Pharmazie

(Foto: DAZ Archiv)
Prostatakarzinom
Therapeutischer Impfstoff Provenge zugelassen
Stuttgart - Am 29. April hat die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Provenge®, den weltweit ersten therapeutischen Impfstoff zur Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms, zugelassen. Sofort stieg der Aktienkurs des Herstellers Dendreon um ein Drittel. Sorgen machen sich indessen die Krankenversicherungen wegen der zu erwartenden Kosten.
Das neue Medikament Provenge® (Sipuleucel-T) dient der aktiven zellulären Immuntherapie von „austherapierten“ Patienten mit metastasiertem und hormonresistentem Prostatakarzinom. Es handelt sich um eine personalisierte Therapie: Dem Patienten werden Monozyten (mononukleäre Leukozyten) entnommen und in vitro mit dem Fusionsprotein PA2024 inkubiert. PA2024 besteht aus der prostataspezifischen sauren Phosphatase (PAP) und dem Granulozyten-Makrophagen-koloniestimulierenden Faktor (GM-CSF). 40 Stunden nach der Inkubation werden die Monozyten gewaschen und in Ringer-Lactat-Lösung suspendiert. Darauf kann die Zubereitung dem Patienten infundiert werden; die Dosis beträgt drei Infusionen innerhalb von zwei Wochen. Die manipulierten Monozyten stimulieren die T-Lymphozyten, dass sie die Krebszellen der Prostata vernichten. Die Therapie kann den Patienten nicht heilen, sondern nur das Tumorwachstum verlangsamen.
Die klinische Prüfung von Sipuleucel-T hatte bereits im Jahr 2000 begonnen. Noch vor drei Jahren hatte die FDA dem Medikament jedoch die Zulassung verweigert, weil es seine Wirksamkeit anzweifelte, und die Durchführung einer neuen Phase-III-Studie gefordert. Diese wurde als plazebokontrollierten Studie (n = 512) durchgeführt und im letzten Jahr abgeschlossen und ausgewertet; demnach hatte die Lebensdauer der behandelten Patienten um 4,1 Monate zugenommen.
Die Behandlungskosten je Patient betragen 93.000 Dollar. Auch die Patienten der neuen, erst in diesem Jahr gegründeten Volkskrankenkasse Medicare haben Anspruch auf die Behandlung, sofern sie mindestens 65 Jahre alt sind, was bei Patienten mit unheilbarem Prostatakarzinom meistens der Fall ist. Medicare muss in dieser Altersgruppe grundsätzlich alle verordneten Infusionen vollständig bezahlen, während sich die Patienten bei oralen Arzneimitteln an den Kosten beteiligen müssen.
Kritiker fragen nicht nur, ob es gerechtfertigt ist, rund 23.000 Dollar pro Monat auszugeben, um das Leben eines Schwerkranken zu verlängern. Sie bemängeln auch, dass Sipuleucel-T nicht gegen ein anderes Krebsmedikament wie Docetaxel (Taxotere®) getestet wurde. Dann hätte sich möglicherweise keine signifikante Überlegenheit gezeigt.
Derweil hat der Hersteller Dendreon ein anderes Problem, nämlich seine Produktionskapazität auszuweiten; derzeit reicht sie aus, um bis zum Jahresende 2000 Patienten zu behandeln.
Dr. Wolfgang Caesar / 05.05.2010, 14:40 Uhr
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Gundula Hummel sagt:
03.06.2011 19:31Ich möchte folgenden LINK zu meinem letzten Kommentar zufügen.
Soviel zu den 4,1 Monaten MEDIAN Überlebensvorteil ;-)
http://www.sciencedaily.com/releases/2011/06/110602162824.htm
Gundula Hummel sagt:
03.06.2011 16:30Sehr geehrter Herr Dr. Caeser,
Sie teilen den MEDIAN Überlebensvorteil durch die Kosten der Therapie, ohne zu erwähnen das die Überlebensrate nach drei Jahren von 11% auf 38% ansteigt.
Sie vergleichen demnach die Kosten von Docetaxel Taxotere® vs. Provenge, denn das war bis jetzt das einzig zugelassenen Medikament zur Behandlung.
Dabei sollten aus meiner Sicht die Gesamtkosten betrachtet werden.
Sie unterschlagen indirekt die Kosten die bei der Behandlung der Nebenwirkungen von Docetaxel Taxotere® anfallen plus mögliche Klinikaufenthalte.
Auch wird von Ihnen nur im Nebensatz auf die weit bessere Lebensqualität unter Provenge eingegangen.
"Die Therapie kann den Patienten nicht heilen, sondern nur das Tumorwachstum mehr...