Pharmazie

Diatomeen mit charakteristischer zweigeteilter Kieselsäureschale. (Foto: Wikipedia)

Diatomeen mit charakteristischer zweigeteilter Kieselsäureschale. (Foto: Wikipedia)

Wirkstoffscreening

Kieselalgen bieten neuen Ansatz bei Leukämie

Bergen - Eine Arbeitsgruppe der Universität Bergen hat Extrakte aus verschiedenen Kieselalgen (Diatomeen) der norwegischen Atlantikküste auf ihre Wirksamkeit in Leukämiezelllinien untersucht. Die Ergebnisse zeigen ermutigende zelltoxische Eigenschaften. Sogar Zellklone mit bekannter Resistenz gegen Zytostatika wurden von den Einzellerextrakten in die Knie gezwungen.

Auf der Suche nach neuen onkologischen Wirkstoffen besinnt man sich auf die scheinbar unerschöpfliche Vielfalt des Lebens unserer Ozeane. Erfolgreiche Entwicklungen der letzten Jahre waren beispielsweise das Alkaloid Trabectidin und das Zyklodepsinpeptid Aplidin, die beide aus Seescheiden isoliert wurden. Diatomeen sind dagegen toxikologisch bislang lediglich durch epidemieartige Fischvergiftungen nach Algenblüten, ausgelöst durch die neurotoxische Aminosäure Domoinsäure, aufgefallen.

Die Forschergruppe setzten IPC- Leukämiezellen, darunter auch Träger des Überlebensproteins Proteins Bcl- 2, Zellextrakten aus Kieselalgen der Uferzone aus. Untersucht wurden vier verschiedene Spezies der Biofilmbildner. Resultate waren Apoptoseinduktion und Autophagozytose in IPC- 81 Zelllinien und vereinzelt Überwindung der Bcl- 2 induzierten Zytostatikaresistenz. Der Effekt wird unter anderem auf den hohen Adenosingehalt der Extrakte zurückgeführt. Aber auch adenosinunabhängige Wirkungen durch bislang unbekannte Substanzen wurden nachgewiesen. Die Beteiligung des bekannten Neurotoxins Domoinsäure an der Auslösung des Zelltodes schließen die Forscher aus. Gezielte Versuche fanden ferner viel versprechende Effekte auf die Thrombozytenaggregation.

Da die Autoren zu dem Schluss gelangen, im weit verzweigten Reich dieser eukaryotischen Mikroalgen eine reichhaltige Quelle für neue Wirkstoffe gefunden zu haben, werden weitere Isolierung und genaue Strukturaufklärung der Inhaltstoffe Ziel zukünftiger Untersuchungen sein.

 

Quelle: Prestegard, S. K. et al.: Marine Drugs 2009; 7: 605-623

 

Peter Tschiersch / 19.02.2010, 09:36 Uhr

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