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Sabine Merta
Schlank! -
Ein Körperkult der Moderne
Die Industrialisierung ist an allem schuld – dieses Fazit wäre verkürzt, dennoch steckt darin viel Wahrheit. War im 17. Jahrhundert Übergewicht ein Phänomen der kleinen Oberschicht und deshalb mit Reichtum und Macht assoziiert, also im Grunde genommen erstrebenswert, begann Ende des 18. Jahrhunderts eine Veränderung in der Gesellschaft. Insbesondere das aufstrebende, christlich geprägte Bürgertum empfand zu viele Pfunde als Zeichen ungenügender Disziplin und mangelnder Tugend. Die Industrialisierung veränderte zudem massiv die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten der Menschen. Raffinierter Zucker und Fette, Fleisch und eiweißreiche Kost im Übermaß, dafür aber kaum noch Getreide und Hülsenfrüchte zeigten erste negative Auswirkungen in der Volksgesundheit. Aus diesen Gedanken und Erfahrungen heraus entwickelte sich, durch die politisch-gesellschaftlichen Umstände begünstigt, die Reformbewegung in all ihren Facetten. Wohnraum, Kleidung, Bewegung an der frischen Luft, Sport und nicht zuletzt die Hinwendung zu einer vegetarischen und vollwertigen Ernährung waren die Folgen. Dies legt Sabine Merta, Autorin des Buchs "Schlank! Ein Körperkult der Moderne" ausführlich dar, beschreibt dabei auch manch skurrile Diät-Auswüchse der Jahrhundertwende und zeigt auf, wie die Entwicklungen im Zusammenspiel den heutigen Begriff von Attraktivität und Schlankheit beeinflusst haben und auch weiterhin beeinflussen.
Ein kulturgeschichtlich gut recherchiertes und spannendes Buch mit einem besonderen Fokus auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1930. Die Lektüre macht natürlich nicht schlank. Aber wenn mal wieder der Hosenbund zwickt und der Blick in den Spiegel eher Enthaltsamkeit als Genuss anrät, ist sie sicherlich eine Anregung zum kritischen Umgang mit dem gesellschaftlichen Druck des Schlankseins und dem eigenen Körperbild: Ernährung ist eines, Essen ein anderes und beides darf nicht krank machen! (cs)
Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier
Franz Steiner Verlag
ISBN 978-3-515-09229-6
1. Auflage 2008. 421 S., 31 s/w Abb., 3 s/w Zeichn., mit Schutzumschlag. Neufassung der Dissertation von 2003, gebunden
29,50 Euro inkl. MwSt.
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