Pharmazie

Moderne Formulierung
Impfstoffe mit Zuckerglasur
Oxford - Eine neue Technologie macht das Kühlen von Impfstoffen künftig vielleicht überflüssig. Britischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die entsprechenden Wirkstoffe mit Hilfe eines dünnen Zuckerfilmes so zu stabilisieren, dass sie über mehrere Monate sogar subtropischen Temperaturen standhalten. Somit könnte Regionen in südlichen Ländern der Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten erleichtert werden.
Das Prinzip der "Temperatur-Stabilisierung“ von Impfstoffen klingt verblüffend einfach: die für die Immunisierung verwendeten Partikel werden in eine Zuckerschicht eingebettet und verbleiben bis zu ihrer Verwendung im festen Zustand. Wissenschaftler der University of Oxford testeten ihre entwickelte Methode an zwei gentechnisch veränderten Viren - ein Adenovirus und ein Vaccinia-Virus - die als Grundlage verschiedener in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe eingesetzt werden. Sie wurden mit den Zuckern Trehalose und Saccharose versetzt und auf eine Kunststoffmembran gebracht. Nach und nach verdunstete das Wasser und es bildete sich ein glasartiger dünner Zuckerfilm, der die Wirkstoffe vor Veränderungen und Zersetzung schützen kann. Auch unter hohen Temperaturen von ca. 45°C blieben die Impfstoffe etwa sechs Monate stabil. Bei Bedarf genüge eine wässrige Lösung, um die Substanzen wieder zu aktivieren, erklärten die Forscher. Eine längere Haltbarkeit von Impfstoffen ohne Kühlkette wäre vor allem für subtropische Länder ein Gewinn. Die Infektionen vorbeugenden Medikamente könnten auch in abgelegene Gegenden, in denen Kühlgeräte nicht zur Verfügung stehen, ohne großen Aufwand transportiert werden.
Quelle: Cottingham, M. et al.: Sci Transl Med, 2010, 2: 19ra12
Franziska Wartenberg/DAZ / 08.03.2010, 06:55 Uhr
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