Pharmazie

Tabakpflanzen stecken kopfüber in einer Vakuumkammer, die mit einer Bakterienlösung gefüllt ist. Die Bakterien schleusen Gene in die Pflanzen, die so zu medizinischen Wirkstoffproduzenten werden können. (Foto: Bayer AG)

Non-Hodgkin-Lymphom

Tabakpflanzen liefern personalisierte Vakzine

Halle - Jetzt wurde die klinische Phase-I-Prüfung eines patientenspezifischen Impfstoffs durch die FDA in den USA genehmigt. Damit befinden sich zum ersten Mal Proteine, die in Tabakpflanzen produziert wurden, in der klinischen Erprobung.

Die patientenspezifischen Impfstoffe aus der Pilotanlage der Bayer-Tochter Icon Genetics in Halle sollen zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL), einer Krebserkrankung der Lymphozyten, eingesetzt werden. Die Behandlung soll das eigene Immunsystem aktivieren, so dass es die bösartigen Zellen erkennt und gezielt durch die körpereigenen Abwehrkräfte zerstören kann.

Die Entwicklung dieses personalisierten Impfstoffes hat zum Ziel, Patienten, die erfolgreich durch Chemotherapie behandelt worden sind, in kompletter Remission zu halten - das heißt, ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern. Mit Beginn dieser klinischen Prüfung wurde auch gezeigt, dass die magnICON-Technologie geeignet ist, Proteine für potentielle pharmazeutische Anwendungen herzustellen. Diese Technologie ist ein neuer Prozess zur schnellen Erzeugung von rekombinanten Proteinen wie Biopharmazeutika in hoher Ausbeute in der Tabakpflanze. Die Pflanze selbst wird nicht gentechnisch verändert: Es wird lediglich temporär ein Bauplan für das gewünschte Produkt mit Hilfe eines Agrobakteriums in die Pflanze gebracht, der sich in den Tabakpflanzenzellen verteilt. Das Protein wird anschließend aus den Blättern der Pflanze in hoher Reinheit gewonnen. Das Verfahren kann auch im großtechnischen Maßstab in einer geschlossenen Anlage betrieben werden.

Das Ziel künftiger Tumorbekämpfung ist eine möglichst auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie. Hämatologische Tumoren wie B-Zell-Lymphome eignen sich gut für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin, denn die von den Lymphomen gebildeten idiotypischen Antikörper sind hochspezifische Tumormarker.

Im Mittelpunkt der gerade begonnenen klinischen Studie an erkrankten Freiwilligen stehen Sicherheit, Verträglichkeit und - soweit aus Laborwerten ablesbar - auch immunologische Effekte der Impfung. Im Rahmen der Studie erhalten zwanzig Probanden jeweils den maßgeschneiderten Impfstoff in sechs subkutanen Applikationen innerhalb eines halben Jahres. Anschließend wird eine sorgfältige Charakterisierung der humoralen und zellulären Immunantworten erfolgen. Bei ausreichend positiven und Erfolg versprechenden Ergebnissen dieser Studie wird anschließend eine Zulassungsstudie (Phase III) angestrebt. Die jetzt angelaufene klinische Studie der Phase I wird an der University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas (USA), ausgeführt.

 

Quelle: Pressemitteilung der Bayer AG, 28. Januar 2010.

Dr. Bettina Hellwig / 06.02.2010, 08:00 Uhr

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