Pharmazie

Gedanken analysieren und in aktive Signale umsetzen. Das ist das Ziel von BCI-Systemen. (Foto: Localite)

Neurologie

Wenn Computer Gedanken lesen

Hamburg - Einfach durch Gedanken Türen öffnen, das Fernsehprogramm umschalten oder Nachrichten schreiben - ein Schritt in diese Richtung ist jetzt einem internationalen Forscherteam der Universität Hamburg und der Tsinghua Universität in Peking, China, gelungen. In der aktuellen Ausgabe des renommierten "Journal of Neural Engineering" stellen die Wissenschaftler ein Brain-Computer Interface vor, das elektrische Signale des Gehirns "verstehen" kann.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an solchen Brain-Computer Interfaces (BCI), um Informationen aus den Hirnsignalen zu gewinnen und zur Steuerung eines Computers oder anderer Geräte zu benutzen. Forschungen an BCI-Systemen verfolgen unter anderem das Ziel, Patienten, die ihre Bewegungs- und Kommunikationsmöglichkeiten verloren haben, wieder die Teilnahme am Alltagsleben zu ermöglichen. Die Idee dabei ist, dass der Patient mental Aufgaben nachgeht, sich beispielsweise Handbewegungen vorstellt, oder Darstellungen auf einem Bildschirm betrachtet. Dabei werden Signale des Gehirns fortlaufend analysiert, klassifiziert und dann beispielsweise zum Aufruf eines E-Mail-Programms, zur Auswahl von Buchstaben oder Wörtern oder zur Steuerung eines Rollstuhls benutzt.

Bei dem nun vorgestellten System werden die schwachen, elektrischen Signale des Gehirns auf der Kopfoberfläche gemessen, während der Benutzer zwei sich überlagernde, verschiedenfarbige Punktwolken auf einem herkömmlichen Computermonitor beobachtet. Ein komplexes Computerprogramm analysiert die Hirnsignale und erkennt, auf welche der beiden Punktwolken sich der Benutzer gerade konzentriert, oder ob er sich im Ruhezustand befindet. In einer Beispielanwendung kann ein Patient das System nutzen, um eines der Wörter "warm", "kalt", "Hunger" oder "Alarm" auszuwählen. Einige der gesunden Versuchspersonen, an denen das System getestet wurde, erreichten Erkennungsgenauigkeiten von 100 Prozent.

Das Funktionsprinzip des Systems ist schon einige Zeit bekannt. Die bisherigen Systeme waren jedoch davon abhängig, dass der Patient seine Blickrichtung ändern konnte. Durch die überlagerte Darstellung der Punktwolken und die neue Methode zur Erkennung, auf welche Punkte sich der Anwender gerade konzentriert, ist das nicht mehr notwendig. Somit können auch Patienten, deren Bewegungsunfähigkeit soweit eingeschränkt ist, dass sie auch die Augen nicht mehr bewegen können, das neue Interface benutzen. Das System kann aber ebenso von gesunden Anwendern eingesetzt werden, zum Beispiel bei Computerspielen oder zur Steuerung von Spielzeugrobotern.

 

Literatur: Zhang, D., et al.: J. Neural Eng. Februar 2010, Online-Veröffentlichung: doi: 10.1088/1741-2560/7/1/016010.

 

Dr. Bettina Hellwig / 15.02.2010, 07:05 Uhr

Kommentare:

Bisher keine Kommentare vorhanden.

Kommentar abgeben:

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

 

 

Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:

RSS-Feed Tagesnews Alle

RSS-Feed Tagesnews Pharmazie

Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.