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Apothekertag

Die wirtschaftliche Lage der Apotheken hat sich deutlich verschlechtert. ABDA-Präsident Wolf forderte daher auf einer Pressekonferenz eine gerechtere Honorierung. (Foto: DAZ/Schelbert)

Die wirtschaftliche Lage der Apotheken hat sich deutlich verschlechtert. ABDA-Präsident Wolf forderte daher auf einer Pressekonferenz eine gerechtere Honorierung. (Foto: DAZ/Schelbert)

Deutscher Apothekertag 2011

"Wir brauchen mehr Honorar"

Düsseldorf - Eine dynamisierte Honorierung, eine Begrenzung der Belastungen durch das AMNOG und ein Ausgleich für Unterdeckungen bei Notdiensten, Rezepturen und der BTM-Abgabe – dies sind derzeit die politischen Kernforderungen der ABDA. Dazu habe man ein Gesamtpaket geschnürt, das man nun der Politik vorlegen will, erklärte heute die ABDA-Spitze.

DAZ.TV: ABDA Pressekonferenz zum Apothekertag 2011

„Die Apotheker werden von der Politik unfair behandelt“, erklärte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf heute auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Deutschen Apothekertages. So werde das im Koalitionsvertrag versprochene Pick-up-Verbot „trotz unserer vielfältigen Vorschläge“ nicht umgesetzt. Zudem litten die Apotheken unter den AMNOG-Belastungen. Nicht nur die ihnen von der Politik zugedachten 200 Mio. Euro lasteten auf ihnen – der Großhandel gebe seine Belastungen ebenfalls an die Apotheken weiter und blute sie so aus. Ende 2011 müsse mit dieser Doppelbelastung Schluss sein, forderte Wolf. Dann hätten die Apotheken ihr Soll bereits mehr als erfüllt.

Aber auch die Apothekenhonorierung will die ABDA neu geregelt sehen. Das bewährte Apothekensystem werde in ein paar Jahren kollabieren, wenn Apotheker nicht endlich ein angemessenes Honorar erhielten. Wolf: „Wir wollen nicht nur mehr Honorar, wir brauchen es“. Der Umstieg auf das Kombimodell im Jahr 2004 ist aus Sicht der ABDA richtig gewesen. Allerdings: 2011 erhalten Apotheken pro GKV-Packung genauso viel wie vor acht Jahren. Und das bei steigender Inflation, höheren Sach- und Personalkosten und mehr Bürokratie und Leistung. Dabei hätten die Apotheken wegen des variablen Apothekenabschlags nicht einmal Planungssicherheit – auch im Jahr 2011 wüssten sie nicht, was sie für 2009 und 2010 tatsächlich an die Kassen zahlen müssen.

Als Beispiel für das Ungleichgewicht an Belastung und Honorierung führte Wolf die Abgabe von Betäubungsmitteln an: Der Apotheker bekomme hier für den erhöhten Aufwand pro Packung 26 Cent mehr. Allerdings verlange der Großhandel wiederum mehr als einen Euro Sondergebühr – am Ende steht der Apotheker sogar mit weniger Honorar da.

Wolf betonte: „Die Apotheker wollen keine Geschenke, sondern eine angemessene Honorierung – nicht mehr und nicht weniger“. Sie müsse der realen Aufwands- und Kostensteigerung angepasst vorausschauend dynamisiert werden. Karl-Heinz Resch, ABDA-Geschäftsführer Wirtschaft, Soziales und Verträge, verwies darauf, dass auch das von der Politik vorgeblich auf 2011/12 beschränkte „Sonderopfer“ – der auf 2,05 Euro erhöhte Apothekenabschlag – de facto dauerhaft weiter wirke. Denn bei den nächsten Verhandlungen über die Anpassung des Abschlages werde auf eben dieser Basis von 2,05 Euro verhandelt – und nicht auf der von 1,75 Euro.

Auf eine genaue Bezifferung der Honorarvorstellungen wollte sich die ABDA-Spitze nicht festlegen lassen. Resch beließ es bei der Information, dass das Fixum heute bei 8,88 Euro liegen würde, hätte man das ABDA-Konzept schon 2004 eingeführt. Das Modell bestehe aus verschiedenen Bestandteilen, so Resch. Wie hierin der Ausgleich für die Unterdeckung beim Nacht- und Notdienst sowie bei der Herstellung von Rezepturen und der Abgabe von Betäubungsmitteln konkret aussehen soll, blieb offen.

Die ABDA hofft nun, in der Politik gehört zu werden. Dabei werde man selbst auf sie zugehen – denn zuletzt fühlte sich die Apothekerschaft recht vernachlässigt von den Volksvertretern. Wolf betonte, dass die Apotheker einen freien und unabhängigen Beruf ausübten – eine Tätigkeit, die insbesondere die FDP in der Vergangenheit stets zu schätzen wusste. Allerdings mache auch gerade diese Unabhängigkeit abhängig – und zwar vom Staat. „Will er unser gutes System erhalten, muss er auch zahlen“, so Wolf.

Kirsten Sucker-Sket / 05.10.2011, 14:12 Uhr

Kommentare:

Elisabeth Jedamzik sagt:
06.10.2011 13:40

Dieses unterwürfige Betteln klingt doch wie eine Erfolgsmeldung an die
Adresse derer, die die Vision
21 000 MINUS ein Drittel schon vor 15 Jahren anvisiert hatten. Und es zeigt
denen doch, dass sie mit ihren langfristig geplanten Massnahmen jetzt
allmählich den Erfolg einfahren können. ( z.B. Dressler 1995: "wir werden so
lange an der Rentabilitätsschraube drehen.......")
Die Politiker hatten mehr Weitsicht als unsere Standeszertreter seinerzeit
2003 !!!

dietmar Frensemeyer sagt:
06.10.2011 08:19

OH MEIN WOLF !!!
politisch so dilettatinsch und UNTERWÜRFIG - geradezu ekelhaft devot: die ABDA hofft von der Politik gehört zu werden ....
haben 165 000 Mitarbeiter keine Stimme?
politisch richtig wären diese Forderungen:

Weg mit den volkswirtschftlich und pharmazeutisch schädlichen RAbattveträgen.
Weg mit dem Versandhandel von RX

Weg mit PICK UP.

Inflationsausgleich für die Apotheken seit 2004.

Kein Rabatt, auch nicht für die Kkassen.
Positivliste für Wirkstoffe
Fertigarzneimittelauswahl in der Apotheke (ABDA KBV MODELL)

Schmerzgel sagt:
05.10.2011 22:45

zu Bernhard:
Solange wir mit den Preisen im Internet konkurrieren, müssen wir ebenfalls preisaktiv im OTC-Segment agieren. Und dies ist ausdrücklich politisch erwünscht. Dies schließt m.E. aber eine Forderung nach Dynamisierung unserer Honorare im RX-Bereich nicht aus, sondern verstärkt diese Forderung eher noch, da wir keinerlei Möglichkeit einer Subventionierung des Rx-Bereiches durch OTC und Freiwahl mehr haben.
In diesem Zusammenhang erscheint mir auch die Forderung nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer auf 7% sinnvoll. Zum einen können wir damit auf gleicher Ebene wie der Versand aus den Niederlanden agieren und hätten zudem die Kassen auf unserer Seite. Diese hätten dann selbst bei steigender Honorierung im Rx-Bereich für die Apotheken weniger Ausgaben. Nur der Staat würde mehr...

Schmerzgel sagt:
05.10.2011 22:41

zu Bernhard:
Solange wir mit den Preisen im Internet konkurrieren, müssen wir ebenfalls preisaktiv im OTC-Segment agieren. Und dies ist ausdrücklich politisch erwünscht. Dies schließt m.E. aber eine Forderung nach Dynamisierung unserer Honorare im RX-Bereich aber nicht aus, sonder verstärkt diese Forderung eher noch, da wir keinerlei Möglichkeit einer Subventionierung des Rx-Bereiches durch OTC und Freiwahl mehr haben.
In diesem Zusammenhang erscheint mir auch die Forderung nach einer Absenkung der Mehrwertsteuer auf 7% sinnvoll. Zum einen können wir damit auf gleicher Ebene wie der Versand aus den Niederlanden agieren und hätten zudem die Kassen auf unserer Seite. Diese hätten dann selbst bei steigender Honorierung im Rx-Bereich für die Apotheken weniger Ausgaben. Nur der Staat mehr...

Winfried Meyer sagt:
05.10.2011 22:19

Wenn man nun bedenkt, was der LAV-Hamburg zur ALIMENTIERUNG der apothekeNNNlichen (21.500) Leistungserbringung im gemeinwesendienlichen Anspruch "Schutz der Gesundheit" lt. §1 ApoG artikuliert
www.hav-hamburg.de/apotheken/versandhandel_01.php
...und...
diese Sichtweise auf den Themenkreis
"GH-Rabattkultur hat sich verselbständigt" (Prof.Kaapke AZ 44/2010)
ausweitet,
... darüberhinaus immernoch dem DAV-Credo aus H.S.Kellers Munde nacheifert:
"Wir fordern von der Politik ..., weil der Deutschen-Apothekerschaft nicht zuzumuten ist, die Interessen der Pharmaindustrie zu tangieren",
... und dies alles im Selbstanspruch eines KORREKTIVS im Gesundheitswesen, in Form von Selbstverwaltung Apothekerkammern mehr...

Winfried Meyer sagt:
05.10.2011 18:58

"FORDERUNGEN" ?
1.)Weg mit Pick-up! ... gänzlich (wie ABDA-Forderung) oder modifiziert (Dr.Rotta-like) ?
2.)Inflationsausgleich sofort! ... O.K.
3.)Weg mit Rabattverträgen! ... "erkauft" durch eine womögliche Höchstpreisverordnung ?
4.)Honorarerhöhung DRINGEND! ...... wieviel , 10 € , welche Leistungen abdeckend "all-inclusive" durch JEDEN Apotheker-e.K. ?
5.)Weg mit Nullretax! ... O.K. , andere Instrumentarien stehen kammergerichtsbarkeitlich zur Verfügung in (dann hoffentlich durchgreifender) Selbstverwaltung bei apothekerlichem Fehlverhalten, denn z.B.: Rezept=Dokument, auch wenn z.Zt. vereinsmeierische Verbände (insb. LAVen=DAV) Vertragspartner diverser KKen mit "eigenen Strafkatalogen" mehr...

Michael Zeimke sagt:
05.10.2011 15:17

Leider war Herr Wolf ein Hauptverfechter der Packungshonorare und ein Verfechter der These "Rabatte dahin wo sie "hingehören" ! Ich war Zeuge im Landesausschuß des LAV-Niedersachsen und
vehementer Gegner !

Apotheker55 sagt:
05.10.2011 15:15

die Politik hat den Irrsinn mit den Rabatten erst ermöglicht, unter anderem mit der Erlaubnis zum Internethandel mit Arzneimitteln. Man wollte angeblich dem Verbraucher etwas Gutes tun. In Wirklichkeit war und ist geplant, die Apotheken zu ruinieren. Hat man nicht das Kartellamt bemüht, als die Apotheken partout die Preise nicht senken wollten?
Die Politik hat sich deshalb nicht zu beschweren. Im Gegenteil, sie ist für die ganze Misere verantworlich.
Man könnte auch den ganzen Pick up Quark verbieten und wieder die Festpreise auch im OTC einführen. Vielleicht reicht uns dann die Spanne. So aber garantiert nicht. Im Übrigen hat seit 10 Jahren keine Anpassung stattgefunden, immer nur Erhöhungen der Rabatte. Die müssen sowieso fallen.

Apotheker55 sagt:
05.10.2011 15:15

die Politik hat den Irrsinn mit den Rabatten erst ermöglicht, unter anderem mit der Erlaubnis zum Internethandel mit Arzneimitteln. Man wollte angeblich dem Verbraucher etwas Gutes tun. In Wirklichkeit war und ist geplant, die Apotheken zu ruinieren. Hat man nicht das Kartellamt bemüht, als die Apotheken partout die Preise nicht senken wollten?
Die Politik hat sich deshalb nicht zu beschweren. Im Gegenteil, sie ist für die ganze Misere verantworlich.
Man könnte auch den ganzen Pick up Quark verbieten und wieder die Festpreise auch im OTC einführen. Vielleicht reicht uns dann die Spanne. So aber garantiert nicht. Im Übrigen hat seit 10 Jahren keine Anpassung stattgefunden, immer nur Erhöhungen der Rabatte. Die müssen sowieso fallen.

Bernhard sagt:
05.10.2011 14:15

mehr honorar,
weil 20 30 40 50 Prozent rabatt auf otc für die kunden wohl nicht genug sind?
Glaubt irgendjemand dass die politik
dan mitspielt? Für die sieht es doch so aus als sei noch Luft ohne Ende im Apothekensystem.Warum als honorarerhöhung?

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