Pharmazie

Argyrin, ein Protein aus Myxobakterien, stoppt die unkontrollierte Teilung von Darmkrebszellen. (Foto: Bayer AG)
Darmkrebs
Argyrin stoppt unkontrollierte Zellteilung
Hannover - Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover haben eine Substanz aus Myxobakterien identifiziert, die Darmtumoren bekämpft, das Protein Argyrin. Um eine gezielte Therapie gegen Darmkrebs zu finden, haben die Wissenschaftler rund 200 Naturstoffe und mehrere Tausend synthetische Substanzen getestet.
Dabei fiel Argyrin, ein Protein aus Myxobakterien, besonders auf. Von diesem Protein war bisher nur bekannt, dass es das Immunsystem hemmt. Nach den neuen Erkenntnissen der Forscher kann dieser Wirkstoff aber auch in der Krebstherapie eingesetzt werden: Er stoppt das Tumorwachstum und löst das Signal zum freiwilligen Selbstmord (Apoptose) der Krebszellen aus.
Argyrin greift in den fein abgestimmten Mechanismus der Zellteilung ein, der durch das Protein p27 gesteuert wird. p27 ist in allen gesunden Zellen vorhanden und wirkt als Zellteilungsbremse. In vielen Tumorzellen ist dies anders: Die bösartig veränderte Zelle bekommt das Signal, p27 abzubauen. Damit ist die Bremse gelöst und die Zelle teilt sich unaufhörlich. Die Überlebensraten von Krebspatienten sind besonders schlecht, wenn in ihren Krebszellen wenig oder kein p27 vorzufinden ist.
Im Vergleich zur standardmäßig eingesetzten Chemotherapie hat Argyrin deutlich geringere Nebenwirkungen, so löst es beispielsweise keine Durchfälle aus. Ein weiterer Vorteil ist, dass Argyrin gezielt die Blutgefäße angreift, die einen Tumor versorgen. Diese Wirkung ist neu: Bisher gibt es nur Medikamente, die verhindern, dass neue Blutgefäße im Tumor gebildet werden. Argyrin wurde kürzlich zum Patent angemeldet. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren für den therapeutischen Einsatz.
Die Deutsche Krebshilfe unterstützte dieses Projekt mit insgesamt rund 660.000 Euro.
Quelle: Presseinformation der Deutschen Krebshilfe, 28. Juli 2010.
Dr. Bettina Hellwig / 08.08.2010, 06:51 Uhr
Sie können die News auch als RSS-Feed abonnieren:
Hier finden Sie weitere Informationen zum RSS-Feed der DAZ.online.
gina sagt:
07.01.2012 19:20schön, aber wie lange wird es noch dauern bis es den Patient4en zugute kommt?