Frank Diener, Treuhand Hannover

Weitere schwere Mängel am Honorargutachten aufgedeckt

Berlin - 04.05.2018, 13:15 Uhr

Dr.
Frank Diener, der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, hat das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums analysiert und deckt weitere Mängel auf. (Foto: Treuhand)

Dr. Frank Diener, der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, hat das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums analysiert und deckt weitere Mängel auf. (Foto: Treuhand)


Dr. Frank Diener, der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover hat im Branchendienst „Observer Gesundheit“ eine vernichtende Kritik zum Honorargutachten der Agentur 2hm präsentiert. Mit bekannten und neuen Argumenten entlarvt er gravierende Mängel in den Daten und der Methode.

Obwohl die ABDA das Honorargutachten der Agentur 2hm gerne totschweigen möchte, wird in Fachkreisen darüber durchaus diskutiert. Im Branchendienst „Observer Gesundheit“ erschien dazu am 18. April eine Darstellung von Dr. Robert Paquet mit weitgehend positivem Tenor. Dies wiederum hat Dr. Frank Diener, den Generalbevollmächtigen der Treuhand Hannover, auf den Plan gerufen, der am 3. Mai ebenfalls im „Observer Gesundheit“ eine „ökonomische Replik“ veröffentlicht hat. Diener sieht die Darstellung von Paquet als „politisch angelegt“ und „mehr als nur ein ganz klein wenig voreingenommen“ gegenüber den Apotheken. Diener kontert mit Kritik an der nachträglichen Erweiterung des Gutachtens und mit ökonomischen Argumenten.

Irritierende Erweiterung

Diener äußert sich irritiert, dass der Auftrag für ein öffentlich ausgeschriebenes Gutachten nachträglich erweitert wurde. Doch das Gutachten habe in einem Dilemma gesteckt. Eine Milliardenkürzung erschiene unschlüssig, wenn mehr als ein Drittel der Apotheken existenziell gefährdet sind. Die zusätzliche Betrachtung des Versandhandel habe dafür einen Ausweg geboten: Nach dieser Lesart seien sehr viele Apotheken ohnehin bedroht und der Versand könne die verschwindenden Apotheken kompensieren.

Mangelhafte Datenbasis

Die vielfältigen ökonomischen Mängel, die Diener gegen das Gutachten anführt, sind aus Analysen bei DAZ.online und in der DAZ teilweise bekannt. Doch nennt er auch zusätzliche Aspekte und spitzt einige Gedanken zu. Insbesondere sieht er gravierende Mängel in der Datenbasis. Die Destatis-Daten würden auch apothekenfremde Umsätze von Apothekern aus Vermietung oder Kapitalvermögen einbeziehen. Hingegen würden Fremdkapitalzinsen und Abschreibungen dort wegen EU-weiter Betriebsvergleiche nicht berücksichtigt. „Durch die systematische Überzeichnung der Umsätze und gleichzeitig systematische Unterzeichnung der Kosten der Apotheken wird im 2hm-Gutachten also die wirtschaftliche Lage der Apotheken besser dargestellt als sie ist“ folgert Diener. Damit werde Anpassungsbedarf nach unten aufgezeigt.



Dr. Thomas Müller-Bohn (tmb), Apotheker und Dipl.-Kaufmann
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Wert der Daten?

von Heiko Barz am 06.05.2018 um 11:49 Uhr

Die Gleichung...Daten gleich Fakten..... sollte demnach auch nicht mehr ernst genommen werden! Ist das dann bei " Hart aber Fair " Plasberg's Faktencheck auch so ?
Darf sich denn in Deutschland jeder seine individuelle Daten- Rechts- und Faktenlage schaffen?
NEIN!!
Aber wo sind die unabhängigen Rechtsinstitute? Wie können wir bei dieser diffusen Rechtsauslegung den Daten Nerds in den Ämtern noch trauen, die eigentlich zu unser Aller Wohl und von unseren Steuergeldern am Leben gehalten werden?!
Es ist schon unerträglich mit anzusehen, wie sich die politische Macht offenbart. Da wird ein Gesundheitsminister "inthronisiert",der Sprüche von sich gibt, die Ihn als solchen zur sofortigen Amtsniederlegung zwingen müßten!
Ist es aber vielleicht genau das, was Frau Merkel will?
Herr Gröhe war zu unauffällig, bieder und wahrscheinlich auch zu anständig, als dass er hätte in seinem Examt bestätigt werden können. Es wird wohl nicht mehr herauszufinden sein, über wessen Beine der GROKO - Protagonisten er stolpern mußte. In diesen Situationen erscheint mir immer das Kopfkino von Caesar und Brutus.

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"Daten von Destatis.........."

von Kassensklave am 04.05.2018 um 19:26 Uhr

Auch ich bin einer jener Zwangsverpflichteten, die monatlich allen möglichen Unsinn an das Statistische Landesamt melden müssen..... das geht natürlich erheblich schneller, wenn man Zahlen zu Umsatz, Personal, geleisteten Arbeitsstunden, gezahltem Lohn etc. einfach ERFINDET statt mühsam aus verschiedenen Quellen heraussuchen muss. Ich habe auch schon mal 1000 Mitarbeiter angegeben, im nächsten Monat 1 ( "Einen"). Wird alles anstandslos übernommen. Dieser Staat bekommt von mir gar nichts mehr umsonst.......

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