eingenommen. Wie viele davon unter 50 Jahren waren, sei der Studie nicht zu entnehmen. Daraus schließt Heintze, dass die berichteten Hörschäden nicht eindeutig Paracetamol zuzuordnen seien.

Professor Brune kommt in der DAZ zu folgendem Fazit: Wieder einmal werde über eine Korrelation berichtet, die niemanden interessierte, handelte es sich nicht um Schmerzmittel. Wer regelmäßig Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol einnehme, um zum Beispiel trotz Gelenkbeschwerden arbeitsfähig zu bleiben, sollte sich nicht zu sehr um sein Hörvermögen sorgen. Er sollte sich bemühen, diese relativ harmlosen Mittel in entsprechend niedriger Dosierung nur bei Bedarf einzunehmen, um damit alle Risiken, auch die eines möglichen Hörschadens, gering zu halten.

 

Hörschäden durch Analgetika: ein neues Problem? Dtsch Apoth Ztg 2010; 150 (10) S. 66 - 70

 

 

 

Dr. Doris Uhl / 10.03.2010, 16:25 Uhr

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